Bad Hindelang - Murmeltier-Alarm in den Allgäuer Alpen: Die Bergbauern klagen über die starke Vermehrung der kleinen Nager – nicht nur, weil deren Bauten für so manche Kuh einen Beinbruch bedeuten.

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Mmmmmh, feine Kekse! Vier Alpen-Murmeltiere, lateinisch übrigens Marmota marmota, stehen aufrecht und fressen Butterkekse, die sie geschickt in ihren Pfoten halten. In den Allgäuer Alpen empfinden manche Bergbauern die Murmeltiere allerdings inzwischen als äußerst lästig.
Für Kinder ist die Zipfelsalpe in den Allgäuer Alpen ein Paradies. Denn dort oben auf 1526 Metern Höhe wimmelt es von Murmeltieren. "Ich sehe jeden Tag ganz viele Murmele. Die wohnen ja hier oben beim Opa", erzählt der dreijährige Florian und zeigt auf die große Wiese vor der Hütte. Sein Großvater Christoph Brutscher ist von den kleinen pelzigen Tieren allerdings weniger begeistert. "Es sind einfach zu viele. Sie sind uns Älplern eine echte Plage", sagt der 58-Jährige. Die Allgäuer Bergbauern wären froh, wenn sie wie ihre Kollegen im benachbarten Österreich die Murmeltiere zumindest in Hüttennähe jagen dürften. Doch für die kleinen Nager besteht in Deutschland ganzjährige Schonzeit.
Etwa zwei Stunden dauert die Wanderung von Hinterstein im Oberallgäu zur Zipfelsalpe. Auf den letzten Höhenmetern zu der bewirtschafteten Berghütte bleiben viele Wanderer neugierig stehen, wenn sie das Pfeifen der Murmeltiere hören. "Wenn zu viele Menschen unterwegs sind, lassen sich die Tiere selten sehen. In den ruhigeren Stunden tollen sie hier dann richtig rum", erzählt Brutscher. Der Hindelanger verbringt seit 34 Jahren den Sommer auf der Zipfelsalpe. Zusammen mit seiner Frau Marga und einigen Kleinhirten kümmert er sich in diesem Jahr um rund 200 Rinder, drei Pferde und zwei Hasen.
Brutscher sind dagegen die vielen Löcher, die die Murmeltiere auf der Grünfläche graben, ein Dorn im Auge. Bis zu einen Meter tief ragen die Höhleneingänge senkrecht in den Boden und stellen gefährliche Stolperfallen für die Rinder dar. Rund um die Zipfelsalpe sind auf etwa 50 Quadratmetern zehn solcher Löcher zu sehen. "Dreimal hatte ich in den letzten fünf Jahren bei meinem Vieh Beinbrüche zu beklagen. Man muss sich wundern, dass nicht viel mehr passiert", ärgert er sich. Die verletzten Rinder mussten mit dem Hubschrauber ins Tal gebracht und dort geschlachtet werden.
Peter Danks vom Alpwirtschaftlichen Verein Allgäu kennt die Murmeltier-Sorge der Bergbauern schon lange. In den vergangenen Jahren allerdings, seit die Zahl der Adler in den Allgäuer Alpen zugenommen hat, seien die Probleme massiver geworden, sagt er. "Die Murmeltiere kommen immer näher an die Hütten, weil sie vom Adler gejagt werden. In vielen Gebäuden ist der Gestank fürchterlich." Auch wegen der Verletzungsgefahr für Rinder sieht Danks nur eine Lösung, um die Plage in den Griff zu bekommen: "Im Hüttenbereich sollte man Murmeltiere abschießen dürfen. Dort haben sie nichts verloren und machen den Älplern nur das Leben schwer."
Von einer Plage will Gottfried Mayrock, Leiter des Naturschutzreferats am Landratsamt Oberallgäu, dagegen nicht sprechen. "Es gibt hin und wieder Klagen einzelner Älpler über Murmeltiere. Aber sie nehmen bei uns noch nicht überhand." Er rät den Bergbauern, denen die kleinen Nager zu schaffen machen, sie durch fremde Gerüche zu vertreiben. So helfe zum Beispiel schon ein mit Diesel oder Parfüm getränkter Lappen, der in einen Murmeltierbau hineinragt. "Sobald sie merken, dass etwas Fremdes in ihrem Bau ist, suchen sie das Weite." Solche Vergrämungsversuche sollten allerdings nicht unternommen werden, wenn Murmeltiere ihren Winterschlaf halten oder ihre Jungen im Bau großziehen.
Von einer Abschusserlaubnis in Hüttennähe hält Mayrock dagegen nichts. "Murmeltiere dürfen nur mit besonderer Erlaubnis gejagt werden, wenn die angerichteten Schäden der kleinen Nager unzumutbar sind." Aus Sicht des Juristen ist das im Allgäu aber nicht der Fall.
dpa



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