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Ich will bayerische Stoffe

Ich will bayerische Stoffe

- Der Bayerische Hiasl, ein echter Räuberhauptmann, wurde 1771 noch erdrosselt, gerädert und gevierteilt. Mathias Kneißl "bloß" guillotiniert. 1902 hatte der Prinzregent Luitpold das Gnadengesuch abgelehnt, obwohl Kneißl, 1875 in Unterweikertshofen bei Dachau geboren, keine Tötungsabsicht nachzuweisen war. Münchens Volkstheater-Prinzipal Christian Stückl bringt jetzt nach den Schiller'schen "Räubern" diesen bayerischen Gauner auf die Bühne.

<P>Das Stück haben er und das Ensemble erarbeitet. Maximilian Brückner spielt in "Räuber Kneißl" die Titelfigur. Wieder mit dabei im Bühnen-Team die Jungen Riederinger Musikanten. Premiere ist morgen Abend.<BR><BR>Warum haben Sie als Intendant und Regisseur es sich auch noch angetan, ein Stück zu entwickeln?<BR><BR>Stückl: Schon im letzten Sommer, bei der "Geierwally", hatten wir die Idee, wieder einen bayerischen Stoff anzupacken. Thoma oder Ganghofer - wie damit umgehen? Da ist mir das Drehbuch Amerika-Blues von Martin Sperr zum Kneißl in die Hand gekommen. Aber ein Drehbuch ist eben kein Drama. Der Sperr ist unsere Grundlage, in Absprache mit dem Verlag, den Rest haben wir dazugebaut.<BR><BR>Am Volkstheater war schon einmal der Kneißl aktiv - in Wolfgang Maria Bauers "Der Schatten eines Fluges".<BR><BR>Stückl: Der Wolfi war, glaub' ich, ganz stark von Koltès' "Roberto Zucco" beeinflusst, hat den Text auf ganz wenige Personen begrenzt. Und die Münchner haben das Stück auch gar nicht recht als Kneißl-Geschichte wahrgenommen. Ich wollte mehr Figuren, um auch die Riederinger einbinden zu können.<BR><BR>Wo setzt Ihr Stück Schwerpunkte?<BR><BR>Stückl: Sperr hat bestimmte Episoden in der Kneißl-Biografie nur angerissen. Es gab keinen echten Gegenspieler, aber den braucht man auf der Bühne einfach. Wir haben den historischen Baron Schätzler - Grundbesitzer als Kontrast zu den Armen - zum Gegenspieler gemacht. Die Liebesgeschichte wurde natürlich auch ausgeweitet. <BR><BR>Erzählen Sie in Ihrem Projekt mehr die Lebensgeschichte von Kneißl, von diesem armen Hund, oder eher, wie die Figur ausgeschlachtet beziehungsweise stilisiert wurde?<BR><BR>Stückl: Wir wollen eigentlich alles erzählen, nicht nur vom Bösewicht. Kneißls Ausraster, wie er sich stilisiert hat, wie er von der Bevölkerung hochgejubelt wurde. Beim Woyzeck interessiert einen ja auch nicht nur der arme Militär-Bader. Ich will eine ganze Figur erzählen; nicht nur wie er durch die sozialen Umstände zum Verbrecher wurde, sondern auch wie er sich selber 'neireitet.<BR><BR>Nach Schillers "Räubern" wieder ein Gangster aus der alten Zeit. Warum nicht ein jugendlicher Gewalttäter aus dem Jahr 2003? <BR><BR>Stückl: Ich will ein Gegengewicht zum Komödienstadl und eine Kontinuität mit bayrischen Stoffen schaffen. Diese Sparte wird weder von den Kammerspielen noch vom Staatsschauspiel bedient. Außerdem: Wir wollten ein Mehmet-Projekt machen - aber Baumbauer war schneller. Ich möchte unbedingt die junge Blasmusik dabei haben. Wo bindest du die an ein heutiges Stück an; dazu würde eine andere Musik gehören. Ich habe also ganz bewusst ein Umfeld wie bei der "Geierwally" gewählt.<BR><BR>Ärgern Sie sich manchmal, wenn Sie sehen, dass die Kammerspiele viel mehr Geld von der Stadt bekommen als das Volkstheater, aber das künstlerische Ergebnis dem gar nicht entspricht?<BR><BR>Stück: Nein. Man weiß, dass nicht jede Arbeit immer so perfekt funktioniert. Was mich ärgert, ist eher, wenn Kritiker uns mit den Kammerspielen vergleichen. Schließlich können wir uns nicht die Regisseure oder Schauspieler leisten, die sich Baumbauer engagieren kann. Es ist was Besonderes, wenn zum Beispiel August Zirner bei mir in Albees "Ziege" spielt - aber da bin ich schon an den Grenzen meiner Finanzen. <BR><BR>Müssen Sie bei der augenblicklichen Geldnot der Stadt zusätzlich sparen?<BR><BR>Stückl: In diesem Jahr noch nicht. Wie viel wir dann zur Konsolidierung beitragen müssen, werden wir sehen . . .<BR><BR>Es gibt viele Lieder über den Mathias Kneißl. Wie gehen's die Jungen Riederinger Musikanten an?<BR><BR>Stückl: Die haben daheim einen neuen Wirtshaussaal - und basteln da viel herum. Nicht alles ist Eins-zu-eins-Blasmusik. Der Kneißl wollte nach Amerika auswandern, sein Traum: Da hab' ich gesagt, probiert's doch in die Richtung was aus - jetzt gibt es einen Blues. Für die Riederinger ist die Probenphase echt hart. Die arbeiten ja alle: um fünf Uhr raus ausm Arbeitsgwand, hierher fahren, auf die Bühne, nachts um eins wieder heim . . .</P><P>Das Gespräch führte Simone Dattenberger</P>

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