München - Die Jahresausstellung der Münchner Akademie der Künste lädt zu einem kurzweiligen, anregenden Bummel ein:

Kunst im Grünen: Die Klasse von Karin Kneffel zeigt ihre Gemälde in einem Raum mit Rollrasen. Foto: Felix Hörhager/ dpa
Von Alexander Altmann
Diesmal kann man die Kunst schon von weitem riechen: Wer das Treibhaus-warme Glasfoyer des Akademie-Neubaus betritt, dem schlägt deutlicher Brauerei-Duft entgegen. Und wenn man dann immer der Nase nach geht, steht man gleich vor dem „Bierbrunnen“ von Matthias Wurm. 112 gläserne Maßkrüge hat der Nachwuchskünstler zu einer Pyramide gestapelt, und über diese Krug-Kaskade fließt der Gerstensaft nach unten in ein Becken. Dass der dauernd sprudelnde Bierquell aber nicht zum Durstlöschen taugt, sondern nur abgestandenes Gebräu umwälzt, darin besteht der hinterhältige Witz dieser bayerischen Schlaraffenland-Paraphrase. Wurm gehört zu denjenigen Studenten, die schon mehrmals durch originelle Werke bei den Jahresausstellungen der Akademie der Bildenden Künste aufgefallen sind.
Überzeugender, weil „subtiler“ und radikaler zugleich wirkt da schon die Arbeit von Andreas Pfeiffer aus der Klasse Olaf Metzel (die überhaupt durch das hohe Niveau der gezeigten Werke auffällt). Ein Bodenrüttler, wie er von Straßenarbeitern benutzt wird, ist da so an die Wand montiert, dass er auf das Mauerwerk einhämmert. Zu oft wird man dieses Kunstwerk allerdings nicht in Aktion erleben können. Schließlich soll von dem denkmalgeschützten Akademie-Gebäude ja noch ein bisschen was übrigbleiben.
Eine gelungene, wunderbar mutige, aber eher „unpolitische“ Verbindung aus echtem Pathos und untergründiger Komik zeigt sich in der Installation, die Alberto Troia und Fudo Lang in der abgedunkelten Aula der Akademie aufgebaut haben: Von einer kleinen Säule aus werden zwei grüne Laserstrahlen auf die verkleinerte Gipskopie des „David“-Kopfes von Michelangelo gebeamt - und zwar genau auf die Augen, in denen Spiegel die Strahlen reflektieren, so dass sie durch den Raum an eine Wand leuchten.
Von diesem Science-Fiction-Klassizismus, der den Geist der guten alten Postmoderne in die Gegenwart überführt, ist es nicht weit zum sanft ironischen Spiel mit den Klischees zarter Mädchenblüte: Die Zwillingsschwestern Elisabeth und Constanze Stumpf haben im Gartenhaus der Akademie einen Doppel-Raum gebaut, dessen poetischer Titel „Geblüt“ sicher auch Martin Heideggers Herz höherschlagen hätte lassen: Da betritt man zuerst eine graue Stoffhöhle, wo Kunstblumen um eine Art Altarstein gestreut sind. Und aus diesem archaischen Mutterschoß der Blütenträume führt die Treppe zum Obergeschoss dann in ein ätherisches Wolkenkuckucksheim aus schwebenden weißen Plastikflocken.
Enttäuschend blass wirkt hingegen der gesamte Bereich der Malerei, obwohl dieses Medium derzeit doch wieder Konjunktur hat (Neo Rauch ist da nur die Spitze des Eisbergs). Immerhin bleibt von all den Maler-Ateliers im ersten Stock das der Klasse Karin Kneffel in deutlicher Erinnerung: Zur Jahresausstellung wurde es gänzlich mit echtem Rollrasen ausgelegt, so dass sich der Besucher wie auf einer Wiese fühlt, während er die Bilder betrachtet. Vielleicht sollten Museumsarchitekten dieses geniale Konzept, das Kunst und Natur kurzschließt, ja für künftige Projekte aufgreifen.
Bis 25. Juli; täglich 12-20 Uhr, Eintritt frei.



Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!
Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.
Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.
Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.