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Poetisch, skurril und urkomisch

Poetisch, skurril und urkomisch

München - „Bilder einer Ausstellung“ im GOP

Mit viel Erotik: Travestiekünstler Tomasz im Münchner GOP-Theater. Foto: Alexander Dacos

Mit viel Erotik: Travestiekünstler Tomasz im Münchner GOP-Theater. Foto: Alexander Dacos

von jörg heinrich

Münchens vielleicht unterhaltsamste Ausstellung des Jahres findet nicht im Museum statt - sondern im Varieté. Mit „Bilder einer Ausstellung“ präsentiert das GOP am Max-II-Denkmal das wunderbarste Programm seit seinem München-Start im Jahr 2008. Motto: Modest Mussorgsky und ein Mordsspaß. Wer sich vom Titel nicht abschrecken lässt, der bedrohlich an die Prog-Rock-Version von Emerson, Lake & Palmer und an quälend lange Stunden im Musikunterricht mit dem „Großen Tor von Kiew“ erinnert, wird mit einer ebenso urkomischen wie skurrilen und poetischen Show belohnt.

Regisseur Karl-Heinz Helmschrot, der als wunderlicher Museumsdirektor auch durch den Abend führt, hat für jedes einzelne der von Mussorgsky vertonten Victor-Hartmann-Gemälde eine varietéreife Umsetzung gefunden - gegenüber einer konventionellen Nummern-Revue ein kühner Plan, der aber restlos aufgeht. Ins „Alte Schloss“ zieht dank Sängerin Bianca Preché, deren varian-tenreiche Stimme an Kate Bush erinnert, junges Leben und ambitionierter Pop mit Beatbox-Elementen ein. Auf dem „Marktplatz von Limoges“ amüsiert „Bierbauchtänzer“ Tomasz mit viel erotischer Schwungmasse. Und beim „Ballett der Küklein“ rehabilitiert die anmutige Lea Hinz im dottergelben Kostüm im Alleingang den angeschlagenen Ruf der eierverarbeitenden Industrie.

Jede Nummer sitzt - und dennoch stehen alle Akteure im Schatten des französischen Clowns Boris Arquier, der als „Monsieur Gobelin“ eine wahre Sensations-Show abliefert. Gleich dreimal tritt er in seinem „Magischen Raum“ auf - aus dem eine Kamera jede seiner Bewegungen um 90 Grad versetzt auf die Bühne überträgt. Horizontal wird zu vertikal, Boris liegt und steht gleichzeitig - bei dieser aberwitzigen Nummer spinnen alle Sinne!

Heftiger Applaus für Monsieur Gobelin, für Regisseur Helmschrot und fürs GOP für dieses mutige Programm. Diese Ausstellung sollten Sie nicht verpassen!

Weitere Vorstellungen

bis 6. März;

Telefon 089/ 210 288 444.

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