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Flug aus Tokio: Passagiere mit Lebensmittelvergiftung am Flughafen München / Zwei Notlandungen

Chaos am Flughafen: Startabbruch wegen Vergiftungsalarm

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Artikel: Chaos am Flughafen: Startabbruch wegen Vergiftungsalarm

München - Nicht weit gekommen ist ein Lufthansa-Airbus mit 314 Passagieren auf dem Weg nach Tokio. 23 Mitglieder einer Reisegruppe aus Japan erkrankten plötzlich so schwer, dass der Pilot noch auf der Startbahn umdrehte. Ein Großeinsatz mit weit über 100 Rettungskräften und Ärzten lief an.

Eine Maschine nach Tokio mit Dutzenden Vergifteten an Bord ist am Samstagnachmittag am Münchner Flughafen gelandet

© Simmet

23 Mitglieder einer Reisegruppe aus Japan erkrankten plötzlich schwer.

Um 15.40 Uhr sollte der Lufthansa-Flug LH 714 nach Tokio abheben. Die 314 Passagiere waren bereits an Bord, als 23 Mitglieder einer 80-köpfigen japanischen Touristengruppe auf einmal über heftige Magenbeschwerden und Schwindel klagten. Die 20- bis 22-Jährigen – einige hatten schon zuvor Unwohlsein verspürt – mussten sich übergeben und litten unter Durchfall.

Fotos: Vergiftungsalarm am Münchner Flughafen

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„Der Pilot hat sich entschlossen, wegen der schweren und ansteckenden Erkrankung gar nicht erst zu starten“, berichtet Flughafensprecher Edgar Engert. Der Airbus machte noch auf der Startbahn kehrt. Lufthansa und Flughafen gingen auf Nummer sicher gehen: Alle 314 Passagiere kamen zunächst in Quarantäne.

Video: Vergiftungsalarm am Münchner Flughafen!

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Videobeschreibung (+Laufzeit oder Datum siehe Original).

Kurz nach 16 Uhr löste die Integrierte Leitstelle in Erding Großalarm aus. Nicht nur die umliegenden Kliniken wurden informiert. Aus dem gesamten Umland wurden Rettungsfahrzeuge geordert. Weit über hundert Helfer, elf Notärzte und 52 Fahrzeuge, darunter Großraum-Rettungstransporter machten sich auf den Weg. Vor dem Haupttor bildete sich ein Stau aus Einsatzfahrzeugen mit einem Meer aus Blaulichtern.

Die Maschine wurde nach den Worten Engerts unter Begleitung der Feuerwehr zur Halle F dirigiert, in der normalerweise die Flüge nach Israel abgefertigt werden. Einige waren bereits so schwer erkrankt, dass sie noch im Flugzeug ärztlich versorgt werden mussten. Der Rest wurde mit Bussen ins Terminal gebracht, wo er von den Rettern schon erwartet wurde.

Gerhard Steinbach, Chef der BRK-Bereitschaft Erding, berichtet, dass sofort mit der Sichtung begonnen wurde. Auch das Gesundheitsamt Erding entsandte Experten. „Einige Fluggäste litten bereits unter gefährlichem Flüssigkeitsverlust. Ihnen haben wir Infusionen angelegt.“ Wer unter Magen-Darm-Beschwerden litt, blieb in der Obhut der Sanitäter und Ärzte. „Wir haben Blutdruck gemessen und alle Vitalfunktionen laufend überwacht“, so Steinbach, der zugibt, dass es anfangs Verständigungsschwierigkeiten gab, ehe Dolmetscher gefunden waren.“

Für 23 Japaner war die Reise zu Ende. 15 wurden laut Einsatzleiter Edgar Scholz ins Kreiskrankenhaus Erding eingeliefert, fünf kamen nach Freising, je zwei nach Ebersberg und Bogenhausen sowie einer nach Schwabing. Klement Kreitmeier vom Polizeipräsidium Oberbayern-Nord teilte am Abend mit: „Bei keinem besteht Lebensgefahr.“ Der Rest der Gruppe muss bis Montag sicherheitshalber vor Ort bleiben – in einem Hotel am Airport.

Derweil ist die Suche nach der Ursache angelaufen. Polizeiangaben zufolge war die Gruppe zwei Tage zuvor aus London in München eingetroffen und in einem Hotel abgestiegen. Tagsüber waren die jungen Leute in Kleingruppen unterwegs. Möglich ist eine Lebensmittelvergiftung, es könnte sich aber auch um das Noro-Virus handeln. „Es wurden Proben genommen“, teilte Christina Center, Sprecherin des Landratsamtes Erding, am Sonntag mit. Sie konnte immerhin Entwarnung geben: „Alle sind auf dem Weg der Besserung.“

Die Krankheit breitete sich nach Angaben Engerts und Centners nicht weiter aus, so dass die übrigen Reisenden noch am Samstag um 19.34 Uhr nach Tokio starten konnten. Zuvor war der Airbus unter Aufsicht des Gesundheitsamts und der Feuerwehr desinfiziert worden. Die letzten Retter konnten erst gegen 1 Uhr nachts ihren außergewöhnlichen Einsatz beenden.

Hans Moritz

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