München - Das Wetter wiederholt sich alle sieben Jahre, fand ein Abt im 17. Jahrhundert heraus. Wenn das stimmt, droht uns nach 2003 heuer der nächste Jahrhundertsommer. Was ist dran, an der 350 Jahre alten Vorhersage?

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Wenn man einer 350 Jahre alten Vorhersage von vor 350 Jahren Glauben schenkt, wird es 2010 ein Jahrhundert-Sommer.
Satellitenbilder, Wetterkarten, hydrostatische Druck-Messungen: Wetterprognosen sind eine Wissenschaft. Obwohl Meteorologen einen riesigen Aufwand betreiben, kommen sie mit ihren Vorhersagen kaum weiter als zehn Tage – wenn überhaupt. Dabei könnten sie es sich so einfach machen: Vor rund 350 Jahren schrieb ein Abt ein Buch – und in dem steht drin, wie das Wetter wird.
Im 17. Jahrhundert beobachtete Abt Mauritius Knauer den Himmel über seinem Kloster bei Lichtenfels jeden Tag ganz genau. Sonne, Regen, Wind – alles schrieb er in sein Buch. Dabei machte er eine erstaunliche Entdeckung: Alle sieben Jahre wiederholt sich das Wettergeschehen.
Nach dessen Logik dürfte der Sommer 2010 heiß werden. Sehr heiß. Denn vor sieben Jahren litt die Republik unter einem Jahrhundertsommer. Waldbrände brachen aus, die Temperaturen stiegen erstmals seit 1983 wieder auf über 40 Grad. Und tatsächlich: Das Jahr 2010 steht laut Abt Knauer unter dem Zeichen der Sonne. Nach seiner Weissagung wird der Sommer heuer heiß und trocken.
„Alles Humbug“, stellt Gerhard Lux vom Deutschen Wetterdienst fest. Wie der Sommer 2010 wird, „das weiß selbst Petrus noch nicht“. Der „Hundertjährige Kalender“ sei reine Geldmacherei, mehr nicht. „Ein Ärgernis, dass selbst heute noch Menschen daran glauben.“
Die Atmosphäre sei ein „chaotisches System“, sagt Lux. „Kleinste Änderungen können riesige Auswirkungen haben.“ Seriöse Prognosen könne man maximal für die nächsten zehn Tage treffen, danach ist Schluss.
Laut Lux gibt es keine siebenjährigen Wetter-Zyklen, weder bei Temperatur, noch bei Niederschlag oder Wind. Hinzu kommt, dass sich das Klima mit der Zeit verändert hat. „Auch die Eisheiligen waren nie pünktlich in den letzten Jahren“, sagt Lux. „Und überhaupt, warum soll das Wetter bei einem kleinen fränkischen Kloster Einfluss haben auf das Wetter in ganz Deutschland? Das ist, als würde die Temperatur in meiner Tiefkühltruhe Einfluss auf alle Tiefkühltruhen in Bayern haben.“ Der Sommer 2010 – er wird vorerst eine Überraschung bleiben.
Doch bevor es soweit ist, wird ein alter Frühlingsbote wieder sein Lied anstimmen – und das ist eine sichere Prognose. Wer den ersten Kuckuck in Bayern hört, der kann das beim Landesbund für Vogelschutz melden, unter 0 91 74/47 75 38.
Heute scheint laut dem Deutschen Wetterdienst neben einigen lockeren Wolken häufig die Sonne. Die Temperatur steigt auf bis zu 21 Grad im Alpenvorland. Am Donnerstag scheint vor allem in Ostbayern und an den Alpen noch länger die Sonne. Es ist frühlingshaft warm mit Höchstwerten zwischen 15 und 20 Grad. Am Freitag scheint nach Auflösung einiger Nebelfelder in Ober- und Niederbayern noch zeitweise die Sonne. Doch in der Nacht zum Samstag erreichen erste Schauer und Gewitter das östliche Bergland.
Thomas Schmidt



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