Heute vor 250 Jahren wurde Friedrich Schiller geboren – viele neue Bücher ehren den Dichter. Ein Streifzug.

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Büste von Friedrich Schiller.
Man könnte meinen, zu Schiller sei schon alles gesagt. Doch ganz offensichtlich ist dem nicht so. Eine ganz Fülle von Neuerscheinungen gibt es, von denen einige von besonderem Interesse sein könnten. Da ist einmal Rüdiger Safranskis Buch „Goethe & Schiller. Geschichte einer Freundschaft“.
In dieser Lebensfreundschaft tun sich natürlich auch Gegensätze auf. Der Literaturwissenschaftler Walter Müller-Seidel beleuchtet in „Nicht das Große, das Menschliche geschehe“ den politischen Schiller: Von den Anfängen, als Schiller noch die Tyrannenherrschaft thematisierte, über Schillers ambivalentes Verhältnis zur Französischen Revolution bis hin zu seinen großen Humanitäts- und Freiheitsgedanken. In seinem Buch analysiert Müller-Seidel den politischen Gehalt von Schillers großen Dramen und seiner theoretischen Schriften – und vergleicht sie mit der damaligen Weltpolitik und den politisch-utopischen Ideen im Umfeld der Weimarer Klassik.
Der Kunsthistoriker Ehrenfried Kluckert wiederum nimmt Schillers Flucht aus der Stuttgarter Militärakademie 1782 zum Anlass, um in Rückblicken die Bedeutung dieses Ereignisses auf den Lebensweg des Dichters nachzuzeichnen. In diesem biografischen Porträt „Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit“ wird Schillers Flucht zum bestimmenden Element für seine Weltsicht.
Welche Einstellung hatte aber Schiller zu den Frauen? Dieser Frage geht Joseph Kiermeier-Debre in „Schillers Frauen“ nach. Natürlich gibt es ein Porträt der Mutter, doch angefangen mit Schillers erster Muse Louise Dorothea Vischer, über Henriette und Charlotte von Wolzogen bis zur Heirat mit Charlotte von Lengefeld werden die amourösen Stationen nachgezeichnet und mit kleinen Charakterstudien von Heldinnen aus Schillers Stücken kontrastiert. Dichtung und Wahrheit rücken da manchmal eng zusammen, denn der Bühnenautor Schiller griff gerne auf Vorbilder aus dem realen Leben zurück. Wer aber kennt Christophine Reinwald? Sie ist Schillers ältere Schwester, er nannte sie liebevoll seine „früheste Heldin“. Unglücklich verheiratet, aber mit einem langen Leben gesegnet, wurde sie im Alter zur Bewahrerin des Schillerschen Erbes. Über diese unkonventionelle und geistreiche Frau legt nun Dieter Hildebrandt ein Buch vor: „Schillers erste Heldin“.
Schillers Verhältnis zu den Frauen mag für seine Stücke produktiv gewesen sein. Seine Lebensfreundschaft zu Goethe hat aber ein ganz eigenes Werk hervorgebracht: den Briefwechsel der Dichterfürsten. Nun hat der Reclam Verlag eine Neuedition in gebundener Form herausgebracht. Der erste Band umfasst den gesamten Text, der zweite den Kommentar. Das Besondere an der Ausgabe ist, dass die Briefe historisch-kritisch in originaler Gestalt gedruckt sind, Vari-anten werden direkt im Text vermerkt. Der Kommentarteil umfasst Überlieferung, Datierung und Geschichte der Briefe, bietet also alles Wichtige zum besseren Verständnis.
Wer sich dem Dichter und Denker Schiller erst einmal allgemein nähern will, dem seien zwei Publikationen empfohlen. In „Mein Schiller“ präsentiert Marcel Reich-Ranicki eine persönliche Auswahl aus dem Werk: Lyrik, Erzählung, das Stück „Kabale und Liebe“ und viele theoretische Texte. Man kann sich natürlich auch anhand von existenziellen Fragen Schiller nähern: „Rauchte Schiller?“ – „War Schiller Alkoholiker?“ – „Glaubte Schiller an Gespenster?“ Diese und andere Problemstellungen arbeitet der Literaturwissenschaftler Gero von Wilpert in „Schiller. Die 101 wichtigsten Fragen“ ab – und das auf höchst amüsante und informative Weise. Dass Schiller dem Tabak äußerst zugetan war, weiß man. Wie steht es aber nun um den Alkohol? Der trinkfeste Goethe berichtet, dass Schiller zu Zeiten seine geistigen Kräfte durch „Liqueur oder ähnliches Spiritiuoses“ zu steigern beliebte. Auch hier zeigt sich: Ohne Goethe hat man nur den halben Schiller. Das gilt natürlich auch umgekehrt.
Andreas Puff-Trojan



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