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Perverses Experiment: Schweine sollen in Lawine ersticken

Perverses Experiment: Schweine sollen in Lawine ersticken

014.01.10|Bayern|Bayern|13
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Artikel: Perverses Experiment: Schweine sollen in Lawine ersticken

Innsbruck/Vent - Wütende Tierschützer haben ein Projekt gestoppt, bei dem Schweine zu Forschungszwecken lebendig begraben wurden. Die Wissenschaftler – auch in Bayern – hatten sich Erkenntnisse erhofft, die Menschenleben retten könnten.

© zoom-tirol

Wissenschaftler Peter Paal (r.)

Tierschützer aus ganz Österreich haben am Donnerstagvormittag schnell ein paar warme Klamotten zusammengepackt und sich auf den Weg ins Ötztal gemacht. In Windeseile verbreitete sich gestern die Nachricht von dem Tierversuch dort. Als am Abend schließlich dutzende Tierrechtler das Versuchsgelände belagerten, brachen die Forscher das Projekt ab – aus Angst vor Handgreiflichkeiten von radikalen Demonstranten. „Man kann unter diesen Umständen nicht weiter arbeiten“, sagte der Leiter der Studie von der Universitätsklinik für Anästhesie in Innsbruck, Peter Paal. Ob und wann der Versuch weitergeführt werde sei unklar. Bislang sind zehn Tiere gestorben, zwei Wochen lang hätte das Projekt noch laufen sollen.

Schweine sterben im Lawinentest

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  • So sterben die Schweine im Schnee
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Bereits am Dienstag wurde der Tierversuch in Vent, einem kleinen Bergdorf auf 1900 Metern in der hintersten Ecke des Tiroler Ötztals, gestartet. Unterhalb eines Hangs haben die Wissenschaftler ein Zelt aufgebaut, dort lagern Untersuchungsinstrumente. Jeden Tag wurden ein paar Schweine ins Venter Feuerwehrhaus gekarrt – aus einem etwas entfernten Stall. In dem behelfsmäßigen Labor wartete dann schon der Forscher: mit der Narkose-Spritze in der Hand. Er legte den Tieren Kanülen, klebte ihnen Mess-Sonden an die Leiber, schloss sie an Geräte an. Dann wurden sie auf das Versuchsgelände gebracht.

An dem Hang wurde eine Lawine simuliert, die Schweine vom Schnee begraben. Das eine Tier bekam eine größere Atemhöhle und überlebte länger, das andere eine kleinere. Es erstickte schneller. Die Wissenschaftler verfolgten den langsamen Tod über Minuten. Oder über Stunden, je nach Größe der Atemhöhle. Andere Schweine wurden nur bis zum Kopf im Schnee vergraben und erfroren. War das Tier tot, wurde es ausgebuddelt. Gewebeproben werden in einem US-Labor untersucht, der Rest kommt in die Tierkörperverwertung.

Federführend für dieses Projekt ist neben der Uniklinik Innsbruck das Institut für Alpine Notfallmedizin in Bozen (Südtirol). Mit dem Versuch wolle man Erkenntnisse über die Überlebenschancen von Opfern in Lawinen erlangen. Bayerische Wissenschaftler erwarten sich durchaus Vorteile von den Ergebnissen, sollte die Studie zu Ende geführt werden: „Wir wissen nicht allzuviel darüber“, sagt Stephan Prückner. Der leitende Notarzt der Uniklinik in München-Großhadern hat selbst Erfahrung als Bergretter. In Vent sollte etwa der Zusammenhang zwischen körperlichem Zustand und der Größe der Atemhöhle untersucht werden – das wäre durchaus sinnvoll, sagt Prückner, der für die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) forscht und lehrt. So könnten Retter auf den Zustand des Verschütteten schließen: „Dann kann ich entscheiden: Muss der sofort an die Herz-Lungen-Maschine einer Spezialklinik oder reicht das Krankenhaus unten im Tal?“

Herwig Grimm zeichnet ein anderes Szenario: „Wenn fünf Menschen verschüttet sind und nur drei eine reelle Überlebenschance haben – dann kann ich durch solches Wissen Menschenleben retten.“ Grimm ist Tierethiker am Institut Technik-Theologie-Naturwissenschaften der LMU. Der ehemalige Landwirt findet, es gibt unsinnigere Gründe für Tierversuche – „zum Beispiel für das hundertste Haarwuchsmittel“. In Deutschland sterben jährlich mehr als 2,6 Millionen Tiere bei Versuchen. Grimm bittet darum, bei der Empörung keinen Unterschied zwischen den Tierarten zu machen: „Wenn das Projekt mit Ratten gemacht worden wäre, würde es niemanden interessieren.“ Und Schweine seien Menschen nun mal sehr ähnlich, zum Beispiel was die haarlose Haut angeht.

Tierschützer fragen sich trotzdem: „Gibt es denn heutzutage keine anderen Untersuchungsmethoden?“, kritisiert Tessy Lödermann vom bayerischen Tierschutzverein. Doch der Münchner Forscher Prückner sagt: „Wenn man möglichst realitätsnah testen will, braucht man Tierversuche.“

Von Carina Lechner

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