6712.09.09|München|München
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München - Brutales Verbrechen am S-Bahnhof Solln: Zwei Jugendliche haben am Nachmittag einen Mann (50) zu Tode geprügelt. Er war zuvor eingeschritten, als die Beiden andere Fahrgäste um Geld erpressten.

© dpa
Trauernde entzünden am Samstagabend eine Kerze am S-Bahnhof Solln.

Videobeschreibung (+Laufzeit oder Datum siehe Original).
Wie die Polizei mitteilt, hatte der 50-jährige Münchner in der S-Bahn Richtung Wolfratshausen beobachtet, wie die zwei Teenager (17 und 18 Jahre alt) vier andere Jugendliche (zwei Jungen und zwei Mädchen im Alter von 13 bis 15 Jahren) aufforderten, ihnen Geld zu geben. Dabei soll es wohl um recht kleine Summen gegangen sein. „Sie drohten ihnen sonst Schläge an“, sagte Andreas Ruch, Sprecher des Polizeipräsidiums München. Gut zwanzig Minuten zuvor, am S-Bahnhof Donnersbergerbrücke, war noch ein dritter junger Mann, der mit den beiden mutmaßlichen Tätern unterwegs war, gegen die zwei Jungen aus der anderen Gruppe handgreiflich geworden. Als die vier bedrohten Jugendlichen in die S7 in Richtung Solln einstiegen, folgten ihnen die beiden späteren Angreifer.
Der Mann sei dazwischengegangen und habe die Situation schlichten wollen. Er rief daraufhin die Polizei an, informierte sie über den Sachverhalt und kündigte an, in Solln aussteigen zu wollen. Nach dem Ende des Gesprächs bot der Mann den vier Belästigten an, mit ihm auszusteigen. Er versprach ihnen, sie zu beschützen.
Um 16.05 Uhr stiegen sowohl die jugendlichen Erpresser als auch der Mann und die vier anderen Jugendlichen am S-Bahnhof Solln aus. Die beiden Täter folgten der Gruppe zunächst mit einigem Abstand, dann schließlich gingen sie auf den Mann los. Auf dem Bahnsteig prügelten die beiden vor den Augen entsetzter Fahrgäste unvermittelt auf den 50-Jährigen ein. Zunächst konnte sich der Mann noch verteidigen, dann aber stürzte er zu Boden. “Seine jungen Begleiter konnten ihm dabei nicht helfen“, sagte Kriminalrat Markus Kraus.
Der grausame Punkt an dieser Tat, so berichtet Staatsanwalt Laurent Lafleur, sei die Tatsache, dass die beiden Täter noch weiter auf den am Boden liegenden, wehrlosen Mann eingedroschen hätten. „Nach unserem derzeitigen Kenntnisstand wurde dem Mann mehrfach gezielt ins Gesicht getreten. Es ist auch die Rede von Fußtritten, die ganz gezielt von oben nach unten ausgeführt wurden. Das Opfer verlor daraufhin das Bewusstsein“, so Lafleur.
Das Opfer sollte nicht mehr aufwachen: Rettungskräfte versuchten noch am Tatort vergeblich, den Mann wieder ins Bewusstsein zu holen. Der 50-Jährige wurde ins Klinikum Großhadern gebracht, wo er um 18.20 Uhr seinen schweren Verletzungen erlag.
Nach der tödlichen Prügel-Attacke beantragt die Staatsanwaltschaft Haftbefehl wegen Mordes gegen die beiden Tatverdächtigen. „Der Grund, warum die Tat als Mord und nicht als Totschlag gewertet wird ist der, dass der Antrieb für diese Tat nur sein konnte, dass sich die beiden Jugendlichen über das vorbildliche und couragierte eingreifen des Geschädigten sehr geärgert haben. Dafür sollte er büßen. Das ordnet die Staatsanwaltschaft als sogenannten niedrigen Beweggrund ein. Und solch eine niedrigstehende Motivation macht einen Totschlag zum Mord“, so Staatsanwalt Lafleur.
Die beiden Jugendlichen aus München sind polizeibekannt, der 18- jährige sei wegen schwerer Körperverletzung, räuberischer Erpressung und Diebstahls vorbestraft, sagte der Münchner Staatsanwalt Laurent Lafleur am Sonntag. Der 18-Jährige sei zur Tatzeit angetrunken gewesen. Beide Jugendliche sind deutsche Staatsbürger. Nach Informationen der tz wohnte der 17-Jährige bislang in einer Einrichtung für drogensüchtige Jugendliche in München.
Nach tz-Informationen handelt es sich bei dem Opfer um einen Manager, der auch unter der Belegschaft seines Unternehmens großes Ansehen genoss. Die Mutter des Opfers bestätigte der tz: „Ja, es ist mein Sohn.“ Die Eltern sind schwer geschockt.
Die Münchner reagieren mit Entsetzen auf das brutale Verbrechen: Noch am Samstagabend entzündeten trauernde Menschen Kerzen am Tatort.
In der Vergangenheit hatte es mehrfach brutale Übergriffe in der Münchner U-Bahn gegeben. Vor allem die Attacke auf einen Rentner, der im Jahr 2007 wegen seines Hinweises auf das Rauchverbot in der U-Bahn lebensgefährlich verletzt worden war, hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt.
fro
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