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So entkommt man der tödlichen Strömung

Todesfalle Wasserwalze: So entkommt man der tödlichen Strömung

028.07.10|Bayern|Bayern|
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Artikel: Todesfalle Wasserwalze: So entkommt man der tödlichen Strömung

München - Todesfalle Wasserwalze: Jeden Sommer ertrinken Menschen in Bayerns Flüssen. Viele unterschätzen die Gefahr an Wehren und Staustufen. Im Labor erklärt Helmut Kulisch die „Waschmaschinen“-Strömung – und wie man ihr entkommt.

© Bollig

Im Versuch erklärt Helmut Kulisch den „Waschmaschinen-Effekt“ mit einem Playmobil-Männchen. Nachdem das Wasser über das Wehr schwappt, strömt es zum Grund. Von dort steigt es wieder zur Oberfläche. Die Welle am Wehr reißt immer mehr Wasser in die Tiefe – hier entsteht ein Wassermangel. Der Fluss strömt in diese Richtung, fließt also rückwärts. So entsteht eine kreisförmige Strömung.

Es ist kaum zwei Monate her, da starb Karl D. für seinen Sohn. Der zweijährige Kevin spielt mit seinem Plastikauto an der Isar. Als es davon schwimmt, will Kevin hinterher. Er gerät in die Wasserwalze an der Marienklausebrücke in München. Sein Vater, Karl D., hechtet ihm nach. Doch er kann Kevin nicht erreichen. Immer wieder drückt die Strömung Karl D. unter Wasser. Ein Bundeswehrstudent rettet Kevin schließlich aus den Fluten. Karl D. wird vier Kilometer flussabwärts an Land geschwemmt. Der 44-Jährige ist da bereits tot.

„Auch ein geübter Schwimmer hat keine Chance gegen die Strömung einer Wasserwalze“, sagt Helmut Kulisch, Leiter des Wasserlabors der Bundeswehr-Uni in Neubiberg (Kreis München). „Aber er wüsste, wie er überlebt.“

Um die rettende Technik zu verstehen, muss man begreifen, wie eine Wasserwalze funktioniert. Kulisch dreht an einem roten Hahn. Wasser sprudelt in eine Rinne, die wie ein extrem flaches Aquarium aussieht. In der Mitte des Tanks steht ein Hindernis – es soll ein Wehr simulieren. Das Wasser staut sich, steigt immer höher und schwappt schließlich über das Wehr.

„Hier entsteht die Überfall-Strömung“, erklärt Kulisch und nimmt ein Playmobil-Männchen in die Hand. „Die zirkulierende Strömung hält jeden gefangen“, sagt er – und lässt das Männchen fallen. Mit Wucht wird es nach unten gespült, dann treibt es in der Tiefe weg vom Wehr. Der Sog der Strömung zieht es anschließend wieder nach oben – und dann sofort zurück zum Wasserfall. Das Männchen schwimmt im Kreis. Immer wieder. „Wie in einer Waschmaschine.“ Wie lange die Strömung einen Menschen so gefangen halten kann, sei Zufall. Als am Ostersamstag 2009 ein 30-Jähriger in einer Wasserwalze an der Isar ertrank, dauerte es zwei Wochen, bis er wieder an die Oberfläche gespült wurde.

„Gegen die Strömung“, wiederholt Kulisch, „hat man keine Chance.“ Aber mit ihr schon. Man dürfe nicht instinktiv zur Wasseroberfläche schwimmen, sondern: „Man muss tauchen.“ So tief es geht. Die Kraft der Strömung ausnutzen, sich von ihr nach unten tragen lassen, vielleicht sogar bis zum Grund. An der Stelle, wo die Walze nach oben abdreht, könne man der Strömung entkommen. Frei von dem Strudel müsse man ein Stück weg vom Wehr schwimmen und dann wieder auftauchen. Doch weil das selbst für einen Profi schwierig sei, „sollte man am besten überhaupt nicht reinspringen“, warnt Kulisch. „Auch nicht, um jemanden zu retten.“ Fast an jedem Wehr gebe es heutzutage Rettungsringe an Seilen. „Besser man wirft die, als selbst reinzuspringen und elendig zu ertrinken.“

Thomas Schmidt

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