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RTL-Castingshow: siebte Staffel von Deutschland sucht den Superstar

DSDS: Jurymitglied Volker Neumüller im Interview

004.01.10|Fernsehen|Fernsehen|7
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Artikel: DSDS: Jurymitglied Volker Neumüller im Interview

Am Mittwoch beginnt die siebte Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“. Vor dem Startschuss der neuen Sendung stellte sich Jurymitglied Volker Neumüller den Fragen des Münchner Merkur.

© dpa

Die Jury: (v. li.) Dieter Bohlen, Nina Eichinger und Volker Neumüller. Neue, selbstauferlegte Regel: Für jedes „Scheiße“, das Dieter Bohlen entfährt, muss er einen Euro ins Sparschwein zahlen – für einen wohltätigen Zweck.

Die RTL-Castingshow ist derzeit die erfolgreichste Musiksendung im deutschen Fernsehen. Volker Neumüller ist Jurymitglied als auch Manager einiger „Superstars“. Wir wollten wissen, was er unter zeitgemäßer Talentsuche versteht und wie man aus einem Show-Sieger einen Künstler macht.

Die Jury bleibt gleich: Sie, Dieter Bohlen, Nina Eichinger. Ein Zeichen, dass Sie mit Bohlen gut können?

Ich komme mit Dieter Bohlen seit über zehn Jahren gut aus. Ich habe schon mit ihm gearbeitet, als ich noch Vize-Geschäftsführer der BMG Berlin war. Dort wurden die Modern-Talking-Platten veröffentlicht. Damals war Dieter noch keine Fernsehpersönlichkeit. Aber er war schon genauso wie heute. Er ist deswegen so erfolgreich, weil er sich nie verraten hat. Er hat viele unpopuläre Entscheidungen gefällt und besitzt die Härte, die man in der Musikbranche braucht.

Bohlen hat versprochen, die neue Staffel werde so hart wie nie. Was bedeutet das konkret?

Als Jury sind wir sehr kritisch. Das wird sich darin zeigen, dass wir Dinge wie kleine Texthänger nicht positiv goutieren. Es geht darum, den Beruf eines Superstars auszuloben. Qualität kommt von Qual. Wer da als Luftpumpe ankommt und meint, er kann das Ding im Vorbeigehen mitnehmen, der bekommt die entsprechende Ansage.

Die besten Sprüche von Dieter Bohlen

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Wäre „DSDS“ auch ohne Bohlen denkbar?

Dieter vereint extrem viel auf sich und kann mit der Stimme des Volkes sprechen. So ein Enfant terrible kann man nicht ersetzen. Aber ich glaube, dass das Format auch eine eigene Größe besitzt.

Dass jemand berühmt werden will, ist keine Besonderheit. Wonach suchen Sie als „DSDS“-Juror?

Zuallererst geht es um die Stimme. Man kann sie nicht faken, es ist ja eine Liveshow. Aber das reicht nicht. Auch die Persönlichkeit muss außergewöhnlich sein. Ein Kandidat muss exhibitionistisch sein und gut in den Schuhen stehen. Dann hat er auch eine Chance, über das Niveau eines Studiosängers zu kommen. Wir suchen jemand, der wirklich unterhalten kann.

Insgesamt wurden bisher 165 977 Kandidaten gecastet. Angeblich kommen sich jedesmal mehr Bewerber. Was erwarten sie?

Die Kandidaten versuchen, ihren Traum zu leben. Der ist nach sechs Staffeln „DSDS“ auch klar definiert. Es gibt auch einen personifizierten Traum: Mark Medlock. Er ist jetzt im vierten Jahr erfolgreich mit 2 500 000 verkauften Platten. Es wird oft vergessen, dass unser Beruf mit viel Disziplin einhergeht. Es ist nicht das schillernde Partymilieu. Es bedeutet, früh ins Bett zu gehen und früh aufzustehen. Das wird bei „DSDS“ auch vermittelt. Wir führen die Kandidaten an ihre Grenzen. Am Ende haben wir ein echtes Talent gefunden.

Ist ein solches Unterhaltungsformat überhaupt dazu geeignet, echte Talente zu entdecken?

Selbstverständlich. In der heutigen Medienlandschaft ist es sogar die einzige Form, überhaupt ein Talent zu entdecken. Wir haben keine Clublandschaft mehr wie bei den Beatles. Der Starclub, in dem sie anfingen, war nichts anderes als eine Talentprobe. Dort guckten sich Talentsucher Bands an. Aber das gibt es in Deutschland nicht mehr. Wer singen kann, kann nur noch versuchen, direkt im Büro der Plattenfirma vorzusingen. Oder er geht zur Castingshow.

