518.04.09|Kultur|3 Kommentare
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„Das ist ja alles nicht echt! Das ist ja alles nur nachgemacht!“ Solche Stimmen werden rund um die Tutanchamun-

© Marcus Schlaf
Ein Bild aus der Ausstellung.
Das Besondere daran: Sie präsentiert eine Fülle an Anschauungsgegenständen zur Epoche des Pharao, mehr als 1000 Exponate – doch kein Stück ist original, alles sind Repliken. Über deren Vor-
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Wir leben doch heute in einer virtuellen Welt, in der die Unterschiede zwischen Original und Kopie verwischen. Am Computer kann man sich dreidimensional durch jedes Museum zoomen. Man hat einen anderen Zugriff auf die Welt. Und um den Informationsanspruch eines stetig wachsenden Publikums abzudecken, sind Repliken notwendig.
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Nein. Die berühmte Totenmaske etwa war bei der Ausstellung 1980/81 im Münchner Haus der Kunst zum letzten Mal außerhalb Ägyptens zu sehen. Und 2008 haben wir beispielsweise in Wien einige Originale gezeigt. Aber das bedient die Ägyptomanie der Menschen nicht ausreichend. Außerdem kann man so immer nur einen kleinen Ausschnitt zeigen und nie die vollständige Zusammensetzung des Grabschatzes. Dieser bestand aus 5700 Objekten, und mit den Originalen könnte man nie ein Bild seiner Gesamtheit vermitteln.
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Genau. Sie soll die Fülle des Schatzes offenbaren und darüber informieren, was man daraus über das Leben in Tutanchamuns Ägypten lernen kann. Das geschieht seriös: Die Exponate sind originalgetreue 1:1-
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2007 kam es zum Skandal: Das Hamburger Völkerkundemuseum zeigte chinesische Terrakotta-
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Die Frage ist: Wie bin ich angerührt? Natürlich ist es ein anderes Erlebnis, wenn man ein Original sieht und dabei Empfindungen mitschwingen, als wenn man zum Beispiel nur das Foto eines Originals betrachtet. Aber für die Bildung spielt die Emotion keine Rolle, der informative Zweck ist auch so erfüllt. Und wenn ich als Laie nicht mal wirklich erkenne, ob ich vor einer Kopie stehe – kann diese dann am Ende nicht genauso wirken wie das Original?
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Sie ist als Einführung zu verstehen, sie soll neugierig machen auf das alte Ägypten und darauf, sich mal die Originale anzuschauen – in Museen, in Kairo oder an der Grabstätte im Tal der Könige. Aber auch dort gilt: Der Tourismus nimmt zu, und man kann nicht mit 50 Leuten in die Gräber, das verkraften diese wegen der Atemluft der Besucher nicht. Viele Gräber, wie das von Ramses II., sind schon nicht mehr zugänglich.
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Ein Beispiel zeigt, dass es funktionieren kann: die Kopie der Höhle von Altamira in Spanien. Vor zehn Jahren wurde sie gebaut, 500 Meter vom Original entfernt, mit all den beeindruckenden Höhlenmalereien – und die Leute stauen sich dort. Übrigens ist die Kopien-
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Nein. Die Repliken-
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Erstens ist es eine fremde, zeitlich wie räumlich weit entfernte Kultur. Zweitens ist sie sehr verständlich, sehr anschaulich, es ist viel menschlich Anrührendes darin zu finden – zu Sozialethik, Familie, Wertebewusstsein, mit dem auch wir uns identifizieren können oder das wir schön finden. Die Kultur ist geheimnisvoll und zugleich von Lebenslust und dem Diesseits geprägt. Wie es uns auch die Grabbeigaben zeigen: Die Ägypter liebten das Leben so sehr, dass sie es ins Jenseits fortführen wollten.
Das Gespräch führte Christine Ulrich

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