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S-Bahn: Stammstrecke gegen Nordtunnel und Südring

Zweite Stammstrecke siegt vor Nordtunnel

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Artikel: Zweite Stammstrecke siegt vor Nordtunnel

War das der Durchbruch für den zweiten S-Bahn-Tunnel? In einem Gutachten des Verkehrsministeriums hat sich die neue Stammstrecke gegen den Nordtunnel durchgesetzt. Oder war Trickserei im Spiel?

© dpa

Nordtunnel oder zweite Stammstrecke - Das ist hier die Frage.

Es geht um viel Geld. Um sehr viel. Rund drei Milliarden Euro müssten Freistaat und Bund in die Hand nehmen, um den Bahnknoten München fit für die Zukunft zu machen. Zumindest dies dürfte unstrittig sein nach dem jüngsten Gutachten, das erstmals eine Gesamtschau der komplexen Verkehrsprobleme vornimmt: der Entlastung der Stammstrecke und der Verbesserung der Flughafen-Anbindung. Bayerns Verkehrsministerium hatte die Studie auf Drängen der CSU in Auftrag gegeben. Doch nun sorgt das Werk schon vor seiner Präsentation für Wirbel – wie zuletzt die vergleichende Untersuchung von Stammstrecke und Bahn-Südring. Geprüft wurden zwei Kompaktlösungen: der von der Staatsregierung favorisierte Bau der zweiten S-Bahn-Stammstrecke in Kombination mit dem viergleisigen Ausbau der S 8 im Münchner Osten, auf deren Trasse Express-S-Bahnen zum Flughafen flitzen könnten.

 

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© Grafik: ErtlDie Planungen zum Nordtunnel, zur Stammstrecke und zum Südring.

Die Alternative wäre der sogenannte Nordtunnel „light“. Er führt von einem Halt unterm Hauptbahnhof zu den Pinakotheken und zur Münchner Freiheit. Von dort knickt die Strecke oberirdisch auf das Gütergleis ab, um östlich der Isar auf die S 8-Trasse einzufädeln.

Von hier aus ginge es in Richtung Airport weiter (siehe Grafik).

Das Gutachten, das heute offiziell dem Landtag vorgestellt werden soll, kommt zu einem klaren Ergebnis. Danach erzielt die zweite Stammstrecke mit dem Ausbau des Ostkorridors ein Nutzen-Kosten-Verhältnis von 1,7, der Nordtunnel bestenfalls nur 1,1.

Als Grund für dieses Ergebnis werden zum einen höhere Fahrgastpotenziale auf der Stammstrecke mit Halten am Marienhof und Ostbahnhof genannt. Aber auch die niedrigeren Kosten für diese Variante werden ins Feld geführt. 2,935 Milliarden Euro haben die Gutachter errechnet. In der gleichen Ausgestaltung, die später keine Ertüchtigung für den Fernverkehr vorsieht, soll der Nordtunnel zwischen 3 und 3,4 Milliarden kosten. Mit Fernverkehr-Option sollen bis zu 3,7 Milliarden fällig werden.

OB Christian Ude (SPD) drängt deshalb zu Taten. Der Nutzen-Kosten-Faktor von 1,7 sei ein „unbandig erfreuliches Ergebnis“ für die Stammstrecken-Variante. „Nun ist wirklich genug geprüft und begutachtet worden“, sagt Ude. Die Entscheidung zum Bau der zweiten Stammstrecke dürfe nicht mehr auf die lange Bank geschoben werden. Schließlich gehe es darum, den „olympischen Fahrplan“ einzuhalten. Soll heißen: 2018 soll die zweite Röhre fertig sein.

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Im Landtag kommt das Gutachten weniger gut an. „Es wirft mehr Fragen auf, als es Antworten gibt“, sagt der CSU-Abgeordnete Markus Blume. Sein Grünen-Kollege Martin Runge formuliert es schärfer: „Das Gutachten strotzt nur so von Fehlern“, wettert er. Der zweite Tunnel sei nämlich wieder einmal billiger gerechnet geworden.

Nicht nachvollziehbar ist für die Kritiker auch der ermittelte Nutzen-Kosten-Faktor von 1,7 für Stammstrecke und Ostkorridor. Der Hintergrund: Für die zweite Stammstrecke war zuletzt ein Wert von 1,15 berechnet worden, für die Ostvariante 1,7. Das heißt: Fasst man beide Zahlen zusammen, sollte ein Mittel von 1,4 herauskommen. Die 1,7 sei deshalb „mathematisch nicht möglich“, sagt Verkehrsplaner Martin Vieregg, der das Konzept des Nordtunnels mit erarbeitet hatte.

Das Verkehrsministerium indes begründet den Wert damit, dass etwa die Pasinger und die Neufahrner Kurve nicht mehr dem Projekt zugeschlagen worden seien. Damit wurden etwa 240 Millionen Euro gespart. Einen Kritikpunkt streitet jedoch auch das Ministerium nicht ab: Die von ihm favorisierte Variante wird noch einmal teurer werden. Der Grund: Die politisch gewollte Tunnellösung für die S 8 zwischen Johanneskirchen und Zamdorf dürfte rund 450 Millionen Euro zusätzlich kosten.

Am Ende könnte das Vorhaben so bei fast 3,4 Milliarden Euro landen – und wäre teurer als die billigste Nordtunnel-Lösung.

Heute soll bei einer Experten-Anhörung im Landtag alles noch einmal diskutiert werden. Im Frühjahr könnte dann eine Entscheidung fallen. Vor dieser muss jedoch erst einmal der Stadtrat eine Empfehlung abgeben. FDP-Fraktionschef Michael Mattar kündigte bereits an, nicht dem Kurs seines Parteifreunds, Verkehrsminister Martin Zeil, folgen zu wollen, eine zweite Stammstrecke zu bauen. „Wir haben ganz große Zweifel an dem S-Bahn-Tieftunnel“, betonte Mattar.

Matthias Kristlbauer

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