Mehr als 50 Jahre nach der „Sissi“-Trilogie, die Romy Schneider zum Kinostar machte, produziert das Fernsehen einen Zweiteiler über das Leben der österreichischen Kaiserin Elisabeth.

© dpa
Die Schauspieler Cristiana Capotondi als Sisi und David Rott als junger Kaiser Franz Joseph posieren in Wien bei den Dreharbeiten zum Hisorienzweiteiler "Sisi".
Schon der (Arbeits-)Titel der internationalen Koproduktion von ZDF, ORF und der italienischen RAI ist Programm: Denn mit seiner „Sisi“ – mit nur einem „s“ – will sich Regisseur Xaver Schwarzenberger deutlich vom populären Filmklassiker absetzen. „Gegen Romy Schneider anzukämpfen, ist eine mühsame Angelegenheit“, gestand der Wiener gestern vor dem Drehbeginn in der Wiener Hofburg. Seine „Sisi“, die voraussichtlich über Weihnachten ausgestrahlt wird, soll „ganz anders“ werden.
Er nennt die TV-Fassung abwechselnd „eine realistische Romanze“ und „ein romantisches Drama“. Bei ihm wird die oft unglückliche Elisabeth zu einer emanzipierten Frau, „die versucht, sich aufzulehnen, sich durchzusetzen“. Damit steht sie eindeutig näher am historischen Vorbild. Doch natürlich sollen auch die „großen Gefühle“ nicht zu kurz kommen. Die Produzenten versprechen prunkvolle Schlösser, goldene Kutschen und viel Emotion. „Ja natürlich, dies soll ein Feel-Good-Movie werden“, heißt es. Weniger präsentable Details, wie etwa Elisabeths Magersucht, will man nicht erwähnen.
Selbstverständlich kämpft auch Schwarzenberger gegen das übermächtige Vorbild der drei Sissi-Filme, die weltweit in 125 Länder verkauft wurden und 28 Millionen Menschen in deutschsprachige Kinos lockten. Deshalb will man bei der Neuverfilmung bewusst andere Wege einschlagen. Zum Beispiel mit der neuen „Sisi“.
Die 28-jährige blonde Italienerin Cristiana Capotondi, die außerhalb ihres Landes bisher wenig bekannt ist, hat durchaus Ähnlichkeit mit der jungen Romy Schneider, will aber schauspielerisch „bewusst einen anderen Zugang zur Rolle“ suchen: „Wir behandeln auch die politische und intellektuelle Seite dieser historischen Frauenfigur.“ Schon als Kind habe sie die Sissi-Filme gesehen. „Ich hab’ mich selbst wie Sissi gefühlt.“ Zur Vorbereitung habe sie „sechs oder sieben verschiedene Biografien Elisabeths“ gelesen, sagt sie.
Für Capotondi, die aus 15 Kandidatinnen für die Hauptrolle ausgesucht wurde, war Kaiserin Elisabeth eine emanzipierte und sozial engagierte Frau, die „so viel für ihr Land getan hat“. Capotondi steht mit dem in Wien ausgebildeten Deutschen David Rott ein junger Kaiser Franz Joseph zur Seite, der im Vergleich zu seinem Vorgänger Karlheinz Böhm ebenfalls ein Kontrastprogramm bietet. Die übrige prominente Besetzung ist eine Mischung aus deutschen, österreichischen und italienischen Schauspielern, darunter Martina Gedeck als Sisis „böse“ Schwiegermutter Erzherzogin Sophie.
Auch das Drehbuch ist diesmal eine Gemeinschaftsproduktion. Schwarzenberger spricht von einer „Produktion der Superlative“. Die Kosten liegen mit elf Millionen Euro im Spitzenfeld für TV-Produktionen des ZDF. 2000 Komparsen werden eingesetzt, Originalschauplätze müssen „filmreif“ gemacht, zwei Dutzend Kutschen mit 100 Pferden ausgestattet werden. Zum Einsatz kommt auch die vier Tonnen schwere goldene Hochzeits-Karosse von Elisabeth und Franz Joseph. 700 Kostüme wurden für den Zweiteiler geschneidert, davon allein 40 für Capotondi.
Die Dreharbeiten in drei Ländern dauern voraussichtlich zwölf Wochen. Gedreht wird an Originalschauplätzen in Österreich, Italien und Ungarn. Anders als bei der Trilogie wird sich der TV-Film zunächst bewusst auf die Zeit von Elisabeths Jugend bis zur ihrer Krönung als apostolische Königin von Ungarn 1867 im Alter von 29 Jahren beschränken. Dies sei wohl „der erfolgreichste Moment im Leben Elisabeths“ gewesen, so Schwarzenberger. Und auf die Frage, ob die zeitliche Begrenzung des Zweiteilers ein Hinweis auf weitere Sisi-Folgen ist, lächelt er nur. Daran wolle er jetzt gar nicht denken, sagt er. Und die künftige Sisi lacht: „Immerhin könnte ich die Sisi ja spielen, bis ich über 60 bin!“
Von Christian Fürst
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