004.01.10|München|München|
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München - Die Asbestsanierung in der Ludwigskirche zieht sich hin. Am Palmsonntag hofft Pfarrer Ulrich Babinsky den ersten Gottesdienst halten zu können. Auf Jahre hinaus wird das Gotteshaus dann nur eingeschränkt nutzbar sein.

© Haag
Humor ist, wenn man trotzdem lacht: Pfarrer Ulrich Babinsky macht gute Miene zur Gerüstkonstruktion in seiner Kirche St. Ludwig.
Die stählernen Streben einer riesigen Gerüstkonstruktion füllen den Chorraum bis zur Kuppel hinauf. Der Altar ist in eine Plastikplane gehüllt. Mannsdicke orange Luftleitungen winden sich wie riesige Schlangen über den Boden. Das Sirren von Absauganlagen liegt in der Luft. Die katholische Kirche St. Ludwig geht als Großbaustelle ins neue Jahr. Doch inzwischen zeigt die Asbestsanierung, die hier seit August läuft, erste Fortschritte.
„Das Langhaus und der nördliche Querflügel sind schon fertig“, sagt Pfarrer Ulrich Babinsky und zeigt nach oben. Nacktes Mauerwerk schimmert dort rötlich durch das graue Gewirr der Gerüststangen. Hier haben Spezialisten bereits die Asbestschicht entfernt, die in den 50er-Jahren aufgetragen worden war, um die Akustik des Gotteshauses zu verbessern. Die Hoffnung auf besseren Klang hatte sich als vergeblich herausgestellt. Doch fünf Jahrzehnte später bereitete der Asbest, nur von einer dünnen, bemalten Putzschicht überzogen, den Verantwortlichen zunehmend Sorgen. Die Fasern des Minerals gelten als krebserregend. Weil die Versiegelung undicht zu werden drohte, entschlossen sich die Experten, die Altlast zu entsorgen. Ein kompliziertes, langwieriges Unterfangen. Sind die mikroskopisch kleinen Fasern erst einmal freigelegt, könnte jeder Luftzug sie in der ganzen Kirche verbreiten. Deshalb wird in Folienzelten gearbeitet, in denen leichter Unterdruck herrscht, so dass keine Luft ins Kircheninnere dringen kann. Mit Kapuzenoveralls und Atemmasken geschützt schlagen die Arbeiter in diesen Zelten Putz und Asbestschicht von der Wand. In luftdichte Säcke verpackt, wird das Material dann entsorgt.
An anderen Stellen kämpfen die Sanierer mit tiefen Fugen im Mauerwerk, aus denen das krebserregende Mineral aufwändig herausgeholt werden muss.
„In der Kirche gibt es ständig Kontroll-Messungen“, sagt Babinsky. Das Ergebnis war bisher beruhigend: Kein Asbest in der Luft. Noch einige Wochen werden sich die Arbeiten wohl hinziehen. Dann werden die Arbeiter ihr Gerüst abbauen, und ein Experte wird eine letzte Messung vornehmen. Pfarrer Ulrich Babinsky will erst aufatmen, wenn er verkünden kann: „Die Kirche ist von Schadstoffen befreit.“
Von Baulärm und Staub dagegen noch lange nicht. „Gleich im Anschluss wird im Chor ein neues Gerüst aufgebaut, bis hinauf zur Decke“, sagt der Geistliche. In 26 Meter Höhe werden Fachleute die Decken-Fresken inspizieren, unter denen im März 2008 große Putzblasen entdeckt worden waren. Nun müssen die Experten entscheiden, wie die wertvollen Fresken gesichert und restauriert werden sollen. Auch für die bei der Asbestsanierung freigelegten Flächen wird ein Konzept erarbeitet. Die 1844 geweihte Kirche ist mehrfach umgestaltet und renoviert worden. Noch steht nicht fest, an welcher Epoche sich Putz und Bemalung orientieren sollen. Mehrere Jahre lang werden sich die Arbeiten hinziehen.
Doch zumindest eingeschränkt wird die Kirche in dieser Zeit nutzbar sein. Babinsky fiebert einem Datum entgegen: „Am Palmsonntag, 28. März, wollen wir hier wieder den ersten Gottesdienst halten.“ Der Chorraum wird zwar nicht zur Verfügung stehen, wohl aber das Langhaus. Vor dem Chor wird Babinsky den hölzernen Guardini-Altar aufstellen, um den sich die Gemeinde bereits in den vergangenen Monaten im Pfarrsaal, ihrem Ausweichquartier, versammelt hat. Das Platzangebot wird eingeschränkt sein, die Atmosphäre anders als unter der großen Chor-Kuppel.
Doch das nehmen Babinsky und seine lebendige Gemeinde gern in Kauf, wenn sie nur wieder in das Gotteshaus mit den markanten Doppeltürmen an der Ludwigstraße zurückkehren können – das Haus, in dem sie daheim sind.
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