Zwischendurch war es nicht unbedingt abzusehen, dass Joe Cocker die 65 erreichen würde – nun ist zu hoffen, dass der beste weiße Soulsänger Englands noch ganz lange weitermacht.

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Joe Cocker.
Er zuckte, zappelte, stöhnte, schrie und sang sich die Seele aus dem Leib. Als Joe Cocker vor 40 Jahren beim Festival von Woodstock ein musikalisches Feuerwerk auf der Bühne abbrannte, waren die Massen von der Leidenschaft und der rauen Stimme des jungen Engländers mit den zotteligen Haaren und dem verschwitzen T-Shirt elektrisiert. Cocker wurde auf einen Schlag zum Weltstar. Es folgte ein Pop-Karriere, die wie kaum eine andere von Höhen und Tiefen, Hits, Rückschlägen und Alkoholproblemen gezeichnet war. Doch Cocker stand immer wieder auf und fand zurück in die Erfolgsspur. An diesem Mittwoch feiert der wohl beste weiße Soulsänger, den England je hervorbrachte, seinen 65. Geburtstag.
Dabei wäre aus Cocker beinahe ein Gasinstallateur geworden. Doch schon während seiner Berufsausbildung tingelte er mit Combos durch die Bars seiner Heimatstadt Sheffield und spielte Songs von Ray Charles, mit dessen Musik er groß geworden war. Schließlich gab er seinen Handwerksberuf auf und widmete sich ganz der Musik.
Und sein erster großer Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: Mit der Coverversion des Beatles-Liedes „With A Little Help From My Friends“ landete er 1968 in Deutschland auf Platz 3 und in Großbritannien auf Platz 1 der Hitparade. Es folgten Woodstock, der schnelle Erfolg, Ruhm und Geld. Und die Fans liebten Cockers ungelenke, steife und zuckende Auftritte, bei denen seine Hände die Musik abzubilden scheinen und seine Finger Riffs auf einer imaginären Luftgitarre spielen und Bass- oder Klavierläufe nachzubilden versuchen.
Mittlerweile ist Cocker seit Jahren trocken, seine unverwechselbare Stimme klingt aber immer noch, als sei sie von vielen Flaschen Whiskey geölt worden. Trotz seiner Alkohol-Eskapaden würde er rückblickend nichts ändern. „Man muss im Leben auch Erfahrungen machen. Manchmal habe ich mich zu viel aufgeregt und bin vom Kurs abgekommen“, sagte er einmal.
Eine wichtige Stütze ist seine Frau Pam. Cocker heiratete die Erzieherin 1987 und lebt mit ihr auf einer Ranch im US-Bundesstaat Colorado. „Sie gab mir die Stabilität, die ich nie hatte“, sagte Cocker. Fast im Zwei-Jahres-Rhythmus hat er seither neue Platten veröffentlicht. Und wenn er nicht gerade im Studio oder auf Tournee ist, verbringt er viel Zeit in der Natur, züchtet Tomaten und hält Schafe. Oder er genießt einfach die Ruhe, die er so lange nicht hatte. „Wir wohnen in der Wildnis. Ich kann meilenweit laufen, ohne jemanden zu sehen.“
Von Thomas Pfaffe



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