München - Nach dem umstrittenen Auftritt beim diesjährigen Starkbieranstich haben Fastenprediger Michael Lerchenberg und sein Co-Autor Christian "Fonsi" Springer hingeschmissen.

Auch wenn er aus der Bevölkerung für die Fastenpredigt unzählige, zustimmende Reaktionen erhalten habe, sei der politische und öffentliche Druck auf ihn und die Paulaner Brauerei so groß geworden, "dass mir eine Rückkehr in die Nockherberg-Kanzel unmöglich erscheint", hieß es in einer Freitagmittag verbreiteten Erklärung Lerchenbergs. Wenig später erklärte auch Co-Autor Christian Springer, dass er sich dem Rücktritt Lerchenbergs anschließe. Traurig nehme er Abschied von dieser einzigartigen Veranstaltung, so der als "Fonsi" bekannt gewordene Kaberettist.
In einer ersten Reaktion sagte Helmut Schleich, Strauß-Darsteller langjähriger "Fonsi"-Freund, dem Münchner Merkur: "Es ist skandalös, dass man da gehen muss." Mit der Entschuldigung hätte es getan sein müssen. Viele, die sich jetzt über den KZ-Vergleich aufregen, hält er für "Trittbrettfahrer".
Charlotte Knobloch, die Präsidentin des Zentralrats der Juden, nannte diese Textpassage eine "Schande". "Scherze, die das Leid der Opfer in den Konzentrationslagern verharmlosen oder gar der Lächerlichkeit preisgeben, sind eine Schande für die ansonsten gelungene Veranstaltung." Einen derartigen Ausrutscher unter der Gürtellinie habe sie bislang noch nicht erlebt.
Westerwelle will den Paulaner-Starkbieranstich künftig boykottieren. "Mit einem KZ-Wächter verglichen zu werden, geht zu weit", schrieb er an die Münchner Paulaner-Brauerei, die den Salvator-Anstich veranstaltet. "Für die Zukunft bitte ich, von Einladungen an meine Person abzusehen."
In seiner Rede hatte Lerchenberg auch die bayerische Polizei verspottet und sich so Ärger mit Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU)und der Polizei eingehandelt. Er hatte den Beamten vorgeworfen, beim Amoklauf in Ansbach zu langsam reagiert zu haben. Außerdem hatte er manchen Beamten Schieß- und Prügelfreude bescheinigt.
"Das ist grobes, dummes Zeug", reagierte Herrmann. Seine Kabinettskollegin Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) schloss sich der Kritik an der Fastenpredigt an und erklärte, sie werde für einige Jahre nicht mehr am traditionellen Starkbieranstich teilnehmen. Seit Jahren habe die Predigt wenig mit geistreicher und treffender Satire zu tun, sondern gleiche eher einem "von politischem Sendungsbewusstsein überlagerten niveaulosen Gepolter".
Für Lerchenberg geht damit eine Ära auf dem Nockherberg zu Ende. Seit 1984 wirkte er beim Singspiel mit. Damals noch als Darsteller von Edmund Stoiber. In den vergangenen drei Jahren stelle er den Fastenprediger Bruder Barnabas dar.
mm
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