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Rücktritt im Kloster Ettal - Abt Barnabas tritt zurück

Rücktritt im Kloster Ettal

„Ich habe falsche Schlüsse gezogen“

Ettal - Erst am Montag waren erste Missbrauchsvorwürfe gegen Ordensmänner im Ettaler Klosterinternat bekannt geworden – jetzt kam ein weiterer Fall aus dem Jahr 2005 ans Tageslicht.

© dpa

Bedrückte Gesichter im Chinesensaal: Siegfried Kneißl (v.l.), Bernhard Kellner und Abt Barnabas Bögle.

Weil dieser neue Fall nicht gemeldet wurde, muss Abt Barnabas zurücktreten. Seine Erklärung dauerte etwa fünf Minuten: Mit fester Stimme, aber sichtlich mitgenommen schilderte Abt Barnabas Bögle am Mittwochabend im Chinesensaal des Klosters Ettal (Kreis Garmisch-Partenkirchen) den Fall, der ihn jetzt sein Amt kostet.

2005 hatte ein Mitbruder Schüler gestreichelt, an Armen, Beinen und am Kopf. Zum Teil saßen die Kinder auf seinem Schoß. Bögle war zum Tatzeitpunkt noch nicht im Amt, als er wenig später Abt wurde, nahm er sich des Falls an. Er ließ ein psychologisches Gutachten anfertigen.

Falsche Schlüsse

„Ich kam zu dem Schluss, dass es sich nicht um einen sexuellen Übergriff handelte“, so der 52-Jährige. Er habe falsche Schlüsse gezogen. Der Geistliche, heute Mitte 30, wurde ins mittelsächsische Wechselburg versetzt. In dem Ort bei Chemnitz hat das Kloster Ettal eine Filiale. Von dem Verdachtsfall erfuhr das Erzbischöfliche Ordinariat in München erst gestern Vormittag. Abt Bögle rief persönlich bei Generalvikar Peter Beer an. Doch der Anruf kommt Jahre zu spät.

Seit 2002 gelten die Leitlinien „zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch Geistliche im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“. Die Abtei Ettal ist zwar eine Ordensgemeinschaft päpstlichen Rechts, verpflichtete sich aber freiwillig zur Einhaltung der Richtlinien. Weil Abt Barnabas die damit verbundene Meldepflicht nicht eingehalten hat, legte ihm der Generalvikar den Rücktritt nahe, so Bistumssprecher Bernhard Kellner. „Es handelt sich schließlich nicht um Kinkerlitzchen.“

Wenige Stunden nach dem Telefonat teilte Bögle offiziell seinen Rücktritt mit. Kellner versprach gestern auf der Pressekonferenz rücksichtslose Aufklärung mit aller Härte, die Staatsanwaltschaft sei eingeschaltet. Die Erzdiözese hat den Pastoralpsychologen Siegfried Kneißl zu Gesprächen mit Schülern und Lehrern entsandt. Der Verdächtige wurde mit sofortiger Wirkung von allen seelsorgerischen Aufgaben entbunden.

Abt Barnabas Bögle ist gebürtig aus Rottenbuch (Kreis Weilheim-Schongau), sein Taufname ist Thomas. Er besuchte das Benediktinergymnasium selbst als Schüler, machte dort 1977 Abitur. Nach seinem Studium trat er ins Kloster ein, im Anschluss an sein Referendariat 1991 unterrichtete er dort Religion, Latein und Archäologie.

Pater Barnabas soll bei Schülern, Eltern und Lehrern sehr beliebt gewesen sein. „Bei den Oberstufenschülern hat er einfach den Spitznamen ,Der Pater‘, was seine Väterlichkeit ausdrückt“, das schrieb Pater Maurus im Jahr 2005 – damals war Bögle zum Abt berufen worden. Seit Herbst war der 52-Jährige auch Abtpräses der Bayerischen Benediktinerkongregation. Die Frage nach der beruflichen Zukunft Bögles kommt laut Kellner „zu früh“. Die kommissarische Leitung des Klosters übernimmt bis auf weiteres Pater Maurus. Am Montag waren die Missbrauchsfälle aus den 70er und 80er Jahren publik geworden. Inzwischen haben sich 15 betroffene ehemalige Schüler gemeldet.

Ludwig Hutter und Carina Lechner

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