München - Plötzlich ist es ganz still am S-Bahnhof in Solln. Hier, wo am vergangenen Samstag Unternehmer Dominik B. zu Tode geprügelt wurde, gedachten am Montag Abend Freunde und Anwohner in einer Mahnwache dem Opfer.

Videobeschreibung (+Laufzeit oder Datum siehe Original).
Sein Freund Gabriel steht immer noch am Tatort. Er ist jetzt nicht mehr nur traurig, er ist empört. Empört darüber, dass sich einer der Schläger über dessen Anwalt bei den Angehörigen des Opfers entschuldigt hat. „Das klingt für mich wie Hohn. Ich nehme ihm das nicht ab.“ Wütend auf die Täter sei er dennoch nicht. „Ich habe andere Sorgen. Dominik ist nicht mehr da.“
Dann erzählt Gabriel von seinem Freund. „Dominik war immer der Auffassung, dass man alles mit Worten lösen kann. Deshalb hat er wohl auch nicht mit dem hohen Aggressionpotential der Täter gerechnet.“
Freundlich und charmant sei Dominik B. gewesen, habe sich immer um andere Menschen gesorgt. „Zivilcourage ist wichtig, sonst leben wir in einer Welt, in der keiner leben will“, sagt Gabriel traurig. „Leider können sich nur wenige Menschen dazu durchringen. Wenn Dominik am Samstag nicht alleine gewesen wäre, dann hätte er vielleicht überlebt.“
Zur Mahnwache hatten die Anwohner in Solln aufgerufen. „Gedenken wir einem Mann, der Mut bewiesen hat – und mit seinem Leben bezahlte. Wir wollen das nie vergessen“, haben sie auf einen weißen Karton geschrieben.
Rund 50 Menschen sind ihrem Aufruf gefolgt und wollen auf diese Weise von ihrem Freund und Nachbarn Dominik B. Abschied nehmen. „Wir möchten zeigen, wie bestürzt wir über diesen tragischen Vorfall sind“, sagt Anwohnerin Monika Walz, die die Mahnwache mitorganisiert hat. Sie hat einen großen Strauß roter Rosen besorgt und an die Trauernden verteilt.
Schon den ganzen Montag über waren Menschen vor dem Blumenmeer am Tatort stehengeblieben. Sie hielten inne und beteten für den Mann, der hier sein Leben verloren hat. Auch eine ältere Frau zündete eine Kerze an, stellte sie zu den anderen. Nein, sie kannte Dominik B. nicht. „Ich will seiner Familie aber auf diese Weise meine Anteilnahme ausdrücken.“
Anteil nehmen, das wollten viele Münchner. Manche fuhren durch die halbe Stadt, um eine Rose niederzulegen. Es ist keine Sensationslust, die sie trieb. „Ich bin erschüttert über diese Tat“, sagte eine Mutter. Sie war mit ihrem kleinen Sohn gekommen. Auch viele Menschen aus Solln zog es zu dem Bahnsteig. Sie kannten Dominik B. zwar nur vom Sehen, doch auch sie sind schockiert und sprachlos über das Verbrechen. „Er hat bei uns oft Fahrkarten und Zeitungen gekauft. Er war ein überaus freundlicher und höflicher Mann“, erinnert sich die Mitarbeiterin vom Bahnhofskiosk.
Wenn am Montag eine S-Bahn in Richtung Wolfratshausen hielt, eilten die meisten Fahrgäste nicht einfach weiter. Viele blieben kurz stehen, bekreuzigten sich. Manche gingen mit Tränen in den Augen weiter. Der Schmerz über den Verlust des 50 Jahre alte Unternehmers – er war auch in Abschiedsbriefen zu lesen. „Lieber Dominik – Warum? Wir können es nicht fassen. Du wolltest helfen, und diese Unmenschen haben freie Fahrt gehabt. Wir vermissen dich sehr!“
Am Abend verwandelt sich der Bahnsteig dann in ein Meer aus Lichtern, die Kerzen sollen die ganze Nacht für Dominik B brennen. Einem Mann, der immer hilfsbereit war – und der einen großen Gerechtigkeitssinn hatte.
Jacob Mell, Christina Schmelzer
Rubriklistenbild: © Haag
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