München – Jetzt ist es amtlich: Das Nichtraucher-Volksbegehren ist auf große Zustimmung bei den Bürgern gestoßen. Die Staatsregierung wird verspottet und dazu gedrängt, das Gesetz unverzüglich zu ändern. Doch die Entscheidung bleibt wohl den Bürgern.

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Sebastian Frankenberger, Hauptorganisator des Nichtraucher-Volksbegehrens, jubelt.
Der Erfolg im Kampf für ein Rauchverbot ohne Ausnahmen ist in der Tat eine schwere Niederlage für die schwarz-gelbe Staatsregierung, die im Sommer die Lockerung in Bierzelten, Bierstuben und Nebenräumen größerer Gaststätten erlaubt hatte. Denn das war ein zentrales Versprechen der Liberalen im Wahlkampf 2008. In der CSU hatten viele das strenge Rauchverbot für die schweren Niederlagen der Partei bei den Kommunal- und Landtagswahlen verantwortlich gemacht. Deshalb hatte Parteichef Horst Seehofer im Oktober 2008 die Lockerung angekündigt.
Ein Jahr und zwei Monate später hebeln fast 1,3 Millionen Bürger das Gesetz aus – und von den Oppositionsparteien, zum Teil Unterstützer des Volksbegehrens, hagelt es Hohn: „Der CSU-Glimmstängel ist abgebrannt, in der Räucherkammer des ehemaligen Bundesgesundheitsministers Horst Seehofer“, spottet SPD-Landtagsfraktionschef Markus Rinderspacher. Die Abgeordneten von CSU und FDP müssten nach dieser Niederlage in den kommenden Monaten Wahlkampf gegen das Rauchverbot machen – „als Räucherstäbchen mit der Duftmarke schlechte Laune“. Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Kathrin Sonnenholzer, sagte: „Dies ist eine Ohrfeige für den Gesundheitsminister Söder.“ Tatsächlich ist das Ergebnis aus Mittelfranken, dem Heimatbezirk von Markus Söder (CSU), besonders deutlich: Dort mobilisierte die Initiative mit 17,5 Prozent am meisten Rauchgegner, Oberbayern (14,6) folgt auf Platz zwei.
Doch was kommt nach dem Volksbegehren? „Lieber Herr Söder, lieber Herr Seehofer, hören Sie auf das Volk“, meint Sebastian Frankenberger. Geht es nach ihm oder auch nach Theresa Schopper von den Grünen, soll der Landtag den Gesetzesentwurf unverändert übernehmen. Doch das lehnt Innenminister Joachim Herrmann (CSU) strikt ab. Das Volk solle entscheiden, wie rigoros das Rauchverbot sein soll. „Aus meiner Sicht ist es nur fair, wenn es zum Volksentscheid kommt. Dann können alle Bürger mitstimmen“, äußert sich Söder demokratisch. Auch die Liberalen denken nicht ans Einlenken: „Die FDP wird sich einem anstehenden Volksentscheid in dieser Frage stellen“, teilt Fraktionsvize Andreas Fischer mit. Eine Ausgrenzung der Raucher aus einem öffentlichen Raum entspreche nicht der Vorstellung der Partei von einer toleranten Gesellschaft. „Ein solches Totalverbot wäre ein weiterer Schritt in einen Verbotsstaat“, warnte er.
Carina Lechner



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