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Veronica Ferres spielt die Hauptrolle in dem ARD-Fernsehfilm „Sie hat es verdient“

Veronika Ferres in Hauptrolle bei TV-Drama um Jugendgewalt 

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Artikel: Veronika Ferres in Hauptrolle bei TV-Drama um Jugendgewalt 

Veronica Ferres spielt die Hauptrolle in dem ARD-Fernsehfilm „Sie hat es verdient“ über Jugendgewalt.

© dpa

Veronica Ferres.

Es ist ein brisantes und hochaktuelles Thema. Immer wieder sorgen jugendliche Gewalttäter wie die S-Bahn-Schläger von München für Schlagzeilen. Dennoch hatten es Schauspielerin Veronica Ferres und Regisseur Thomas Stiller nicht leicht, ihre Filmidee zum Thema Jugendgewalt zu realisieren. Ein Mädchen, das eine Mitschülerin zu Tode quält – viele Sender hätten den schwierigen Stoff abgelehnt, bis endlich die ARD grünes Licht gab, erklärten die beiden jetzt bei der Vorstellung des Projektes in Berlin.

Unter dem Titel „Sie hat es verdient“ soll das Drama um Jugendgewalt, das derzeit in der Hauptstadt gedreht wird, nächstes Jahr im Ersten laufen. „Es ist kein einfacher Stoff, der Film wird den Zuschauer enorm fordern“, kündigte Ferres, die zugleich Hauptdarstellerin und Koproduzentin ist, am Rande der Dreharbeiten an. Die Story, die nicht auf einem realen Fall basiert, geht dem gesamten Team an die Nieren. „Das zieht einen schon runter“, räumte Ferres ein.

Die 44-Jährige, die auf leidende Mutterfiguren abonniert scheint („Neger, Neger, Schornsteinfeger!“, „Die Frau vom Checkpoint Charlie“) spielt in dem Drama die Mutter der unbeschwerten Susanne (Saskia Schindler), die für ihre ruppige Mitschülerin Linda (Liv Lisa Fries) eine wandelnde Provokation ist. Eines Tages sieht Linda, die seit Jahren von ihrem Vater (Oliver Mommsen) missbraucht wird, rot. Gemeinsam mit Freunden entführt sie Susanne und quält das verängstigte Mädchen langsam zu Tode.

Ein harter Stoff für einen Film, der um 20.15 Uhr im Ersten laufen soll. Der prominente Sendeplatz sichert dem ursprünglich fürs Kino angedachten Drama zwar ein Millionenpublikum, er wird durch die Gewaltszenen aber aber auch zu einer Gratwanderung: „Bei diesen Szenen gibt es beim Sender eine Befangenheit, ob es für die Zuschauer zu anstrengend, zu erschreckend ist“, sagte Produzentin Gesa Tönnesen.

In „Sie hat es verdient“ besucht die von Veronica Ferres gespielte verzweifelte Nora Wagner (ihren Filmehemann Hendrik spielt Martin Feifel) die Mörderin ihrer Tochter im Gefängnis, weil sie Antworten auf die Frage nach dem Warum haben will. Eine Frage, die auch Regisseur Thomas Stiller („Zwölf Winter“) umtreibt. „Wann lässt der Mensch das Tier in sich raus? Im Grunde haben wir alle die Anlage dazu. Gewalt schlummert in jedem“, glaubt der 48-Jährige. Die Tatsache, dass viele Sender sein Drehbuch abgelehnt hätten, bestätige ihm, dass er einen wunden Punkt getroffen habe.

„Es gibt keine einfachen Erklärungsmuster“, betonte auch Veronica Ferres – wenn nach Amokläufen an Schulen oder anderen Ausbrüchen von Jugendgewalt der Ruf nach einem Verbot brutaler Computerspiele laut werde, greife dies zu kurz. Die Schauspielerin engagiert sich seit Jahren für „Power Child“, einen Verein zur Prävention sexuellen Missbrauchs von Kindern. Dabei gewann sie Einblicke, die ihr nun bei ihrer Rolle helfen: „Durch die jahrelange Arbeit für ,Power Child‘ habe ich schon oft mit Familien zu tun gehabt, in denen Missbrauch, Verwahrlosung und Gewalt an Babys bis hin zu Teenagern Alltag ist. Weil ich mich im privaten Bereich engagiere, musste ich für den Film nicht eigens in ein Jugendgefängnis gehen und dort Jungen und Mädchen interviewen.“

Um den Zuschauer zum Nachdenken zu zwingen, sind neben der fast dokumentarischen Inszenierung mit Handkamera weitere Stolpersteine in den Film eingebaut – das betrifft nicht zuletzt die Besetzung. So entspricht die süße Berliner Schülerin Liv Lisa Fries (19) nicht im Mindesten dem Klischee von der verrohten Gettogöre aus prekären Verhältnissen. Und ausgerechnet der nette „Tatort“-Star Oliver Mommsen spielt den Vater, der seine Tochter missbraucht – ein in den Augen des Schauspielers sehr sinnvoller Kunstgriff. „Der Kinderschänder kann doch auch als Musterschwiegersohn rüberkommen“, erklärte Mommsen: „Wenn der nachts heimlich zu seiner Tochter ins Bett kriecht, ist es doch noch ekelerregender.“

Das Filmteam könnte ewig über den Film mit seinem brisanten Sujet reden – doch keiner brachte das Anliegen des Projekts bei so schlicht und präzise auf den Punkt wie die 19-jährige Sina Tkotsch, die ein Mitglied der mörderischen Schülerclique spielt: „Hey Leute, macht mal die Augen auf, schaut nicht weg.“

Cornelia Wystrichowski

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