Bertholdsdorf - Statt im Fernsehen predigt er jetzt in einer winzigen Dorfkirche: Bayerns früherer Landesbischof Friedrich hat einen ungewöhnlichen Karriereschritt gewagt - als Pfarrer auf dem Land.

Frische Luft, freier Blick: der frühere Landesbischof Friedrich in seinem Haus in Spalt (Mittelfranken). Foto: dpa
Zuletzt hatte er fast drei Millionen Schäfchen in ganz Bayern. Jetzt sieht er Schafe eher draußen auf der Wiese. Der frühere evangelische Landesbischof Johannes Friedrich hat nach dem Ende seiner Amtszeit einen ungewöhnlichen Karriereschritt gewagt: Er ist Dorfpfarrer geworden. Die Zahl seiner Schäfchen ist im mittelfränkischen Bertholdsdorf radikal geschrumpft - auf 712. Nach 20 Uhr „hört man hier abends nichts mehr“, schmunzelt er.
Auf dem Land stehe die persönliche Ansprache im Vordergrund. Dort sieht er sich eher als Seelsorger. „Mein wichtigstes Ziel ist, dass ich alle besuche.“ Bei 350 Haushalten dürfte das durchaus machbar sein. Zwei Jahre hat Friedrich dafür Zeit, dann wird er 65 und geht in den Ruhestand.
„Grundsätzlich wäre uns ein jüngerer Pfarrer lieber gewesen“, sagt Heidi Gilch (39) aus der Nachbargemeinde. Nach zwei Jahren müsse dann schon wieder ein neuer Geistlicher her. „Ich glaube aber, die ältere Generation freut sich. Meine Mutter möchte jetzt wieder öfter in die Kirche gefahren werden.“ Friedrichs später Karriereschritt hat seine Gründe: Das Amt des Landesbischofs wurde in Bayern auf zwölf Jahre begrenzt. Er selbst hatte die Regelung auf den Weg gebracht - auch um für frischen Wind zu sorgen. Was danach aus den Bischöfen werden sollte, war aber nicht ganz klar. Nun also Dorfpfarrer. „Das hat noch kein bayerischer Bischof vorher gemacht“, sagt Pressesprecher Johannes Minkus. Er sieht Friedrichs Entscheidung daher als „zukunftsweisenden Schritt“.
Von Antonia Lange



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