München - Zwischen München und Nürnberg tobt ein irrer Streit um Albrecht Dürers „Selbstbildnis im Pelzrock“. Jetzt schaltet sich auch noch die Politik ein und macht aus dem Zank ein Strategiespiel.

© Staatsgemäldesammlung
Albrecht Dürer: Sein „Selbstbildnis im Pelzrock“,1500, möchte das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg zeigen. Es steht aber auf der Sperrliste der Alten Pinakothek
Diskussion, Streit, Gerangel, Tauziehen im Hintergrund: Egal, wie man das nennt, was sich derzeit zwischen Politikern und Museumskonservatoren, zwischen Museumskonservatoren und Museumskonservatoren, zwischen Ministeriumsbeamten und der Wittelsbacher Landesstiftung abspielt – da durchzusteigen, ist extrem schwer. Fast alle wollen etwas haben, aber möglichst nichts sagen.
Die „fachliche Seite“ ist durch dieses Polit-Strategiespiel mittlerweile verstört. Klaus Schrenk, Generaldirektor der Staatsgemäldesammlungen, hat erst am Freitag Zeit für ein Statement, und der Restauratoren-Oberexperte vom Doerner-Institut, Andreas Burmester, würgt Fragen gleich ab. „Ich würde mich nicht äußern wollen – das ist ein Riesenschlachtfeld“, begründet er seine Haltung. Auch der Geschäftsführende Vorstand der Wittelsbacher Landesstiftung, Burkhard von Urff, der im Kunst-Ministerium arbeitet, ist nicht erreichbar. Wartet er womöglich lieber das Gespräch Herzog Franz–Seehofer ab, oder fürchtet er Zielkonflikte zwischen Stiftung und Minister?
Man kann nur hoffen, dass die Gschaftlhuberei von manchen Politikern durch Sachargumente beruhigt wird. Die Sehnsüchte des Germanischen Nationalmuseums, in ihrer Sonderausstellung „Der frühe Dürer“ das „Selbstbildnis mit Pelzrock“ zeigen zu können, ist nur zu verständlich. Der Schutz des Bildes muss allerdings stets Vorrang haben. Wer möchte verantworten, wenn es Schaden nimmt? Der Künstler schrieb in Augenhöhe direkt auf die Malfläche „Albertus Durerus Noricus/ ipsum me propriis sic effin/ gebam coloribus aetatis/ anno XXVIII“. „Albrecht Dürer Nürnberg – so bildete ich mich nach mit unvergänglichen (eigenen) Farben im Alter von 28 Jahren“, teilt das Genie uns mit. Hat aber Unrecht: Farben sind empfindlich, insbesondere nach 512 Jahren. Und Dürer, der erste deutsche Maler, der gewissermaßen das Künstlerselbstbildnis erfand, wollte sich doch verewigen. Er präsentierte sich im Gewand eines Gelehrten, in exakter Frontalansicht, wie man sie von Christus-Darstellungen, vom „vera icon“/ wahren Abbild (man denke an das Schweißtuch der Veronika) her kennt. Albrecht Dürer, der im Vergleich zu Venedig nicht so gut auf Nürnberg zu sprechen war („Hie bin ich ein Herr, doheim ein Schmarotzer“), zeigte sich also in seinem Menschsein sehr selbstbewusst und zugleich tief religiös.
Von Simone Dattenberger



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