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Interview über Erwin Pelzig zur Premiere von Alkaid

„Ich bin kein Humor-Dienstleister“

Am Samstag feiert "Alkaid" Premiere. MM-Kulturchef Michael Schleicher traf im Vorfeld Autor Frank-Markus Barwasser sowie Regisseur Josef Rödl. Ein Interview über Erwin Pelzig ohne Erwin Pelzig.

© Marcus Schlaf

Das Duo Barwasser/Rödl als Doppelpack für den Fotografen im Spiegel des Wintergartens im Bayerischen Staatsschauspiel. Regisseur Josef Rödl (li.) sowie der Autor und Kabarettist Frank-Markus Barwasser bringen am Samstag „Alkaid“ auf die Bühne im Haus.

Er lässt vor dem Interview ausrichten, dass es sich nicht um ein Gespräch mit Erwin Pelzig handeln wird. Der Autor und Kabarettist Frank-Markus Barwasser, 1960 in Würzburg geboren, will selbst erzählen, was seinen bekanntesten Charakter (siehe Kasten) auf die Bühne des Bayerischen Staatsschauspiels treibt. Premiere von „Alkaid“ ist am Samstag, Josef Rödl inszeniert die Uraufführung. Und Barwasser hat das Stück nicht nur geschrieben – er spielt auch die Hauptrolle.

Sie haben mit 20 Jahren an der Schauspielschule Bochum vorgesprochen. Die Prüfer sagten Ihnen, dass Sie nie Schauspieler werden würden. Wie groß ist Ihre Genugtuung, jetzt auf der Bühne des Residenztheaters zu stehen?

© Marcus SchlafIm Gespräch über Erwin Pelzig: Frank-Markus Barwasser (re.), Regisseur Josef Rödl (M.) und MM-Kulturchef Michael Schleicher.

Barwasser: Ich habe es ein einziges Mal an der Schauspielschule probiert. Das Urteil in Bochum war aber auch sehr vernichtend: Die haben mir empfohlen, kein Fahrgeld zu verschwenden und nicht anderswo vorzusprechen. Genugtuung empfinde ich aber nicht, denn ich bin Kabarettist geworden. Es klingt pathetisch, aber der Beruf des Schauspielers muss mit Respekt betrachtet werden – heute glaubt ja fast jede Knallcharge, die mal ein bisschen gemodelt hat, sie könne einen auf Schauspieler machen.

Laden Sie Ihre Prüfer zur Premiere ein?

Barwasser: Nein. Ich habe auch nicht das Gefühl: Seht ihr! Ich glaube, die hatten Recht: Ich stand dort als verklemmtes Bürschlein und hatte die Unverschämtheit, einen eigenen Text vorzutragen. Da saßen fünf schwarze Rollkragen-Pullover und dachten: „Der spinnt, hier selbstgemachte Marmelade zu verteilen.“ Einer sagte: „Sie karikieren nur!“ Und er hat Recht gehabt! Außerdem schreibe ich gern, und das ist nicht die eigentliche Aufgabe eines Schauspielers. Ich bin meinen damaligen Prüfern dankbar: Hätte sich eine Schauspielschule meiner erbarmt, fürchte ich, dass ich über Bremerhaven wohl nie rausgekommen wäre.

Frage an den Regisseur: Ist Frank-Markus Barwasser ein Schauspieler?

Rödl: Natürlich. Es ist aber ein bisschen anders als üblich, weil Barwasser eine fertige Figur – Erwin Pelzig – mitbringt. Ich integriere also eine medienbekannte Figur in einen Theaterabend.

Wie sieht das aus?

© Marcus SchlafSeit 1993 kennen die Fans Frank-Markus Barwasser als Erwin Pelzig.

Rödl: Barwasser hat ein klassisches Theaterstück geschrieben, in dem Pelzig zusammen mit den anderen Figuren eine bestimmte Position einnimmt. Letztlich ist es, als ob man einen „Tatort“ dreht, bei dem die Kommissare ja auch bleiben. Es wird Pelzig bleiben.
Barwasser: Die Frage ist, ob Pelzig, der als Solofigur wahrgenommen wird und das auch ist, in einer Handlung mit anderen funktioniert. Ich denke, das geht auf alle Fälle. Bei unserem Kinofilm „Vorne ist verdammt weit weg“ ist es auch gelungen – und selbst bei „Pelzig unterhält sich“ ist diese Figur ja in Interaktion mit anderen Gästen.

Pelzig bleibt der Chef?

