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Commedia dell’arte des Designs

Commedia dell’arte des Designs

020.05.10|Kultur|Kultur|
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Artikel: Commedia dell’arte des Designs

München - Nach 15 Jahren Vorlaufzeit ist es endlich soweit: Alberto Alessi blickt mit seiner neuen Sammlung in der Pinakothek der Moderne in die Geschichte und formt die Zukunft.

Alberto Alessi (re.) und Alessandro Mendini zwischen Schaustücken von Aldo Rossi (li., Mi.) und Philippe Starck.

„Wir wollen Objekte mit einer Seele finden.“ Das sagt ein zierlicher italienischer Signore in der Bibliothek der Neuen Sammlung (Design) - in feinem Deutsch. Alessandro Mendini (Jahrgang 1931), der wie kein anderer das italienische Design geprägt hat, ist der Kurator der Ausstellung „Oggetti e progetti - Alessi: Storia e futuro di una fabbrica del design italiano“. Nach 15 Jahren voller Gespräche und Lock-Versuche von Florian Hufnagl, Chef des Design-Museums, ist es in dessen Räumen in der Pinakothek der Moderne so weit: „Objekte und Projekte“ der weltberühmten und weltweit vernetzten oberitalienischen Firma Alessi aus dem kleinen Crusinallo beim Orta-See (in der Nähe des Lago Maggiore) wurden wunderbar erfrischend für München inszeniert - eine veritable Commedia dell’arte des Designs.

Kuppel-Espressomaschine, Skizze von Aldo Rossi.

Regisseur und auch Mitspieler ist Mendini, der seit 1979 mit Alessi verbandelt ist. Deswegen vermag er am besten „Vergangenheit und Zukunft“ (Titel) dieses Familienunternehmens nachzuzeichnen. 1921 hatte es Giovanni Alessi gegründet in jener Gegend, in der Kupferschmiede und Zinngießer daheim waren. Von 1921 stammen denn auch die frühesten Gegenstände für den Kaffeetisch. Erst Sohn Carlo setzte das durch, was wir Design nennen. Sein rundliches Tee- und Kaffeeservice aus Metall mit schwarzem Kugelknopf, „Bombé“, von 1945 begründete die Marke „italienisches Design“ mit. Den geschichtlichen Ablauf bis heute dokumentiert Mendini mit Gegenständen, die auf Philippe Starcks kandelaberartigen Holz-Stelen glanzvoll herausgestrichen werden. Denn gerade der Schimmer des Metalls ist es, mit dem Alessi die Käufer verzaubert hat - obwohl weder Holz, Plastik oder Porzellan verschmäht wurden.

Wer diese historische Ehrenformation abschreitet, wird alte Bekannte treffen: den standfesten Wasserkessel mit dem Vogelpfeiferl am Schnabel (1985, Michael Graves), den Draht-Obstkorb (seit 1948!), Starcks hochbeinige Zitronenpresse (1990), die Plastik-Klobürste, die wie eine Pflanze aus dem Topf sprießt (1993, Stefano Giovannoni), oder Mendinis lustige Korkenzieher-Männlein von 2003, die er mit allerliebsten -Weiblein versorgt - ab jetzt. Das Jetzt ist für Mendini und den aktuellen Firmenpatron Alberto Alessi (Jahrgang 1946) lediglich der Beginn der Zukunft. Diese kann nur gemeistert werden, wenn wie bisher immer wieder frische Einfälle ausprobiert werden. Dabei warten weder die vielen in der Firma tätigen Alessis noch Mendini einfach ab, was kommt, sondern stoßen Ideen an. Künstler, Architekten und Designer werden gebeten, zu bestimmten Themen Entwürfe abzuliefern.

Pfeifkessel mit Vogerl von Michael Graves.

Deswegen widmet Mendini den Prototypen von 2010 fast so viel Aufmerksamkeit wie der Vergangenheit. „Der intellektuelle Unruhegeist des italienischen Designs“ (Hufnagl über Mendini) liebt derartige „Metaprojekte“. Spannend zu sehen in der Schau, wie deutlich bescheidener die Gestaltung heutzutage ausfällt im Gegensatz zu dem Projekt „Tee & Coffee Piazza“ von 1983. Deren herrlich wahnwitzige Objekte zwischen torkelnden Rohren und windschlüpfrigen Fluggeräten, die in einem der Paternoster-Vitrinen auf- und abfahren, waren hingegen von saftiger Üppigkeit. Ja, die Zeiten ändern sich, aber Alessi bleibt.

von Simone Dattenberger

22. Mai bis 19. September

Telefon 089/ 23 80 53 60, Katalog: 35 Euro.

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