München - Günter Krämers Inszenierung von Verdis „La Traviata“ kehrte ins Nationaltheater zurück

© Hösl
Wurde freundlich im Münchner Nationaltheater begrüßt: Marina Poplavskaya als Violetta.
In Günter Krämers 19 Jahre alter Inszenierung von Verdis „La Traviata“ an der Bayerischen Staatsoper tummelten sich am Dienstag einige Neulinge. Unter ihnen als ältester Rückkehrer nach rund 20 Jahren: Der 70-jährige Leo Nucci, der als Giorgio Germont viel Aufmerksamkeit auf sich zog. Als zunächst knorriger, zunehmend empfindsamer und liebevoller Alter erfüllte er die Bühne nicht zuletzt mit den Sängertugenden der alten Schule. Ausdruck, Linie, Intonation und Klarheit seines Baritons verliehen dem Vater Profil und Persönlichkeit.
Auch Marina Poplavskaya als Titelheldin wurde mit freundlichem Applaus bedacht, obwohl sie mit legendären (Edita Gruberova) wie aktuellen (Anja Harteros) Vorgängerinnen nicht mithalten konnte. Darstellerisch gelang ihr durchaus der Wandel von der glamourösen, an eine Filmdiva erinnernde Kurtisane zur ehrlich Liebenden, die zum Verzicht bereit ist. Doch ihr großer Sopran erfüllte Verdis Ansprüche nur bedingt. Linie und Phrasierung bereiteten der Sängerin Mühe und auch die Höhe erreichte sie oft nur mit Kraft. Ungenauigkeiten in Intonation und Tongebung trübten ebenfalls den Genuss.
Weit bessere Karten für seinen ersten Auftritt an der Staatsoper zog Henrik Nánási aus dem Ärmel. Vor Jahren hatte er als junger Kapellmeister am Gärtnerplatz reüssiert. Jetzt entlockte er dem Staatsorchester schmeichelnde Momente, setzte der Zartheit des schwebenden Streicherbeginns federnde Rhythmik, pulsierende Unruhe oder ein opulentes Forte in den Ensembleszenen entgegen und begleitete die Protagonisten mit Gespür.
Gabriele Luster



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