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Paul-Heyse-Unterführung: Das Tunnell ist der größte Schandfleck Münchens

Ekeltunnel: Der größte Schandfleck Münchens

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Artikel: Ekeltunnel: Der größte Schandfleck Münchens

München - Dem Dichterfürsten Paul Heyse würde es grausen, wenn er heute jene Bahnunterführung sähe, die seinen berühmten Namen trägt. Dreckloch wäre der treffendere Begriff.

Die Paul-Heyse-Unterführung steht München nicht gut zu Gesicht

© Unfried

Die Paul-Heyse-Unterführung steht München nicht gut zu Gesicht

Der 1902 bis 1908 erbaute Tunnel, der nach Paul Heyses Tod im Jahr 1914 zusammen mit der sich anschließenden Straße an ihn und sein literarisches Werk erinnern soll, hat schon viel überstanden: Schießereien während der Revolution, Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg. Die Narben kriegerischer Handlungen sind am Südportal noch heute deutlich sichtbar. Eine grund­legende Reparatur hat es nach 1945 nicht gegen, es wurde nur ausgebessert.

© Eberhard Unfried

Längst nagt der Zahn der Zeit an dem genieteten eisernen Tragwerk, der Rost frisst tiefe Löcher. Von den Wänden fallen Fliesenherunter, Beton bröckelt aus feuchten Fugen. Nässe dringt aus den Ritzen, aus denen im Winter Eiszapfen wachsen. Wohl fühlen sich hier nur die Tauben, die im warmen Abgas-Nebel das ganze Jahr über nisten und Unmengen von Kot hinterlassen.

Die etwa 210 Meter lange Straßenunterführung stellte schon um 1900 eine wichtige Nord-Süd-Verbindung in der schnell wachsenden Stadt dar. Bis 1983 rollte auch die Trambahn durch den Tunnel. Der Unterbau wurde von der Stadt immer wieder ausgebessert. Das Tunnelbauwerk aber, das der Bahn gehört, gammelt vor sich hin.

Trotzdem führt für viele Münchner kein Weg drum herum. Autofahrer können die Fenster schließen. Radlfahrer müssen Schwung nehmen und die Luft anhalten, bis sie durch sind. Fußgänger, die sich durch das mies beleuchtete Halbdunkel wagen, sind nicht nur den Abgasen, sondern auch dem Taubendreck-Bombardement schutzlos ausgeliefert.

Warum unternimmt die Bahn nichts, um zumindest die schlimmsten Zustände etwas abzumildern? Die Münchner Pressestelle der Bahn AG verweist an die Konzernzentrale in Berlin. Dort erhält man ausweichende Antworten. „Es ist noch nicht entschieden, was mit dem Bahnhof geschieht“, so eine Sprecherin. „Das hängt entscheidend von der zweiten Stammstrecke ab.“ Aha, aber ein zweiter S-Bahntunnel tangiert die Unterführung nicht …

„Doch“, heißt es in Berlin, „es handelt sich um eine komplexe Infrastruktur.“ Sanierung oder Neubau? Die Bahn weiß es nicht: „Es wird noch geprüft.“

Eberhard Unfried

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