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Psychisch kranker Münchner ersticht Mitbewohner

Das Blutbad von der Lindwurmstraße

608.02.10|München|München|
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Artikel: Das Blutbad von der Lindwurmstraße

München - In München hat ein offenbar psychisch kranker Mann (29) am Sonntagabend einen Mitbewohner erstochen und einen weiteren schwer verletzt. Er glaubte, Hilter im Kopf zu haben.

Seine Gedanken müssen seit Tagen von wildesten Nazi-Fantasien beherrscht worden sein. Doch äußerlich merkte man ihm das nicht an. Jedenfalls fiel weder seinen Betreuern noch den Mitbewohnern in letzter Zeit eine Veränderung an Daniel P. (29) auf. Und so kam es am Sonntag Abend gegen 19 Uhr in einer sozialtherapeutischen Wohngemeinschaft für psychisch Kranke zu einem Blutbad, das einen 25-Jährigen Mitbewohner das Leben kostete. Das zweite Opfer – ein 29-Jähriger – überlebte schwer verletzt.

Daniel P. leidet unter paranoider Schizophrenie. Seitdem er im Jahr 1999 seine eigene Oma mit einem Messer angegriffen und leicht verletzt hatte, war er ständig und zuweilen auch stationär in psychiatrischer Behandlung. Letztes Jahr bekam er einen der begehrten Plätze in der Wohngemeinschaft in der Lindwurmstraße 195. In dem renovierten Gründerzeithaus leben auf zwei Etagen im 4. und 5. Stockwerk zwölf psychisch Kranke in einer großen WG. Träger ist die Soziale Dienste Psychiatrie gemeinnützige GmbH. Jeder Bewohner hat dort sein eigenes Zimmer. Daniel P. wohnte im 5. Stock. Um 19 Uhr ging er hinunter in den vierten Stock und klopfte an die Tür seiner Mitbewohner. Völlig ahnungslos öffnete der 25-Jährige. Da traf ihn schon der erste Stich. Völlig von Sinnen stach Daniel P. auf den um sein Leben schreienden Mitbewohner ein. Der 29-Jährige eilte ihm zu Hilfe, bekam ebenfalls einige Stiche in den Oberkörper ab. Blutüberströmt flohen die verletzten Männer zurück in ihre Zimmer und schlossen sich in Todesangst ein. Ein weiterer Mitbewohner rannte barfuß aus dem Haus und versuchte, auf der Lindwurmstraße Autos anzuhalten.

 Andere Mitbewohner riefen die Polizei. Der Schwerverletzte lief den ersten Polizisten schon entgegen und wurde sofort in eine Klinik gebracht. Der 25-Jährige reagierte jedoch nicht auf das Klopfen an die Tür. Eine Zivilstreife trat sofort seine Zimmertür ein. Doch auch der Notarzt konnte hier nicht mehr helfen. Der 25-Jährige lag in einer Blutlache und war bereits tot. Noch während der Rettungs­aktion stand der Täter plötzlich im Treppenhaus. Er ließ sich widerstandslos festnehmen. Das 40 Zentimeter lange Tatmesser wurde in seinem Zimmer gefunden. Es stammt aus der Gemeinschaftsküche. Bei seiner Vernehmung bei der Mordkommission wirkte Daniel P. nach Schilderung von Kriminaloberrat Markus Kraus ganz ruhig. Nach seinem Motiv befragt, antwortete er: „Ich bin Adolf Hitler. Ich habe Hitlers Geist in meinem Kopf. Ich musste heute jemanden töten. Sonst hätte ich selber sterben müssen.“ Staatsanwältin Nicole Selzam beantragte Daniel P.’s Unterbringung in der Psychiatrie. Dort wurde er gestern Mittag eingewiesen.

Dorita Plange

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