München - Das Münchner Volkstheater kann ein Karrieresprungbrett sein. Am Mittwoch feiert Friedrich Mücke als Hamlet Premiere.

© Haag
Maximilian Brückner
Brigitte Hobmeier war die Erste: Am Münchner Volkstheater entpuppte sich eine gestrenge Geierwally, eine bezaubernd komische Viola, eine hoch erotische Lulu als eine große Charakterdarstellerin, die inzwischen an den Münchner Kammerspielen gefeiert wird. Kurze Zeit später bekam der „Brandner Kasper“ in Maximilian Brückner einen grandiosen Boandlkramer, der sich zuvor schon als „Räuber“-Hauptmann (Schiller) hervorgetan hatte und inzwischen zum Saarbrücker „Tatort“-Kommissar befördert wurde.
Und es sieht momentan ganz danach aus, als ginge es so weiter, als sei das Theater an der Brienner Straße, das Christian Stückl seit 2002 leitet, ein immerwährender Talentschuppen, ein Profilierungsparadies für Jungschauspieler, ein Karrieresprungbrett. Man muss sich nur einmal die Besetzungslisten aktueller deutscher Filme vornehmen: Kürzlich sah man Gabriel Raab in der Fernsehproduktion „Totentanz“. Im Januar besteigt Andreas Tobias den Nanga Parbat in Joseph Vilsmaiers gleichnamigem Film, an seiner Seite in der Hauptrolle übrigens Florian Stetter, der seine ersten großen Rollen vor Jahren am Volkstheater spielte.
Ebenfalls im Januar startet der Film „Friendship!“, der für Friedrich Mücke, ab morgen der neue Münchner Hamlet, auch im echten Leben der Beginn einer Freundschaft mit Matthias Schweighöfer war. Und dass der von unglaublicher Bühnenpräsenz beseelte Nico Holonics schnell wegengagiert werden könnte, macht nicht nur den Fans seines „Richard III.“ Sorgen.
Erstaunlich allerdings, wie das relativ kleine Volkstheater, das wegen seines Budgets auf junge Schauspieler setzen und sie stark einspannen muss, ihnen diese Chancen immer wieder gewähren kann. „Das Haus ist so flexibel wie unser Chef“, sagt Mücke. „Alles ist möglich, wenn auch nicht unbedingt ein Zuckerschlecken.“ Auch der ältere Kollege Silberschneider beschreibt das Volkstheater, mit dem Blick von außen, als „tolle Plattform“ – „Hier kann man wie ein Arzt sein praktisches Jahr machen, Erfahrungen in allen Bereichen sammeln. Und das unter den erschwerten Raumbedingungen dieser Turnhalle. Da droht nämlich immer die Gefahr des Rampensaugehabes.“ Den Bühnendauereinsatz empfindet er jedoch als „Privileg der Jugend“, das sei eher etwas für diesen „super-energetischen Haufen“.
Denn am Volkstheater wird jeder ständig gebraucht. Umso schwieriger die Entscheidung, wenn sich plötzlich die Filmanfragen häufen wie bei Mücke. Gerade war er von einem Dreh aus Bolivien zurück, da kam das Angebot zu „Friendship!“ in den USA, und er traute sich erst gar nicht, beim Volkstheater zu fragen. Beim Casting lernte er Schweighöfer kennen, der nur einen Tag älter ist als Mücke. Spaßeshalber habe man sich gesiezt, allerdings nicht mehr beim gemeinsamen „Eingrooven“ in den USA. Und als plötzlich Tom Cruise den neben Mücke im Auto sitzenden Schweighöfer anrief, war Hollywood plötzlich ganz nah... . Noch näher ist Mücke momentan jedoch Helsingör, wenn er als Hamlet in Christian Stückls Inszenierung die berühmteste Sinnfrage überhaupt stellt, „Sein oder nicht sein“.
Keine Frage hingegen scheint zu sein, dass das Volkstheater im Gegensatz zum faulen Staat Dänemark ein fruchtbarer Boden für aufstrebende Schauspielpflänzchen ist. Wo übrigens in Pressesprecher Frederik Mayet auch einer der beiden Oberammergauer Jesus-Darsteller entdeckt wurde. „Hamlet“-Premiere an diesem Donnerstag, 19.30 Uhr, im Münchner Volkstheater; Tel.: 089/ 523 46 55. „Friendship!“ startet am 14. Januar in den Kinos.
Christine Diller



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