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Stellungskrieg im Vorgarten

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Stellungskrieg im Vorgarten

Über alle Zweifel längst erhaben: Hollywood-Legende Clint Eastwood gibt den Fremdenfeind

Der erste Lack ist noch lange nicht ab: Clint Eastwood als ehemaliger Korea-Kämpfer Walt Kowalski.

© dpa

Der erste Lack ist noch lange nicht ab: Clint Eastwood als ehemaliger Korea-Kämpfer Walt Kowalski.

Ein Knurren sagt mehr als tausend Worte. Wenn solch ein tiefer, gutturaler Laut aus seiner Kehle kommt, ist höchste Vorsicht geboten bei Walt Kowalski. Missmutig und leicht reizbar ist der alte Mann. Unfreundlich verbellt er die eigenen Söhne auf der Trauerfeier seiner verstorbenen Frau. Ähnlich übellaunig geriert er sich im Kreise der Nachbarschaft.

Lesen Sie auch das Interview mit Clint Eastwood:

 

"Ich muss keine Rücksicht mehr nehmen"

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Die hat sich sichtlich verändert in den letzten Jahren. Die weiße Mittelschicht hat das Weite gesucht, stattdessen kamen die Latinos, die Schwarzen und die Asiaten. Nur Walt hält noch die Stellung, und der ehemalige Korea-Krieger versieht diese Aufgabe mit einer Grimmigkeit, die jede Freundlichkeit seiner Nachbarn auslöscht. Mit dem Armee-Gewehr im Anschlag verteidigt der Einzelgänger schmallippig sein gepflegtes Territorium. Die zaghaften Annäherungsversuche der Vietnamesen von nebenan übersieht er, bis er unfreiwillig in deren Schwierigkeiten hineingezogen wird. Er vertreibt eine Jugendgang, die den Nachbarsjungen Thao (Bee Vang) und seine Schwester terrorisiert – und wird durch sein beherztes Eingreifen zum Helden des Viertels.

Der erste Lack ist noch lange nicht ab bei Hollywoods Erfolgsregisseur Clint Eastwood. Was in den Händen anderer Filmemacher schnell arg missionarisch und betulich hätte werden können, gerät in Eastwoods umsichtiger und entspannter Inszenierung zum allgemein gültigen Drama über die Annäherung von Generationen und Kulturen. Der Koreakriegs-Veteran und Rassist Walt Kowalski, der sein Missfallen über die Trauerkleidung seiner Enkeltochter ebenso unverblümt äußert wie jenes über die Ausländer, weist Parallelen zum maulfaulen Zyniker Dirty Harry oder ähnlichen Eastwood-Charakteren wie dem alternden Revolverhelden Bill Munny in „Erbarmungslos“ auf. Vom Leben bereits ein wenig aus der Kurve getragen, verkniffen, verbittert und einsam.

Ohne Rücksicht auf Verluste sagen Eastwoods Helden ihre Meinung. Das kommt in „Gran Torino“ mitunter etwas schlicht, aber immer sehr einleuchtend daher. Den Mut, sich als Ausländerfeind zu stilisieren, hätte außer dem über alle Zweifel längst erhabenen Eastwood vermutlich kein Kollege aufgebracht. Trotzdem sind gerade diese fremdenfeindlichen Schimpftiraden besonders geschickt in die Handlung integriert. Seinen italienischen Friseur belegt Walt nämlich mit ähnlichen Vokabeln wie den jungen Thao. Doch hier ist es nicht despektierlich sondern freundschaftlich-raubeinig gemeint.

Durch solche Kunstgriffe erhält die Figur des unfreundlichen alten Mannes eine gewisse Komplexität. Und wenn Walt und Thao andächtig nebeneinander vor dem blank gewienerten Ford Gran Torino in der Garage stehen, klingt Walts herablassender Spitzname für den Jungen so sanft wie ein Kosewort. (In München: Mathäser, Cinemaxx, Münchner Freiheit, Sendlinger Tor, Atlantis OV, Cinema OV.)

von Ulrike Frick

„Gran Torino“


mit Clint Eastwood, Cory Hardrict
Regie: Clint Eastwood
Sehenswert ****

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