München - Kurt Faltlhauser ist Mitbegründer und früherer Vorsitzender des Vereins Konzertsaal Marstall. Im Interview spricht er über das Aus der Marstall-Pläne und die Möglichkeit, einen Konzertsaal im Finanzgarten zu bauen.

Kommt hier der neue Konzertsaal hin?
Schon in seiner Zeit als Bayerischer Finanzminister trieb Kurt Faltlhauser Kulturprojekte voran. Er ist Mitbegründer und früherer Vorsitzender des Vereins Konzertsaal Marstall. Dass das Gutachten des japanischen Akustikers Toyota dem Marstall kaum Chancen gibt, hat Faltlhauser offenbar nicht frustriert.
Bedeutet dies nun das Aus für die Marstall-Planung? Wenden Sie sich einem anderen Standort zu?
Wir akzeptieren das Ergebnis, obwohl auch andere Interpretationen des Gutachtens möglich sind. Und wir akzeptieren, dass der Marstall nach den Toyota-Aussagen und der Festlegung des Wissenschaftsministeriums nicht mehr realisierbar ist. Also setzen wir auf einen neuen Standort.
Was heißt „andere Interpretationen“?
Über dem Gutachten könnte genauso gut stehen: „Der Denkmalschutz muss flexibler werden.“ Völlig ausgeschlossen ist ein Konzertsaal im Marstall also nicht. Das Toyota-Gutachten besagt ja im Umkehrschluss, dass ein verbreitertes Marstall-Gebäude einem Konzertsaal genügend Platz bietet. Wenn es jedoch vonseiten des Denkmalschutzes da Widerstand gibt, dann führt dieser Weg eben in die Sackgasse.
Also werben Sie nun für den Standort Finanzgarten?
Warum sollte die Gasteig-Renovierung nicht realisierbar sein?
Eine solch umfassende Sanierung und Umgestaltung kostet nach Schätzungen bis zu 200 Millionen Euro. Das wird sich die Stadt nicht leisten können. Außerdem stellt sich die Frage: Braucht die Stadt das überhaupt? Rund 50 Prozent der Konzerte im Gasteig sind aus dem nichtklassischen Bereich. Dafür benötigt man doch keine optimierte Saal-Akustik. Wenn ein neuer Saal etwa im Finanzgarten entsteht, erübrigt sich für die Stadt eine extrem teure Gasteig-Lösung. Und diese Überlegung dürfte doch Oberbürgermeister Ude sehr interessieren.
Wäre eine staatliche Beteiligung an der Gasteig-Sanierung denkbar, um dort einen gemeinsam genutzten, optimierten Saal zu bauen?
Wie teuer kommt ein Konzertsaal im Finanzgarten?
Uns ist klar, dass ein derartiges Projekt in diesen Zeiten schwer stemmbar ist. Bei geschätzten 100 Millionen Euro Kosten rechnen wir mit Drittmitteln in Höhe von 40 Millionen Euro. Bleiben also 60 Millionen für den Staat. Bei einer Bauzeit von drei Jahren müssten im Haushalt 20 Millionen Euro pro Jahr ausgewiesen werden. Wann? Das ist Sache des Kabinetts. Das ist in Bayern machbar.
Und wie geht es jetzt weiter?
Wir hoffen dringend, dass das Wissenschaftsministerium baldmöglichst ein Konzept auf den Tisch legt. Unser Verein wird jedenfalls unter Führung von Manfred Wutzlhofer weiterarbeiten. Wir werden uns eben in „Konzertsaal München e.V.“ umbenennen.
Das Gespräch führte Markus Thiel.



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