München - Daniel Behle sang eine exemplarische „Schöne Müllerin“ im Cuvilliéstheater. Lesen Sie hier die Kritik:

© Borggreve
Tiefenbohrung bis zu Schuberts Kern: Daniel Behle (31), neuer Star im lyrischen Tenorfach.
Wer es zuvor nicht schon kommen hörte, stutzt spätestens in Nummer zehn, im „Tränenregen“: Da ist es, das Unheil. Kaum verborgen zwischen all den „Sternlein“ und „Blümlein“ und dem Schauen mit der Angebeteten ins muntere Bächlein. So, wie Daniel Behle hier Schuberts „Schöne Müllerin“ innehalten lässt, muss diese Reise, man weiß es nun, bös’ enden: nicht im warmen Bett einer Geliebten, sondern im tödlichen des Baches.
Auch andere haben die „Müllerin“ als zweite „Winterreise“ vorgeführt. Doch Behle, neuer Star im lyrischen Tenorfach, wählt im ausverkauften Cuvilliéstheater einen eigentümlichen, wahrhaftigeren Weg: Kein (äußerlicher) Thriller à la Ian Bostridge wird da inszeniert. Behle befasst sich vielmehr mit dem lyrischen Ich, mit der Hauptperson dieses Zyklus. Und so plastisch, so zwiegespalten tritt dieses einem derzeit nur in den Deutungen von Bariton Christian Gerhaher gegenüber. Kein Sympathieträger ist dieser Schubert-„Held“. So, wie er anfangs rastlos durch die Lieder stürzt. Wie er bissig auf die Ablehnung der Geliebten reagiert. Und wie er seine Gefühle als Liebeskrankheit verkauft – die doch auch die Emotionen eines gekränkten, narzisstischen, selbstmitleidigen Eigenbrötlers sind.
Eine exemplarische „Müllerin“ also, eine Tiefenbohrung bis zu Schuberts Kern. Und gekrönt von einer so grandiosen wie passenden Zugabe: „Auf dem Strome“ mit Hornist Ab Koster. Ovationen.
Markus Thiel
Nächster Liederabend am 17. April im Prinzregententheater (089/ 811 61 91).



Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!
Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.
Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.
Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.