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Oberbayerns Bauern kämpfen gegen Blauzungen-Impfung

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318.03.09|Bayern|Bayern|
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Artikel: Oberbayerns Bauern kämpfen gegen Blauzungen-Impfung

München - Mit einer Impfung soll die Blauzungenkrankheit bei Rindern, Schafen und Ziegen eingedämmt werden. Doch Bauern wehren sich gegen die Verordnung:

Wolfram und Maria Lüdemann aus Wildsteig wollen ihre Kühe nicht gegen die Blauzungenkrankheit impfen lassen. Jilka

Als im August 2006 erstmals in Nordrhein-Westfalen bei Rindern und Schafen Fälle von Blauzungenkrankeit auftraten, war der Ruf nach einer schnellen Lösung laut. Sperrbezirke und Beobachtungszonen wurden eingeführt. Zusätzlich sollten Impfungen die durch Insekten übertragene Virusinfektion eindämmen.

Die europaweit verordnete Impfung ruft nun zahlreiche Landwirte in Oberbayern auf den Plan. Sie hegen einen schweren Verdacht: der Impfstoff soll Kühe und Kälber krankmachen.

Bauern berichten von Totgeburten, von lebensschwachen Kälbern oder von Euterentzündungen. Alles hervorgerufen durch den Impfstoff, der als Bestandteil Quecksilber enthält. Zudem ist der Impfstoff in Deutschland nicht zugelassen. Er wurde vom Friedrich-Loeffler-Institut lediglich einer Prüfung unterzogen. Zum Schutz ihrer Tiere wehren sich die Landwirte nun gegen die Impfung, gründen Interessensgemeinschaften und zahlen Geldstrafen.

Im Kreis Weilheim-Schongau sind dem Veterinäramt an die 20 Impfverweigerer bekannt. Eine von ihnen ist Maria Lüdemann aus Wildsteig. Sie nimmt lieber einen Bußgeldbescheid in Kauf, als dass sie ihre 34 Kühe impfen lassen würde.

Sie sagt: „Ich habe es gestrichen dick, wenn man den Landwirten eine Impfpflicht aufdrückt, wo nicht einmal der Impfstoff zugelassen ist.“ Ein weiterer Impfverweigerer, der unbekannt bleiben möchte, nennt als Grund: „Ich bin der Überzeugung, dass die Impfungen nichts bringen.“ Jedes Tier baue schließlich Antikörper auf, sofern es über ein gesundes Immunsystem verfüge.

Was ist überhaupt diese ominöse Blauzungenkrankheit? Es handelt sich um eine virale Infektionskrankheit von Klauentieren. Ihr Name leitet sich von der blauen Farbe (Zyanose) der Zunge, einem der Leitsymptome bei Krankheitsausbruch, ab. Die Erkrankung ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. Für den Menschen besteht keine Ansteckungsgefahr, weshalb Fleisch- und Milchprodukte ohne Bedenken verzehrt werden können.

Bei Veterinäramtsleiter Konrad Renner ruft die Abwehrhaltung der Bauern Kopfschütteln hervor: „Diese Landwirte sehen nur den Schaden, den die Impfung anrichten kann. Was sie nicht sehen, ist der vorbeugende Schutz zum Erhalt des Bestandes.“ Bei den knapp 80 000 Rindern und etwa 3000 Schafen und Ziegen in seinem Gebiet sei kein einziges nach der Impfung erkrankt. Fünf Todesfälle nach Impfungen habe es zwar gegeben, doch diese hätten unter anderem auf Schockzustände durch Stresseinwirkung zurückgeführt werden können.

Wird hier verharmlost? Wenn es nach den Impfverweigerern geht, ja. Sie sprechen von einer hohen Dunkelziffer bezüglich der Impfschäden. Maria Lüdemann: „Die Landwirte melden inzwischen die Schäden einfach nicht mehr.“ Mit ihren Problemen stießen sie nämlich auf taube Ohren.

Verärgert über die vorgeschriebene Impfung ist Maria Lüdemann noch aus einem weiteren Grund: „Da wird gesagt, dass sie uns Landwirten nichts kostet und dann hebt die Tierseuchenkasse pro Tier den Beitrag von 3,70 Euro auf 7,80 Euro an.“ Die Kosten für die Durchführung der Impfung hat die Tierseuchenkasse nämlich auf den Beitragssatz umgelegt. Die Kosten für den Impfstoff indes trägt der Freistaat.

Unterstützung kommt auch aus dem Kreis Fürstenfeldbruck: Ein Landwirtsehepaar berichtet, neugeborene Kälber litten viel häufiger an einer Störung des Saugreflexes. Die Kälbchen könnten nicht mehr trinken, selbst wenn sie wollten. Es sei nicht zu ertragen, die kranken Kälber zu sehen.

Die Missstände will Maria Lüdemann nicht mehr hinnehmen. Zusammen mit ihrem Mann hat sie sich deshalb der Interessengemeinschaft für gesunde Tiere (IggT) angeschlossen, welche alle Impfschäden mittels Meldebögen erfasst. „Vielleicht kann so der Zusammenhang zwischen den Symptomen und der Impfung hergestellt werden.“ Einen Zusammenhang, den Veterinäramtsleiter Konrad Renner abstreitet: „Wir gehen allen uns gemeldeten Fällen nach und nehmen sie ernst. Doch bislang war keine Impfung die Ursache für die Erkrankung.“

Bis Ergebnisse aus den Meldebögen gezogen werden können, sprechen die offiziellen Zahlen für die Impfung: Erkrankten 2007 bayernweit etwa 300 Tiere an der Virusinfektion, waren es 2008 nur noch 50. „Der Rückgang lässt sich eindeutig auf die Impfung zurückführen“, sagt Nina Lacher, Sprecherin des Umweltministeriums. Sinn der Impfung sei schließlich, die Seuche einzudämmen, und nicht den Bestand zu gefährden.

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