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Das große Merkur-TV-ABC 2011

München - Wer kam, wer ging, was wurde zum großen Erfolg, was hat man schon wieder vergessen? Ein – nicht ganz ernst gemeinter – Rückblick auf Namen und Ereignisse des Jahres in der deutschen Fernsehlandschaft.

A wie ARD – Von Sonntag bis Donnerstag lässt der Senderverbund im Ersten zu später Stunde quasseln, bis irgendwann Gästen und Zuschauern die Spucke wegbleibt. Bis es so weit ist, gibt es bei Jauch, Plasberg, Maischberger, Will und Beckmann Woche für Woche nur noch ein Thema, das immer passt: „Schurken, Schnarcher, Sittenstrolche – Ist Deutschland noch zu retten“?

B wie Bause, Inka – Die lustige Leipzigerin behandelt auch im siebten „Bauer sucht Frau“-Jahr ihre Heiratskandidaten wie die letzten Deppen. Darf man hoffen, dass sie in der nächsten Staffel endlich von einem stämmigen Stier auf die Hörner genommen wird?

C wie Champions League – Ein schönes, attraktives Fußballereignis und gar nicht so teuer, weswegen das ZDF es dem privaten Konkurrenten Sat.1 wegkaufte. Und Johannes B. Kerner, der heuer auch noch sein wöchentliches Magazin verlor, muss auf der Bank Platz nehmen.

Wer ist dabei? Heiße Kandidaten fürs Dschungelcamp 2012

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D wie „Das blaue Sofa“ – Gleich in der ersten Ausgabe des neuen ZDF-Literaturmagazins wurde das titelgebende Möbelstück zum Interview auf einen Gletscher geschleppt. Das sollte dem Format etwas Avantgardistisches geben. Doch auch ein Wolfgang Herles kocht nur mit (Schmelz-)Wasser, und so könnte „Das blaue Sofa“ schon bald auf dem Sperrmüll landen.

E wie Eichinger, Nina – Kaum gibt es bei RTL gefühlte hundert Jahre erfolgreiche Castingshows wie „DSDS“ und „Das Supertalent“, hatte man auch beim Bayerischen Rundfunk die Idee, ein solches Format zu kreieren. „Mia san mia“ klingt sehr regional, was sich schon daran zeigt, dass man beim Münchner Sender eine Paradebayerin wie Nina Eichinger als Moderatorin installiert.

F wie Frauenfußballweltmeisterschaft – Nadine Angerer, Kerstin Garefrekes oder Celia Okoyino Da Mbabi waren plötzlich Namen, die jedes Kind kannte. Und während die Chefs von ARD und ZDF über Zuschauerzahlen von bis zu 17 Millionen jubelten, trat ein Moderatorenprofi wie Michael Antwerpes mit dem Satz „WM der Frauen ist, wenn man trotzdem Spaß hat“ ganz schrecklich über den Ball.

G wie Gottschalk, Thomas – Mit seinem Abschied von „Wetten, dass...? nach fast 25 Jahren und seinem Wechsel vom ZDF zur ARD geht eine Ära zu Ende. Der große Blonde polarisierte, nicht jedem gefielen seine Sprüche und seine Outfits. Fest steht jedoch, dass es in Deutschland wohl keinem Moderator mehr gelingen wird, Ausgabe für Ausgabe um die zehn Millionen Zuschauer für eine Samstagabendshow zu begeistern. Nicht einmal, wenn sie „Wetten, dass...?“ heißt.

TV-Hits 2011: Von Thomas Gottschalk bis Tatort

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H wie „Homevideo“ – Im besten Fall ist fiktives Fernsehen realitätsnah und spannend. Kilian Riedhofs zu Recht preisgekrönter Film über einen Jugendlichen, der auf tragische Weise zum (Cyber-)Mobbingopfer wird, ist ein schönes Beispiel dafür, was öffentlich-rechtliches Fernsehen leisten kann.

I wie Intrige – Maximilian Brückner und Gregor Weber wollten bei den Drehbüchern zum Saarbrücker „Tatort“ mitreden. Doch mündige Schauspieler schätzt man nicht so sehr beim Saarländischen Rundfunk (SR), deswegen wurde die Geschichte der beiden plötzlich für „auserzählt“ erklärt und das Duo trotz kontinuierlich gestiegener Quoten abgeschossen.

J wie Jauch, Günther – Der Tausendsassa des deutschen Fernsehens hat endlich seine politische Talkshow in der ARD. Nach Sichtung der ersten Sendungen fühlt man sich an den Scheinriesen Turtur aus Michael Endes Buch „Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer“ erinnert. Der wirkte auch nur aus der Entfernung betrachtet so groß. Und wurde immer kleiner, je näher er kam.

