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Konzert-Kritik: Bob Dylan in München

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1305.04.09|Kultur|Kultur|3
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Artikel: Konzert-Kritik: Bob Dylan in München

München - Bob Dylan zerstört im Münchner „Zenith“ wie gewohnt sein legendäres Werk, und die Fans freuen sich daran. Die Kritik.  

Legende: Bob Dylan.

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Legende: Bob Dylan.

Würde man sich von diesem Mann das Auto abwracken lassen? Na klar doch. Bob Dylan sieht immer mehr aus wie ein mexikanischer Schrotthändler – und die Musiker, die ihn in der ausverkauften Münchner „Zenith“-Halle begleiten, wirken wie ein Haufen Erfüllungsgehilfen mit Hang zur Kleinkriminalität: Wie ihr Chef trägt die verschrobene Kapelle zumeist breitkrempige, flache Hüte und Caballero-Frackerl.

Die sechs vom Schrottplatz, tatsächlich ein stimmiges Bild. Hat man doch den Eindruck als wolle Dylan seit Jahren bei Live-Shows das eigene, denkmalgeschützte Werk zerlegen, um so einen Mehrwert aus den alten Teilen abzuschöpfen. Dylan live, das bedeutet für den Kenner heiteres Stücke-Raten und für Neulinge nicht selten völliges Unverständnis: Wie kann der bedeutendste Künstler der Popmusik seine Songs derart unkenntlich machen, indem er Struktur und Melodien wie ein Free-Jazzer zerhackt, sie mutwillig „zersingt“? Noch vor 20 Jahren intonierte er relativ eingängig, doch heute klingt seine Stimme je nach Sichtweise „wie ein Kojote im Stacheldraht“ (Dylan-Biograf Anthony Scaduto), wie ein blökendes Schaf oder wie ein rostiger Ziehbrunnen, der nur noch gurgelnd Luft fördert.

Um keinen Preis Nostalgie aufkommen lassen – für diese Devise muss man Dylan Respekt zollen, auch wenn man ihn nicht dafür liebt. In den 60ern vergraulte er die in ihn verliebte Folk-Bewegung mit Rockmusik. Später trug er auf Tour Schminke, um Distanz zu schaffen. Und heute nölt er eben nur noch näselnd und vollführt Oktavsprünge, die bisweilen schon arg an den Nerven zerren. Es ist ein Hase-und-Igel-Spiel. Je höher das Podest, auf das Dylan gehoben wird, desto mehr scheint er sich aus dem Rampenlicht stehlen zu wollen. Im Eröffnungs-Stück „Maggie’s Farm“ singt er genau davon: „Ain’t gonna work on Maggie’s Farm no more“. Dass er sich seit ewigen Zeiten als einfacher „Columbia Recording Artist“ ankündigen lässt, ist man gewohnt. Früher hieß sein Standardsatz zudem „I’m just a guitar player“. Seit seiner letzten Tour lässt Dylan nun sogar die Gitarre im Bus und versteckt sich ganz rechts hinterm E-Piano – bis auf eine Ausnahme, den Song „You Ain’t Goin’ Nowhere“, bei dem er keck mit dem Spielbein schlackernd in der Bühnenmitte performt. Freilich, ohne je mit seinen Fans zu kommunizieren. Die Botschaft: Begafft mich nicht, als wäre ich schon tot! Ich bin keine „Legende“, ich bin nur der Typ ganz rechts.

Und ist das jetzt doof? Keineswegs. Hat man sich mal darauf eingelassen, freut man sich daran. Die Band bestreitet das ausgezeichnete Programm mit zurückgenommenem, doch druckvoll-rockigem Schrottpressen-Sound, der der lausigen „Zenith“- Akustik trotzt, solange er laut ist (die akustischen Stücke saufen etwas ab). Solo-Allüren gibt’s wenige: Denny Freeman lässt seine Gitarre bei „Tweedle Dee & Tweedle Dum“ mal von der Leine und Kollege Stu Kimball veredelt „Thunder On The Mountain“ – den tollsten Song des Abends – mit exquisiten Licks aus seiner Westernklampfe. Die letzte Zugabe, „Blowing In The Wind“, bekommt eine neue Las-Vegas-Show-Karosserie, die ihr ausgezeichnet steht. Und der Abwracker? Steht ganz rechts und raspelt sich durch seine Klassiker. Zwei mal immerhin, bei „Just Like A Woman“ und „Like A Rolling Stone“, gibt er seinem begeisterten Publikum die Chance, aus vollem Hals mitzusingen – und brat mir doch einer einen Storch, wenn man ihn dabei nicht für einen kurzen Moment lächeln sieht.

Von Johannes Löhr

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