125.02.10|München|München|6
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War das der Durchbruch für den zweiten S-Bahn-Tunnel? In einem Gutachten des Verkehrsministeriums hat sich die neue Stammstrecke gegen den Nordtunnel durchgesetzt. Oder war Trickserei im Spiel?

© dpa
Nordtunnel oder zweite Stammstrecke - Das ist hier die Frage.
Als Grund für dieses Ergebnis werden zum einen höhere Fahrgastpotenziale auf der Stammstrecke mit Halten am Marienhof und Ostbahnhof genannt. Aber auch die niedrigeren Kosten für diese Variante werden ins Feld geführt. 2,935 Milliarden Euro haben die Gutachter errechnet. In der gleichen Ausgestaltung, die später keine Ertüchtigung für den Fernverkehr vorsieht, soll der Nordtunnel zwischen 3 und 3,4 Milliarden kosten. Mit Fernverkehr-Option sollen bis zu 3,7 Milliarden fällig werden.
OB Christian Ude (SPD) drängt deshalb zu Taten. Der Nutzen-Kosten-Faktor von 1,7 sei ein „unbandig erfreuliches Ergebnis“ für die Stammstrecken-Variante. „Nun ist wirklich genug geprüft und begutachtet worden“, sagt Ude. Die Entscheidung zum Bau der zweiten Stammstrecke dürfe nicht mehr auf die lange Bank geschoben werden. Schließlich gehe es darum, den „olympischen Fahrplan“ einzuhalten. Soll heißen: 2018 soll die zweite Röhre fertig sein.
Im Landtag kommt das Gutachten weniger gut an. „Es wirft mehr Fragen auf, als es Antworten gibt“, sagt der CSU-Abgeordnete Markus Blume. Sein Grünen-Kollege Martin Runge formuliert es schärfer: „Das Gutachten strotzt nur so von Fehlern“, wettert er. Der zweite Tunnel sei nämlich wieder einmal billiger gerechnet geworden.
Nicht nachvollziehbar ist für die Kritiker auch der ermittelte Nutzen-Kosten-Faktor von 1,7 für Stammstrecke und Ostkorridor. Der Hintergrund: Für die zweite Stammstrecke war zuletzt ein Wert von 1,15 berechnet worden, für die Ostvariante 1,7. Das heißt: Fasst man beide Zahlen zusammen, sollte ein Mittel von 1,4 herauskommen. Die 1,7 sei deshalb „mathematisch nicht möglich“, sagt Verkehrsplaner Martin Vieregg, der das Konzept des Nordtunnels mit erarbeitet hatte.
Das Verkehrsministerium indes begründet den Wert damit, dass etwa die Pasinger und die Neufahrner Kurve nicht mehr dem Projekt zugeschlagen worden seien. Damit wurden etwa 240 Millionen Euro gespart. Einen Kritikpunkt streitet jedoch auch das Ministerium nicht ab: Die von ihm favorisierte Variante wird noch einmal teurer werden. Der Grund: Die politisch gewollte Tunnellösung für die S 8 zwischen Johanneskirchen und Zamdorf dürfte rund 450 Millionen Euro zusätzlich kosten.
Am Ende könnte das Vorhaben so bei fast 3,4 Milliarden Euro landen – und wäre teurer als die billigste Nordtunnel-Lösung.
Heute soll bei einer Experten-Anhörung im Landtag alles noch einmal diskutiert werden. Im Frühjahr könnte dann eine Entscheidung fallen. Vor dieser muss jedoch erst einmal der Stadtrat eine Empfehlung abgeben. FDP-Fraktionschef Michael Mattar kündigte bereits an, nicht dem Kurs seines Parteifreunds, Verkehrsminister Martin Zeil, folgen zu wollen, eine zweite Stammstrecke zu bauen. „Wir haben ganz große Zweifel an dem S-Bahn-Tieftunnel“, betonte Mattar.
Matthias Kristlbauer
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