025.08.09|Kultur|Kultur|
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München - Am 1. September beginnt in München das Fantasy Filmfest – in Zeiten der Wirtschaftskrise sind Kino-Albträume verstärkt sozialdarwinistisch.

© Verleih
Regisseur John Woo wurde mit Hollywood-Filmen wie „Face/Off“, „Mission: Impossible II“ und „Windtalkers“ bekannt. Beim Fantasy Filmfest läuft seine neue Arbeit „Red Cliff“.
Ja aber denkt denn niemand an die Kinder? Doch, doch, das ist ja das Problem! Wohl noch nie waren die lieben Kleinen bei Deutschlands beliebtestem Ab-18-Festival so stark repräsentiert: vom mörderischen Neugeborenen („Grace“) übers diabolische Waisenmädel („Orphan“) bis zum amoklaufenden Teenager („Polytechnique“). Es ist fast wie zu Hochzeiten von „Rosemarys Baby“, „Omen“, „Exorzist“. Was passt: Wenn der eigentliche Inbegriff von Unschuld und Zukunftshoffnung zum Schreckensbild wird, drohen meist große Umwälzungen.
Was freilich nicht heißen soll, es gäbe keine Monster mehr: Blutsaugern und Untoten gehen die Variationen nicht aus. „Wasting Away“ zeigt die Zombieinvasion komödiantisch aus Sicht der wandelnden Toten. Und der zuverlässig überraschende Park Chan-wook („Oldboy“) bringt mit „Thirst“ einen Vampirfilm, wie man ihn doch noch nicht gesehen hat – ein prima katholisch-perverses Gegengift auch zum keuschen, mormonischen Teenie-Schmonz der „Twilight“-Serie.
Was das Fantasy Filmfest aber vor allem krisenresistent machen dürfte, sind nicht die Trends, sondern die Vielfalt: Hier kann man intelligente Science Fiction genießen – modern in Form von „District 9“, der grade in den US-Kinos für Furore sorgt, oder als wunderbares Kammerspiel im klassischen Siebzigerjahre-SF-Stil bei „Moon“ (von David Bowies Sprössling Duncan Jones). Man erhält eine der wenigen Gelegenheiten hierzulande, die Rückkehr des Großmeisters John Woo nach China mit dem langerwarteten Epos „Red Cliff“ auf großer Leinwand zu sehen.
Und nach Schrecken, Bangen, Actionatemlosigkeit, wird man mit einem befreienden Lachen entlassen: Zum Abschluss gibt’s den göttlichen Jean Dujardin in der Fortsetzung der französischen James-Bond-Parodie „OSS 117“ – eine der Fantasy Filmfest-Entdeckungen zuletzt, von der man noch seinen Kindern erzählen wird.
Von Tobias Willmann

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