Superbanner

DVD-Kritik: Bayreuther Erotik fürs Heimkino

DVD-Kritik: Bayreuther Erotik fürs Heimkino

519.02.10|Kultur|Kultur|
Drucken|Empfehlen|Schrift   a  /  A||recommendbutton_count130

Schliessen

Druckvorschau

Artikel: DVD-Kritik: Bayreuther Erotik fürs Heimkino

München - Wagners „Tristan und Isolde“ soll demnächst als packender Live-Mitschnitt auf DVD erhältlich sein. Doch es gibt Probleme, die mit etwas Schummelei weggezaubert werden sollen.

Der Gipfel der Liebesnacht à la Christoph Marthaler: Tristan (Robert Dean Smith) und Isolde (Iréne Theorin) im zweiten Aufzug der aktuellen Bayreuther Inszenierung. foto: dpa

Der Gipfel der Liebesnacht à la Christoph Marthaler: Tristan (Robert Dean Smith) und Isolde (Iréne Theorin) im zweiten Aufzug der aktuellen Bayreuther Inszenierung. foto: dpa

Vorbei die Zeiten, als das Haus wie eine abgeriegelte Trutzburg über der Stadt thronte. Aufführungen ja. Star-Rummel auch. Aber sonst? Drang nichts aus dem Bayreuther Festspielhaus, wo der selbst erklärte Grundsatz „Hier gilt’s der Kunst“ überstrapaziert wurde. In der neuen Ära mit den Chefinnen Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier ist das anders. Vor allem die Vermarktungsmaschine läuft heiß: Nach Katharina Wagners „Meistersinger“-Mitschnitt auf DVD, Christian Thielemanns „Ring“ auf CD ist nun eine weitere DVD einer noch laufenden (!) Produktion erschienen: Christoph Marthalers Inszenierung von „Tristan und Isolde“, die mittlerweile von Assistentin Anna-Sophie Mahler betreut wird.

Doch wie diese Inszenierung beleben? Wie ihr eine zusätzliche Spannungsdosis fürs Medium Heimkino verpassen? Und während Bildregisseur Michael Beyer im „Making of“ über seine Arbeit sinniert, ahnt man: Das größte Problem ist, dass die Verewigung auf DVD überhaupt in Angriff genommen wurde. Eben weil Christoph Marthaler in seiner Regie dem schwitzenden Gestus von Wagners Musik mit kontrastierender, subversiver Kargheit begegnet. Ein Konzept also, das sich der Übersetzung in „normale“ TV-Ästhetik sperrt.

Der Mitschnitt entstand bei den Festspielen 2009. Basis ist die Aufführung vom 9. August, die im Rahmen der Bayreuther Festspielnacht auf den dortigen Volksfestplatz übertragen wurde. Für die DVD wurden einige Szenen nachgedreht, die den Zuschauer quasi auf die Bühne holen und sich am Ende sogar über Isolde beugen lassen, wenn sie sich sterbend das Bettlaken über den Körper zieht.

Trotz grundsätzlicher Einwände: Der Mitschnitt packt einen gerade in Momenten, in denen der ermüdete Opernbesucher sonst gern mal die Gedanken schweifen lässt. Das liegt vor allem an Robert Dean Smith (Tristan) und Iréne Theorin (Isolde), die Großaufnahmen mühelos standhalten. Gerade Smith, der live oft als freundlicher Verwalter seiner Rollen über die Rampe kommt, gestaltet den letzten Aufzug mit enormer Intensität. Nicht nur, dass er ohne deklamierendes Forcieren auskommt und die Partie tatsächlich singt: Smith bietet nie vergröbernde Klischeegesten – und damit eine Schauspiel-Qualität, die man ihm nicht zugetraut hatte. Ebenso Iréne Theorin, die dank des herangezoomten Mienenspiels die Wandlung von der spöttischen Königstochter zum verspielten Teenie im Spießerkostüm bis zur reifen, wissenden Frau glaubhaft verkörpert. Sie überspielt damit gut, dass ihre Stimme nur unzureichend kanalisiert ist und sich über weite Passagen flackernd und diktionsarm durch die Partie bewegt. Dafür behauptet sie sich gegen das Dirigat Peter Schneiders, der den „Tristan“ als recht robuste, diesseitige Angelegenheit begreift.

Michael Beyers Schnitte, Kameraschwenks und -fahrten künden vom tiefen Wissen um die Kraftlinien dieser Inszenierung. Im Falle des Hirten, für den Arnold Bezuyen sofort für Marthalers Schauspiel-Ensemble engagiert werden müsste, werden sogar neue Akzente gesetzt.

Und doch hakt manches. Der erste Aufzug zieht in zu hektischer, Anti-Marthaler-hafter Schnittfolge vorbei. Und im zweiten Aufzug, wenn Smith und Theorin auf der Bank sitzen, wird’s unfreiwillig komisch. Hier fehlt dann doch der Blick auf die Totale von Anna Viebrocks Bühne. Ein Blick, der die Einsamkeit der Figuren, das Absurde ihrer Situation erst verdeutlicht. Aber an den Ersatz eines Live-Genusses hat ja ohnehin keiner gedacht. Als Dokument einer diskussionswürdigen Inszenierung funktioniert die DVD allerdings bestens.

Markus Thiel

zurück zur Übersicht: Kultur

Schliessen

Artikel empfehlen

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!

Fehleranzeige ausblenden

Es sind Fehler aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.

Fehleranzeige ausblenden

Schwere Fehler sind aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.

  • Fehlertext

Achtung!

  • Fehlertext

Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.

Kommentare

Aktuelle Fotostrecken

62. Berlinale eröffnet: Die Stars auf dem Roten Teppich

09.02.12|Boulevard|1

weitere Fotostrecken:
Ein Igludorf auf dem 1932 Meter hohen Höfatsblick unterhalb des Nebelhorns bei Oberstdorf beherbergt in den Wintermonaten bis zu 30 Gäste, die mit zahlreichen Decken und warmen Schlafsäcken die Nacht verbringen.

Aktuelle Kino-Filme

Hugo Cabret: Oscarfavorit von Martin Scorsese

„Hugo Cabret“: Ist dieser Film elf Oscars wert?

Berlin - Martin Scorsese huldigt in seinem Kinofilm „Hugo Cabret“ dem Filmmagier Georges Méliès. Ob das Abenteuer wirklich elf Oscarnominierungen wert ist? Hier die Filmkritik und der Kinotrailer:Mehr...

Star Wars: Episode 1 jetzt in 3D

Die dunkle Seite der Macht – jetzt in 3D

Berlin - Der “Krieg der Sterne“ ist zurück: Zwar ist die Story bekannt, Altmeister George Lucas aber bringt Obi-Wan Kenobi, Meister Yoda, Königin Amidala und Anakin Skywalker erstmals dreidimensional ins Kino.Mehr...

Sudoku online spielen
Nachrichten und Informationen aus Ihrer Umgebung

Wussten Sie schon...

… dass Sie Bilder, Videos und Audio-Dateien/Podcasts bewerten können?

Sobald Sie den Button Dot drücken, geben Sie eine positive Bewertung ab. In der Community werden die bewerteten Objekte automatisch zu den Favoriten hinzugefügt.

Artikel lizenziert durch © merkur-online
Weitere Lizenzierungen exklusiv über http://www.merkur-online.de

Neues Passwort zusenden

Bitte geben Sie ihre E-Mail Adresse an, wir senden Ihnen ein neues Passwort zu.

Bitte warten

Es wird etwas gemacht.

SkyScraper