Kritiker vermissen bei „DSDS“ den kreativen Umgang mit Musik. Welchen künstlerischen Anspruch hat die Show wirklich?

Denselben wie andere Castingshows, die hoch gelobt werden. Medlock hat Millionen Platten verkauft, wird aber nicht von den Kritikern geadelt. Gleichzeitig wird Leona Lewis rauf und runter gespielt. Dabei entstammt sie dem gleichen Format: Sie hat in England „X-Factor“ gewonnen und wird als neue Whitney Houston gehandelt. Britney Spears, Beyoncé, Kelly Clarkson, Justin Timberlake – die Weltstars, die wir noch haben, kommen alle aus Casting-Situationen. Aber dass Medlock es vom Tellerwäscher zum Millionär geschafft hat, wird in Deutschland nicht gewürdigt.

Casting-Shows: Was wurde aus den Gewinnern?

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Lizenzgeber von „DSDS“ ist Simon Fullers Firma „19 Entertainment“. Er ist Erfinder der britischen Show „Pop Idol“, Rechte-Inhaber von „American Idol“, Manager von Victoria und David Beckham. Wie ist die Zusammenarbeit?

Ich stehe mit „19 Entertainment“ in engem Kontakt. Dass sie das Format erfunden haben, ist eine große Inspiration. Natürlich hat die Firma auch ein wirtschaftliches Interesse, aber sie kümmert sich wirklich darum, Talente zu finden. Castingverträge werden immer kritisch diskutiert – außer dem von „DSDS“. Weil er astrein ist. Als Manager kann ich sagen, dass er weit über dem Marktniveau liegt.

Sie managen unter anderem die „DSDS“-Teilnehmer Daniel Schuhmacher, Mark Medlock, Linda Teodosiu, Sarah Kreuz und Vanessa Neigert. Die meisten Show-Sieger verschwinden wieder in der Versenkung. Wie wollen Sie das bei Ihren Schützlingen verhindern?

Grundsätzlich geben Medien in Deutschland außerhalb von RTL Castingkünstlern keine Chance. Bestes Beispiel ist Daniel Schuhmacher. HR3 will seine Single nur spielen, wenn sich 1000 Hörer auf der HR3-Facebook-Seite positiv zu ihm äußern. Das ist Wettbewerbsverzerrung. Kunst muss subjektiv sein. Aber soll man einem Castinggewinner oder Zweitplatzierten vorwerfen, dass er sich einem Wettbewerb mit 30 000 Konkurrenten gestellt hat oder elfmal live in einer Samstagabendshow vor Millionen aufgetreten ist? Medlock überlebt nur, weil er extrem hart arbeitet und viel live spielt.

Finden Sie es nicht problematisch, dass fast alle „DSDS“-Gewinner von Bohlen produziert werden?

So viele waren es ja gar nicht: Alexander Klaws, Medlock und Schuhmacher. Thomas Godoj und Tobias Regner wurden nicht von ihm produziert. Das hängt immer von den Synergien ab. Wenn die nicht funktionieren, hat Dieter gar kein Interesse. Übrigens schreiben auch Stars wie Beyoncé, Madonna und Robbie Williams ihre Titel nicht selber.

Der Begriff „Künstler“ wird heute inflationär benutzt. Wie macht man einen Show-Sieger zu einem seriösen Künstler?

Ein Künstler, der innerhalb eines halben Jahres bei „DSDS“ auf höchstem Niveau geboren wird, muss erstmal lernen, seinen Beruf auszuüben. Und das will ich ihm so einfach wie möglich machen, damit er die Chance hat, sich zu einer Persönlichkeit zu entwickeln. Ich sage den Leuten, das Geschäft ist knüppelhart und selten fair. Darauf muss man sich einlassen. Heute kann ein Künstler nur überleben, wenn er ganzheitlich funktioniert.

Manche sagen, die Inflation von Wegwerfmusik durch die Musikindustrie habe zu einer Verweigerung des Konsumenten und mithin zur Branchenkrise geführt. Was denken Sie?

Die Frage ist: Wo fängt Kunst an, und was ist billig? Woran macht man fest, ob Lady Gaga Kunst oder Wegwerfmusik ist? Ich persönlich halte sie für ein klassisches Pop-Produkt. Hätte ein „DSDS“-Künstler es gewagt, einen Song mit dem Refrain „Ra-Ra-Rahahaha“ zu singen, würden ihn die Kritiker in die Luft sprengen. Aber Lady Gaga darf das. Ich glaube, die höchste Qualität ist erzielt, wenn das Publikum sich unterhalten fühlt.

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