K wie Kunzendorf, Nina – Fernsehkommissarinnen in Deutschland sind oft entweder verhärmt oder furchtbar moralisch. Nina Kunzendorf bringt eine neue Farbe ins Spiel. Ihre Frankfurter „Tatort“-Ermittlerin Conny Mey ist herrlich unberechenbar und trotzdem professionell. Was beweist, dass die Kultkrimireihe auch nach über 40 Jahren noch Entwicklungspotenzial hat.

L wie Lierhaus, Monica – Die nach einer schweren Operation und monatelangem Koma gehandicapte ehemalige Sportjournalistin wurde zum neuen Gesicht der Fernsehlotterie „Ein Platz an der Sonne“. Die Höhe ihrer Gage ließ für viele das Motto der Veranstaltung in einem ganz anderen Licht erscheinen.

M wie „Marienhof“ – Es wird nichts mehr passieren! Auch die große Explosion, mit der der Produzent Simon Müller-Elmau im Jahr 2009 den Zuschauerschwund bei der ARD-Seifenoper stoppen wollte, verpuffte. Nach gut 18 Jahren wurde der „Marienhof“ endgültig abgerissen.

N wie Neun live – Eine Automarke mit drei Buchstaben, die ersten beiden sind B und M – so leicht wie beim Münchner „Mitmachsender“ werden Quizfragen nie mehr zu beantworten sein. Und so schwer wird es nie mehr sein, mit der richtigen Antwort auch etwas zu gewinnen. Weil die Rechnung am Ende trotzdem nicht aufging, musste Neun live heuer schließen.

O wie Opdenhövel, Matthias – Das sympathische Pro Sieben-Gewächs wechselte zur ARD-Traditionssendung „Sportschau“. Wer sagt, dass das Privatfernsehen nicht auch echte Talente hervorbringt?

P wie Peer Kusmagk – Was verbirgt sich hinter diesem Namen? Ein „Superstar“? Ein „Supertalent“? „Germany’s Next Topmodel“? Nein, Peer Kusmagk ist der amtierende RTL-„Dschungelkönig“. Schlamm drüber!

Q wie Quote – Sie war auch 2011 das Maß aller Dinge.

R wie Ring, Wolf-Dieter – Nach 21 Jahren als gut bezahlter Präsident der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien (BLM) gab der 70-Jährige den Posten heuer an den ehemaligen Staatskanzleichef Siegfried Schneider ab. Noch ein paar Jahre mehr so viel Geld für den Chef, und die BLM wäre pleite gewesen.

Tatort: Die 18 Ermittler-Teams

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S – wie Saalfrank, Katharina – Die RTL-„Supernanny“ musste tatenlos zusehen, wie Kinder vor der Kamera angebrüllt und verprügelt und deren Eltern bloßgestellt wurden. Die Diplompädagogin reagierte blitzschnell und erklärte nach nur sieben Jahren, bei dieser Art von Fernsehen nicht mehr mitmachen zu wollen.

T – wie „Traumschiff“ – Es kreuzt seit 30 Jahren im Auftrag des ZDF durch seichte (Unterhaltungs-)Gewässer und hatte in all den Jahren noch nie die Pest an Bord.

U wie „Unterwegs in der Weltgeschichte“ – Nicht überall, wo Hape Kerkeling draufsteht, ist auch Humor drin. Die ZDF-Geschichtsreihe erwies sich als weniger lustig als vom Mainzer Sender versprochen. Immerhin zeigte sich der Komiker in vielen verschiedenen Verkleidungen von Odysseus bis Queen Victoria. Nur in Thomas Gottschalk kann und will sich Kerkeling nicht verwandeln.

V wie „Voice Of Germany“ – Schon wieder eine Castingshow? Ja, aber diesmal eine, bei der das musikalische Potenzial im Mittelpunkt steht und nicht die tote Großmutter des Kandidaten, um und für die vor der Kamera geweint und gewimmert wird. Und – o Wunder – Pro Sieben und Sat.1 finden für dieses Format ein großes Publikum.

W wie William von Windsor – Nicht wenige Zuschauer dachten am 29. April 2011, ihr neuer Flachbildfernseher sei kaputt. Welches Programm sie auch wählten, immer sahen sie den britischen Thronfolger, wie er mit seiner Kate die Westminster Abbey betrat. Und auf jedem Kanal sagte der Kommentator oder die Kommentatorin aus dem Off: „Jetzt betreten Prinz William und seine Kate die Westminster Abbey.“

X, Y – wie „XY – ungelöst“ – Muss noch lange im Programm bleiben, sonst ist diese Chronik unvollständig.

Z wie ZDF – Das Zweite Deutsche Fernsehen bekommt einen neuen Intendanten. Thomas Bellut wurde zum Nachfolger von Markus Schächter bestimmt. Und richtet im neuen Jahr gleich drei neue Digitalkanäle ein – ZDF Retro für die alten Filme, ZDF Holdrio für Volksmusik und ZDF Ab-ins-Depo(t) für alles andere.

Rudolf Ogiermann

Rubriklistenbild: © ARD/ZDF/Pro Sieben

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