Neubiberg - Nachhilfe boomt - vor allem in der Zeit nach dem Zwischenzeugnis, wenn die schlechten Noten auch für die Eltern schwarz auf weiß nachzulesen sind. Wenig bekannt aber ist: Viele Schulen geben mittlerweile selbst Nachhilfe.

Spezialbehandlung: Wenn der Schüler den Stoff in der Klasse nicht versteht, geben manche Lehrer Nachhilfe. fotolia
18. Februar, mehr als eine Million Schüler in Bayern erhalten ihre Zwischenzeugnisse. Einige werden wegen zwei Fünfer oder einem Sechser einen unliebsamen Vermerk vorfinden: „versetzungsgefährdet“.
Was dann? Bis zu 1,5 Milliarden Euro geben Eltern in Deutschland jährlich für private Nachhilfestunden aus - Tendenz steigend. Doch es geht auch anders. An vielen Schulen in Bayern werden ab dem Zwischenzeugnis Sonder-Schulstunden gegeben, um „den Fünfer wegzubekommen“, wie es Peter Peltzer ausdrückt. Der Ministerialbeauftragte für die Realschulen in Oberbayern-Ost hat die Förderstunden vor Jahren mit ersonnen - und auch durchgesetzt, dass die Schulen ein Budget dafür erhalten. Zum Beispiel an der Realschule in Neubiberg (Landkreis München). Der Deutsch- und Geschichts-Lehrer Rainer Karl (32) gibt seit drei Jahren die sogenannten Plus-Kurse in Deutsch. „Ja, absolut, das bringt viel“, schwärmt er. „Literatur und Abschlussprüfungstraining“ nennt sich sein Kurs, den er jeden Dienstag von 13.15 bis 14.45 Uhr erteilt. Zwölf Zehnklässler mit eher mittelprächtigen Noten in Deutsch nehmen daran teil.
Der Kurs ist freiwillig, aber wer sich einmal angemeldet hat, der hat Präsenz-Pflicht. Es ist wohl auch ratsam, denn die Erfolgsquoten dieser schulinternen Nachhilfestunden „sind erstaunlich“, wie der Ministerialbeauftragte Peter Peltzer sagt. Er ließ an Versuchsschulen genau nachrechnen. Exakt „zwischen 86 und 87 Prozent“ habe die Quote derjenigen gelegen, die ihre Zeugnisnote im zweiten Halbjahr verbessern konnten.
Auch Heinz Schlegel, Leiter der staatlichen Schulberatungsstelle für Oberbayern-West, rät versetzungsgefährdeten Schülern ausdrücklich zur Teilnahme an den Kursen. Viele Schulen bieten sie in diesem Schuljahr erstmals schon ab der 5. Klasse an, sagt Schlegel. Denn die 5. Jahrgangsstufe ist in Bayern ausdrücklich als sogenannte Gelenk-Klasse definiert, die Schüler sollen mühelos von der einen Schulart zu der anderen wechseln können. Da tut Nachhilfe not.
In Neubiberg gibt es fast in allen Jahrgängen Kurse, in Deutsch, Englisch, Mathematik oder Physik. Die Stunden werden den Lehrern auf ihre Unterrichtsverpflichtung angerechnet. Es gibt aber auch Lehrer, die ihren Schülern freiwillig Nachhilfe erteilen. Es gibt Schüler, berichtet Lehrer Karl, die bis zu drei solcher Ergänzungsunterrichte gleichzeitig besuchen. In solchen Fällen sei es allerdings mitunter ratsamer, die Klasse freiwillig zu wiederholen.
von Dirk Walter



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