Schwangau - Glücklicher Ausgang des Seilbahndramas bei Schwangau. Doch der Betreiber der Tegelbergbahn erhebt schwere Vorwürfe gegen den Gleitschirm-Piloten.

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Glücklicher Ausgang des Seilbahndramas bei Schwangau. Doch der Betreiber der Tegelbergbahn erhebt schwere Vorwürfe gegen den Gleitschirm-Piloten.
„Ich bin stinksauer“. Franz Bucher ist die Erregung anzusehen. Die ganze Nacht hatte der Geschäftsführer der Tegelbergbahn in Schwangau, vor Ort verbracht und die Rettungsaktion mit verfolgt. Seinen Aussagen zufolge war keine Windböe an dem Unfall schuld. Der Gleitschirmpilot, ein Fluglehrer aus der Region, habe mit einem Kameramann aus München über Neuschwanstein fliegen wollen, um Filmaufnahmen zu machen. „Das war grob fahrlässig“, so Bucher in einem Fernsehinterview. Der Fluglehrer hätte wissen müssen, dass der Überflug der Tragseile verboten ist. Nun steht aber die Bergbahn erst einmal.
Die Polizei prüft tatsächlich Hinweise, dass der Gleitschirmflug, der zu dem Unfall führte, möglicherweise mit Film-Drehaufnahmen zusammenhing. Es zeichneten sich Erkenntnisse ab, die einen entsprechenden Zusammenhang möglich erscheinen ließen, sagte am Samstagabend ein Sprecher des Polizeipräsidums Schwaben Süd/West in Kempten. Sollte sich dies bestätigen, erweitere sich möglicherweise der Personenkreis, der strafrechtliche Verantwortung tragen könnte.
Ein Gleitschirmflieger hatte sich am Freitag aus unbekannter Ursache am Tegelberg in den Seilen der Bergbahn verfangen und sie lahmgelegt. Der Gleitschirm-Pilot und sein Mitflieger wurden bei dem Unfall leicht verletzt. Bisher richten sich die Ermittlungen wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr sowie wegen fahrlässiger Körperverletzung vor allem auf den 54 Jahre alten Gleitschirm-Piloten.
In der Nacht noch hatte die Bergwacht vier Retter und einen Notarzt mit Decken und Proviant zu den 20 in der Gondel Eingeschlossenen gebracht und weitere Bergretter aus dem Oberallgäu und Oberbayern angefordert. Man habe die Menschen ständig über die Aktion informiert, damit keine Panik aufkommt, so Oberkommissar Michael Hämmerle vom Polizeipräsidium in Kempten. Die Stimmung in der Gondel sei gut gewesen, waren sich die Rettungskräfte einig.
Zu diesem Zeitpunkt gab es drei Optionen: die Menschen am Morgen auszufliegen, wenn es das Wetter erlaubt hätte. Alternativ überlegte man, sie in die so genannte Gelbe Wand abzuseilen und sie von dort auszufliegen. Die dritte Möglichkeit: eine terrestrische Evakuierung. Um sechs Uhr morgens dann entschied sich die Einsatzleitung in Abstimmung mit der Bergwacht, die Luftrettung zu versuchen. Gegen acht Uhr morgens dann hatte der Bergbahnführer als der Letzter der Eingeschlossenen wieder festen Boden unter den Füßen. Er gab an, bei der Rettung geholfen zu haben und auch immer wieder die Menschen beruhigt zu haben. Die Gondeln stehen über Telefon mit der Station in Verbindung.
Was morgens erst bekannt wurde: Auch in der zweiten Gondel musste ein Mann übernachten. Für den Fall, dass man die Bahn wieder hätte anfahren können, war der Bahnführer, eine seit drei Monaten im Dienst befindliche Aushilfe, in der Kabine verblieben. Er wurde morgens wie die anderen ausgeflogen. Unter den 19 Fahrgästen dieser Kabine waren fünf Jugendliche, darunter auch kleine Kinder. Sie wurden nach geglückter Rettung mit ihren Eltern zu Tal geflogen, wo sich ein Kriseninterventionsdienst um sie kümmerte.
Zeitweise waren bis zu 180 Rettungskräfte der Feuerwehr, THW, dem Roten Kreuz, Bergwacht und der Polizei vor Ort. Aufgrund der vielen Einsatzkräfte habe man sich entschlossen, so Ralf Kinkel vom Landratsamt, eine örtliche Einsatzleitung zu bilden. Ebenfalls zugegen: die Präsidentin des Bayerischen Roten Kreuzes, Prinzessin Christa von Thurn und Taxis aus Schwangau.
Im Laufe der Nacht war bekannt geworden, dass gestern zeitweise ein derart heftiger Wind geherrscht habe, dass der Hubschrauber der Bundespolzei am Gipfel nicht mehr habe starten können. Aus einer der Gondeln wurde auch eine 79-jährige Ordensschwester gerettet. Ihre Mitschwestern hätten für sie gebetet, sagte sie. Zum Zeitpunkt, an dem sie normalerweise das Frühgebet spreche, wurde sie dann ausgeflogen.
Unter den Geretteten waren in der Hauptsache Tagesausflügler und Gäste aus Bayern, Baden Württemberg, Hessen und NRW sowie ein rumänisches Ehepaar. Die jüngsten Geretteten waren zwei Vierjährige, vom Gipfel wurden 132 Menschen ausgeflogen, rund 100 waren zu Fuß ins Tal gelangt.
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat die Rettungskräfte für ihren Einsatz beim Seilbahnunfall gelobt. “Die Zusammenarbeit zwischen Polizei und Bergwacht bei der Bergung der Menschen aus den Seilbahngondeln war vorbildlich“, sagte Herrmann laut Mitteilung des Innenministeriums. Der Einsatz sei ein Beispiel dafür, dass sich die Investition in die bundesweit einmalige Ausstattung der bayerischen Polizeihubschrauberstaffel lohne. Auch die spezielle Ausbildung von Polizei und ehrenamtlichen Rettungskräften habe sich ausgezahlt.
Oliver Sommer/dpa



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