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Kritik: „Fein sein, beinander bleibn – Ein Hausmusikabend von und mit den Geschwistern Well“ an Münchner Kammerspielen.

Geschwister Well: Bis das Hackbrett qualmt

München - Premierenkritik: „Fein sein, beinander bleibn – Ein Hausmusikabend von und mit den Geschwistern Well“ an den Münchner Kammerspielen.

© Fotos: Hilda Lobinger, Andrea Huber

Die Wells im Sechser-Pack: Bärbi, Christoph, Burgi, Karli, Moni und Michael Well auf der Bühne des Schauspielhauses.

„Du bist a da!“ – Hoffentli’ singst du ned!“ Gefrotzelt und gelacht wurde im Parkett des Schauspielhauses schon vor der ersten Vorstellung von „Fein sein, beinander bleibn“. Das Publikum war sichtlich auf die Wells geprägt. Auch wenn man hier und dort Stimmen vernahm, die der Biermösl Blosn nachtrauerten. Aber die Vorfreude auf „Einen Hausmusikabend mit den Geschwistern Well“ – sechs von 15 – überwog eindeutig. Zumal sich Moni, Burgi, Bärbi, Karli, Christoph und Michael Well Franz Wittenbrink als Regisseur geholt hatten. Denn der hat den Münchner Kammerspielen schon so wunderherrliche Musik-Theater-Abende wie „Alle Lust will Ewigkeit“ oder „Männer“ beschert. Immer mit „Ausverkauft“-Garantie – und das dürfte bei dem am Sonntag uraufgeführten „Fein sein, beinander bleibn“ genauso sein.

Allerdings ist die Uraufführung keine lupenreine, denn es flossen allerhand Wellküren-Hits (Wellküren: die Formation der drei Wellinnen) in den mit den Zugaben fast dreistündigen Abend mit ein. Während die zwei Drittel Ex-Biermösls tunlichst auf Altmaterial verzichteten – wobei einige Lieder, wie „Im Darm“, deutliche Varianten von früheren Ideen waren. Wen kümmert’s? Gelacht wurde viel und froh. Vielleicht weil mancher erleichtert war, dass alles gut über die Bühne ging, obwohl es bei vielen Feinabstimmungen noch wackelte.

Die Besetzung:

Regie: Franz Wittenbrink.

Ausstattung: Franz Wittenbrink, Geschwister Well.

Licht: Stephan Mariani.

Videotechnik: Egon Schweiger, Nicolas Hemmelmann.

Mit: Gertraud Well, Bärbi Well, Karli Well, Burgi Well, Michael Well, Moni Well, Christoph Well. Alternierend sind Stefan Merki und Jochen Noch aus dem Kammerspiele-Ensemble als Ex-Schwager und Pfarrer zu Gast.

Die Bühne selbst hängt und steht voller Musikinstrumente – vom Banjo übers Saxophon bis zum Kreigodern – und wird ab und zu mit Gebirgswiesen-Idyll oder Stubn-Interieur fotografisch aufgemotzt. Aber das Wichtigste sind die sieben, ja, sieben Wells, denn die betagte Mutter der sechs (respektive 15), Gertraud Well, war mal nähend, mal Zither spielend dauerpräsent. Und reagierte bühnenfit auf den Punkt, als zum Beispiel Sohn Christoph/Stofferl seinen 40-Cent-Rap zur Lage der Milchbauern losließ: Beim Stichwort „BDM“ kam prompt Mama Wells „Da war i a dabei“ – aber halt nicht beim Bund deutscher Milchbauern. Und sie nimmt’s auch humorvoll, als Gerhard Polts Nikolaus bei der „Bravheits-Diagnose“ der Kinder gleich auf derer 15 stößt. „Ja mei“, ihr Kommentar. In diesem Ambiente bieten ihre sechs jetzt in Varianten vom Sextett bis zum Duett Zartes und Hartes – bis das Hackbrett qualmt. Jeder wird nach Möglichkeit herausgestellt.

Biermösl-Blosn trennt sich nach Jahren

zurück

vor

© Fotos: Hilda Lobinger, Andrea HuberGertraud Well, Mutter von 15 Kindern, zusammen mit Stefan Merki bei der „Fein sein“-Uraufführung.

Kein Wunder also, dass es selbst der versierte Regisseur Wittenbrink nicht recht vermochte, dieses Team aus sehr selbstständigen Langzeit-Musikanten-Brettl-Routiniers in eine dramaturgisch überzeugende Form zu gießen. Was bei Profi-Schauspielern eben kein Problem ist. Immerhin gibt es allerdings leicht fransige rote Fäden. Zum einen: Die sechs proben für eine Welt-Tournee, das heißt man kann schon mal „Riverdance“ und Dixieland durch den Zuschauerraum düsen lassen. Und China wird zungenbrechermäßig von den Well-Ladys derbleckt. Zum anderen: Geschwister-Zoff à la „Wer hat vor über 40 Jahren dem Stofferl den Schürhaken über die Nase gezogen?“. Das ergibt im langen Teil vor der Pause eine richtig unterhaltsame Well-Revue, wie wir sie kennen. Erst im zweiten zeigt Wittenbrink seine Gestaltungskraft.

Da wird neben Ravels „Bolero“ und Bizets „Carmen“-Habanera der Geschwister-Streit kräftig entfesselt, um ihn wundervoll im herzerwärmenden „Andachtsjodler“ zu besänftigen; währenddessen wächst bei den Herren etwas hoch – die Alphörner nämlich. Und mit denen tönt es nahtlos zwischen „Freude, schöner Götterfunken“ und „We Will Rock You“. Der zweite Streit ist noch toller. Er wird zur fetzigen, gewagt musikalisch-kakophonischen „Familienaufstellung“, die sich schließlich im Lied „Fein sein, beinander bleibn“ beruhigt. Kein Wunder, dass fleißig Zugaben erklatscht wurden. Wittenbrink und Polt – er auf Arabisch! – mussten beim Gstanzl-Singen selbst ran. Bei all dem darf das Extra-Lob für Stefan Merki nicht fehlen. Das Kammerspiel-eigene Gwachs trotzte souverän witzig als Schweizer Ex-Ehegespons von Moni und Pfarrer („Weihwasser-Pipeline“) der Well-Macht.

Nächste Vorstellungen:

Dienstag, 16., 25. und 28. Februar, alle ausverkauft; Tel. 089/ 23 39 66 00.

Von Simone Dattenberger

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