027.01.10|Bayern|Bayern|9
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München - Wo rückt der Mensch in Bayern der Natur am stärksten zu Leibe? Naturschützer zählen die Gefahren für 2010 auf.
Die alten Wachstumskonzepte versagen. Davon ist Hubert Weiger, BN-Landesvorsitzender überzeugt. Gerade in der „Boom-Region“ Oberbayern gebe es „extrem zerstörerische Eingriffe“ in die Natur. Es dürfe aber nicht immer nur um Wachstum gehen. Ein Umdenken sei längst überfällig. Gestern hat Weiger die Brennpunkte 2010 aufgezählt, wo in Bayern die größten Umweltsünden drohen. -Flughafen München: Eine dritte Startbahn zerstöre die letzten Reste der Natur im Erdinger Moos. Außerdem sei sie wirtschaftlich nicht notwendig. Die Studie des WeltWirtschaftsInstituts arbeite mit „Taschenspielertricks“. Der künftige Ölpreis sei zu niedrig angesetzt und die Wachstumszahlen im Flugverkehr „schöngerechnet“. Der BN freue sich deswegen über die Unterstützung der katholischen Kirche, die ihre Grundstücke auf dem geplanten Baugebiet nicht verkaufen wolle. „Für die Startbahn müsste der Staat die Kirche enteignen.“
Ökologisch verträgliche Spiele in Garmisch-Partenkirchen seien unmöglich. Anders lautende Zusicherungen nur „Märchen“. Der olympische Geist werde „pervertiert“ um den Gewinn zu steigern. „Die Kosten werden auf die Bürger abgewälzt, das Olympische Komitee schiebt das Geld ein“, so BN-Landesbeauftragter Richard Mergner. Der Kreis der Kritiker werde angeblich immer größer.
Das Unglück bei Traunreut, das zwei Menschenleben kostete, zeige die Gefahren der Erderwärmung. Dauerfrostbereiche werden kleiner, Murenabgänge und Steinschläge häufiger und „der Schutzwald ist an vielen Stellen so löchrig wie ein Schweizer Käse“. Deshalb fordert der BN zusätzliche Schutzzonen.
Die Bahn sei ein „fast abbruchreifes“ Unternehmen und brauche dringend Subventionen. „Kaum wird es ein paar Grad kälter, fallen reihenweise Züge aus“, so Weiger. Der Schienenausbau München-Freilassing dümple seit Jahren vor sich hin. Stattdessen werde das Geld für „Umweltsünden“ wie die Isental-Autobahn A 94, den Ausbau der A 8 und den Südring München ausgegeben.
Der BN warnt vor einem möglichen Atommüll-Endlager in Bayern, eventuell im Bayerischen Wald. Jedes Jahr Laufzeitverlängerung bedeute 500 Tonnen zusätzlichen strahlenden Müll, „von dem kein einziges Gramm endgelagert ist“. Im Freistaat gebe es die geologischen Voraussetzungen dafür. „Hier wird man suchen“, warnt Weiger.
Der Verlust von Feuchtlebensräumen führe auch in Bayern zu einer abnehmenden Artenvielfalt. „Wir müssen die Fehler der Vergangenheit wieder gutmachen“, fordert Weiger. Die großen Moore des Alpenvorlandes könnten zudem durch Renaturierung Klimagase und Regenwasser speichern. Flüsse und breite Auen seien außerdem „kostenlose Pufferflächen“ für Hochwasser. Isar, Salzach, Donau, Ammer und Amper würden sich für einen entsprechenden Rückbau besonders eignen.
Rubriklistenbild: © dpa
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