Barwasser: Natürlich. Ich denke aber, dass es gelingt, dass die anderen nicht zu Nebenfiguren degradiert werden, die dazu dienen, Pelzig zu erhöhen.

Es ist das erste Stück, das Sie geschrieben haben, und Sie übernehmen die Hauptrolle. Nervös?

Barwasser: Ja scho. Aber das Schöne ist ja: Ich bin hier nicht alleine. Und ich habe einen Regisseur, auf den ich alles schieben kann...

...und der diese Rolle gerne annimmt?

Rödl: Nicht gerne annimmt, sondern der sagt: „Ich hätte es ja gerne anders gewollt – aber er spielt es ja falsch.“ (Lacht.)

Das Stück hat noch niemand außerhalb des Ensembles gelesen: Der Titel „Alkaid“ lässt vermuten, dass Pelzig sich für Astronomie interessiert. Alkaid heißt ein Stern im Sternbild des Großen Bären...

Barwasser: Schön, dass Sie sagen, es ist ein Stern. Gestern meinte einer, es sei ein Kopfschmerzmittel. (Lacht.) Ich habe noch nie etwas von Pelzig privat gezeigt – insofern konnte ich alles behaupten. Ich finde, dass Astronomie als Hobby gut zu ihm passt. Sein Antrieb ist ja eine gewisse Einsamkeit, mit der er sich arrangiert hat und die er will.

Und Sie haben sich für diesen Stern wohl auch entschieden, weil es von Alkaid nicht weit zu El Kaida ist?

Frank-Markus Barwasser spielt seit 1993 Erwin Pelzig, dessen Markenzeichen sein fränkischer Dialekt, Cordhut und Herrenhandtasche sind. Außer acht Solo-Programmen hat der 50-jährige Würzburger „Vorne ist verdammt weit weg“ (2007) gedreht und ist regelmäßig als Pelzig im TV zu sehen: Seine ARD-Show „Aufgemerkt – Pelzig unterhält sich“ läuft das nächste Mal am 20. Mai (23.30 Uhr) mit den Gästen Horst Seehofer und Sahra Wagenknecht. Barwasser wurde vielfach geehrt – etwa mit dem Deutschen Kabarettpreis (2001), dem Deutschen Kleinkunstpreis (2004) und dem Bayerischen Fernsehpreis (2006).

Barwasser: Das führt im Stück zu Missverständnissen. Man muss die Diskussion um die Sicherheit differenziert betrachten. Natürlich kann man leicht „Überwachungsstaat“ rufen – andererseits wollen wir beschützt werden. Man muss sich aber fragen, was neue Maßnahmen bringen, wenn bestehende nicht ausgeschöpft werden. Dass dieser Abend kein Kabarett ist, sieht man daran, dass er nicht wirklich tagesaktuell ist: Ich nehme eine Grundsituation, die an sich komisch ist – Pelzig mit zwei Polizisten in seiner Wohnung. Und ich nehme eine Grundsituation, die sehr politisch ist: Überwachung und Terrorismus. Doch das Stück hat noch andere Ebenen, die über die Frage „Sind wir ein Überwachungsstaat?“ hinausgehen.

Wie groß ist das Risiko, Fans zu verstören, wenn Pelzig Staatstheater macht?

Barwasser: Pelzig bleibt Pelzig, und das Stück ist eine Komödie. Aber natürlich ist es immer ein Risiko – das war es beim Kinofilm auch. Aber ich betrachte mich als Künstler, nicht als Dienstleister eines bestimmten Humors.

Als Regisseur der Uraufführung dürfen Sie am Text nichts ändern, Herr Rödl...

Barwasser: Und das sagt man mir jetzt?! Rödl: Das geschieht in Abstimmung mit dem Autor... Barwasser: Das wusst’ ich doch gar nicht. Du verheimlichst mir Sachen. (Pause.) Nein, wir haben kein Problem. Ich suche die Diskussion und die Inspiration von außen.

Jetzt wird Pelzig quasi zum Klassiker. Kommt der Punkt, an dem Sie von dieser Figur genug haben?

Barwasser: Ja, der wird ganz sicher kommen. Da ich aber mit der Figur immer wieder neue Wege beschreite, war es all die Jahre erträglich. Aber gerade, wenn man älter und älter wird, irgendwann ganz alt ist, gibt es bei so einer Figur einen Punkt, an dem es schnell peinlich wird. Momentan nähere ich mich gnadenlos meinem Spielalter an. Wenn ich es wirklich erreicht habe, dann ist auch gut.

Das Gespräch führte Michael Schleicher.

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