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Streit um Gemälde von Alfred Dürer: Jetzt mischt die Politik mit

Irrer Gemälde-Streit: Jetzt mischt die Politik mit

München - Zwischen München und Nürnberg tobt ein irrer Streit um Albrecht Dürers „Selbstbildnis im Pelzrock“. Jetzt schaltet sich auch noch die Politik ein und macht aus dem Zank ein Strategiespiel.

© Staatsgemäldesammlung

Albrecht Dürer: Sein „Selbstbildnis im Pelzrock“,1500, möchte das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg zeigen. Es steht aber auf der Sperrliste der Alten Pinakothek

Diskussion, Streit, Gerangel, Tauziehen im Hintergrund: Egal, wie man das nennt, was sich derzeit zwischen Politikern und Museumskonservatoren, zwischen Museumskonservatoren und Museumskonservatoren, zwischen Ministeriumsbeamten und der Wittelsbacher Landesstiftung abspielt – da durchzusteigen, ist extrem schwer. Fast alle wollen etwas haben, aber möglichst nichts sagen.

© StaatsgemäldesammlungLeonardo da Vinci: „Madonna mit der Nelke“, um 1473, darf ebenfalls nicht auf Reisen gehen

Der Fall ist folgender: Das Germanische Nationalmuseum (GNM) in Nürnberg plant für den großen Sohn der Stadt, Albrecht Dürer (1471 bis 1528), eine exzeptionelle Ausstellung, die, wie man dort ankündigt, so nie mehr zustande kommen wird. Ab 24. Mai wird die Schau zugänglich sein. Was nun nicht nur die fränkischen Lokalpatrioten, sondern auch die Konservatoren des GNM ärgert, ist die Tatsache, dass sie ein bestimmtes Selbstporträt von Dürer, das „Selbstbildnis im Pelzrock“ von 1500, nicht als Leihgabe aus München bekommen. Das herausragende Werk hängt in der Alten Pinakothek, gehört der Wittelsbacher Landesstiftung und steht auf der Liste der rund 140 Bilder der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, die prinzipiell nicht reisen dürfen. Hier geht es nicht um Besitzgier, hier geht es um den Schutz von Weltkunstwerken. Ihr Wert würde wohl jede Auktion sprengen. Die Sorge der Restauratoren ist nicht Schikane. Sie wissen, dass auf Holz gemalte Bilder nun mal extrem empfindlich sind, weil Holz bei den kleinsten Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen zu arbeiten beginnt. Die Nürnberger Museumsleute würden das Risiko eingehen, die Münchner nicht. Die Entscheidung ist gefallen.

So schien es jedenfalls bis dato. Nun aber klinkte sich die Politik ein, aufgeschreckt durch einige Medienberichte. Der zuständige Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP) konstatiert das mit einem Seufzer: „Wenn man zu einer Lösung kommen möchte, wäre das ohne öffentliche Debatte besser“, merkt er an – auch im Hinblick auf Finanzminister und Franke (!) Markus Söder (CSU), der markig auf eine Ausleihe pocht. Auch Horst Seehofer (CSU) – die Staatskanzlei wollte sich gestern unserer Zeitung gegenüber nicht äußern – möchte sich laut SZ einschalten. Heubisch dazu: „Der Ministerpräsident will bald mit Herzog Franz über das Thema diskutieren.“ Er selbst habe bereits vor einem halben Jahr Gespräche geführt und habe „Sympathien für den Nürnberger Wunsch“, aber „von fachlicher Seite“ habe er den Hinweis erhalten, dass diese Dürer-Fahrt „problematisch“ sei.

Die „fachliche Seite“ ist durch dieses Polit-Strategiespiel mittlerweile verstört. Klaus Schrenk, Generaldirektor der Staatsgemäldesammlungen, hat erst am Freitag Zeit für ein Statement, und der Restauratoren-Oberexperte vom Doerner-Institut, Andreas Burmester, würgt Fragen gleich ab. „Ich würde mich nicht äußern wollen – das ist ein Riesenschlachtfeld“, begründet er seine Haltung. Auch der Geschäftsführende Vorstand der Wittelsbacher Landesstiftung, Burkhard von Urff, der im Kunst-Ministerium arbeitet, ist nicht erreichbar. Wartet er womöglich lieber das Gespräch Herzog Franz–Seehofer ab, oder fürchtet er Zielkonflikte zwischen Stiftung und Minister?

Man kann nur hoffen, dass die Gschaftlhuberei von manchen Politikern durch Sachargumente beruhigt wird. Die Sehnsüchte des Germanischen Nationalmuseums, in ihrer Sonderausstellung „Der frühe Dürer“ das „Selbstbildnis mit Pelzrock“ zeigen zu können, ist nur zu verständlich. Der Schutz des Bildes muss allerdings stets Vorrang haben. Wer möchte verantworten, wenn es Schaden nimmt? Der Künstler schrieb in Augenhöhe direkt auf die Malfläche „Albertus Durerus Noricus/ ipsum me propriis sic effin/ gebam coloribus aetatis/ anno XXVIII“. „Albrecht Dürer Nürnberg – so bildete ich mich nach mit unvergänglichen (eigenen) Farben im Alter von 28 Jahren“, teilt das Genie uns mit. Hat aber Unrecht: Farben sind empfindlich, insbesondere nach 512 Jahren. Und Dürer, der erste deutsche Maler, der gewissermaßen das Künstlerselbstbildnis erfand, wollte sich doch verewigen. Er präsentierte sich im Gewand eines Gelehrten, in exakter Frontalansicht, wie man sie von Christus-Darstellungen, vom „vera icon“/ wahren Abbild (man denke an das Schweißtuch der Veronika) her kennt. Albrecht Dürer, der im Vergleich zu Venedig nicht so gut auf Nürnberg zu sprechen war („Hie bin ich ein Herr, doheim ein Schmarotzer“), zeigte sich also in seinem Menschsein sehr selbstbewusst und zugleich tief religiös.

Von Simone Dattenberger

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