München - Letztlich ging es um 15 Euro. 15 Euro gegen ein Menschenleben – was für ein Irrsinn: Eine Erpressung unter Jugendlichen gipfelte am Samstagnachmittag am Sollner S-Bahnhof in einen eiskalten Mord.

© Götzfried
Gedenken an einen mutigen Mann: Kerzen und Blumen schmücken die Stelle, an der Dominik B. (50) ermordet wurde.
Die Täter: Zwei 17 und 18 Jahre alten Herumtreiber, deren Interessen sich überwiegend aufs Saufen, Rauchen und dumm Daherreden beschränkten. Das Opfer: Dominik B. (50), Vorstand der niederbayerischen Dachbaustoff-Firma Erlus AG – ein erfolgreicher Unternehmer, für den Zivilcourage immer eine Selbstverständlichkeit war. Er schützte vier Kinder vor den hochaggressiven Schlägertypen. Diesen Mut bezahlte er mit seinem Leben.

Videobeschreibung (+Laufzeit oder Datum siehe Original).
Der Dritte im Bunde hatte eine andere S-Bahn genommen – wahrscheinlich die klügste Entscheidung seines Lebens. Christoph T. (18) wurde am Sonntag festgenommen.
Der Zufall wollte es, dass Manager Dominik B. auf der Fahrt nach Solln im selben Abteil saß und Zeuge weiterer Provokationen und Erpressungsversuche wurde. Das wollte er sich nicht tatenlos ansehen. Er stellte sich schützend vor die verängstigten Kinder. „Fahrt mit mir nach Solln. Da steigen wir zusammen aus“, schlug er vor. Erleichtert nahmen die Kinder sein Angebot an. Sicherheitshalber rief Dominik B. über Notruf 110 die Polizei an und schilderte die Situation. Sein Anruf ging kurz nach 16 Uhr in der Einsatzzentrale ein. Die Polizeiinspektion 29 (Drygalski-Allee) schickte Streifenwagen zum S-Bahnhof. Zu diesem Zeitpunkt schien die Situation geklärt zu sein. Nichts wies auf einen Gewaltsexzess hin. Zwischen Dominik B.’s Anruf und dem Eintreffen der ersten Polizeistreife lagen zehn Minuten. Als die S-Bahn um 16.09 Uhr in Solln hielt, war die Polizei noch nicht da. Dominik B. stieg mit den Kindern aus. Da hatte er nur noch eine Minute zu leben. Denn die Schläger folgten ihm. Auf Höhe des Wartehäuschens griffen sie den ahnungslosen Dominik B. unvermittelt an.
Der 50-Jährige stürzte zu Boden, streifte ein Geländer und blieb benommen liegen. Trotzdem traten und schlugen Markus S. und Sebastian L. wie von Sinnen auf Kopf und Körper des Wehrlosen ein. Blut schoss ihm aus Mund und Nase, sein Blick wurde starr. Erst da ließen die Täter von ihm ab und schlugen sich feige in die Büsche. Die Polizei löste eine Großfahndung aus. 80 Meter vom Tatort entfernt bemerkten eine junge Polizeikommissarin (22) der Bundespolizei – gerade erst eine Woche am Hauptbahnhof im Dienst – und ihr Kollege (45) eine Bewegung im Gebüsch. Die beiden sahen zwei helle Jacken, zogen ihre Waffen. Da kamen die Mörder mit erhobenen Händen heraus. Einer stolperte und knallte der Länge nach auf den Schotter. Beide sitzen nun in U-Haft – und schweigen. Das haben ihnen ihre Anwälte empfohlen.
Dorita Plange
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