114.12.09|München|München|3
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München - Er erstickte einen 35 Jahre alten Kollegen in dessen Wohnung und zerstückelte die Leiche in der Badewanne. Zum Prozessauftakt in München schilderte der Schlächter von Sendling seine Tat.

© Bodmer
Der mutmaßliche Mörder Heiko K. vor dem Schwurgericht in München.
Plötzlich zittert er am ganzen Körper, Tränen schießen ihm in die Augen, seinen Kopf hat er in die Hände gestützt. Es war der Moment, als Heiko K. (40) erzählen sollte, wie er seinen Ex-Kollegen Markus Schindlbeck (35) getötet hatte. Verhandlungspause beim ersten Prozesstag wegen heimtückischen Raubmordes. Zwanzig Minuten später macht Heiko K. reinen Tisch und schildert, wie er die Tage vor der Tat verbrachte – und wie er seinen Bekannten umbrachte.
Im Januar hatte sich Heiko K. in München nach einem Job umgesehen. Er war pleite, hatte 70 000 Euro Schulden. Er lieh sich von Freunden Geld, schlief zehn Nächte mit seinem Hund im Auto. Bei seinem ehemaligen Chef traf er schließlich seinen früheren Kollegen Markus Schindlbeck. Am späten Nachmittag des 23. Januar, einem Freitag, besuchte er ihn in dessen Sendlinger Wohnung. Da Markus Schindlbeck wenig Zeit zu haben schien, habe er ihn nicht nach Geld gefragt. Stattdessen habe er seinen Schlüssel auf der Toilette liegen lassen, um später am Abend einen Vorwand zu haben, nochmals bei dem 35-Jährigen vorbeizuschauen. „Ich brauchte Zeit, um meine Lage zu erklären“, begründet Heiko K. dieses Vorgehen.
Während des Streits habe er sich ein Trinkglas geschnappt und es Markus Schindlbeck über den Kopf gezogen. Daraufhin sei sein Ex-Kollege unter lautem Brüllen auf ihn zugegangen. „Ich schubste ihn aufs Bett und war auf ihm drauf, die Knie auf seinen Armen und beide Hände über seinem Mund“, sagte der 1,94 Meter große und 106 Kilogramm schwere Täter. „Ich wollte, dass er still ist!“ Irgendwann ließ er von ihm ab. „Markus hatte keinen Puls mehr. Am nächsten Morgen schleppte Heiko K. den Toten ins Badezimmer und trennte Arme, Beine und den Kopf ab. Die Leichenteile lud er in das Auto des Opfers und verteilte sie in Bayern und in Tschechien. Der Kopf ist nach wie vor verschwunden. Der Prozess geht am Dienstag weiter.
Jacob Mell
Die Ermordung Markus Schindlbecks (35) – Chronik eines unfassbaren Verbrechens:
Freitag, 23. Januar 2009:
Der ständig in finanziellen Schwierigkeiten steckende Koch Heiko K. (39) besucht seinen alten Freund Markus Schindlbeck (35) in dessen Wohnung in der Lenggrieser Straße in Sendling. Dort kommt es in der Nacht im Schlafzimmer zu einem Streit, in dessen Folge Heiko K. den 35-Jährigen erstickt.
Samstag, 24. Januar:
Mit der Scheckkarte des Opfers fährt Heiko K. zu OBI und kauft ein: Säge, Teppichmesser, Bolzenschneider, Plastiksäcke. Im Bad macht er sich dann ans grausige Werk und zerteilt den Leichnam. Später putzt er die Wohnung penibel, lädt die Leichenteile in den Opel Vectra des Opfers und beginnt seine Reise des Grauens.
Dienstag 27.Januar:
Im tschechischen Grenzgebiet zwischen Pilsen und Furth im Wald wird ein männlicher Torso gefunden.
Freitag, 30. Januar:
Markus Schindlbecks besorgte Eltern melden ihren Sohn als vermisst.
Sonntag, 1. Februar:
Von der Tattenkofener Brücke in Geretsried (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen) entdeckt ein Passant zwei abgetrennte Arme. Die Fingerkuppen fehlen. Die Polizei identifiziert Heiko K. anhand von Videoaufnahmen an einer Tankstelle am Irschenberg. Dort hat er mit der Karte des Opfers gezahlt. Ein Zeuge erkennt ihn sofort wieder. Ab jetzt wird international nach ihm gefahndet.
Dienstag, 3. Februar:
Heiko K. wird gefasst. Beine und Kopf des Opfers wurden bis heute nicht gefunden. Heiko K. hatte ihn bei Neuötting in den Inn geworfen.
Mittwoch, 18. Februar:
Beamte der Münchner Mordkommission holen Heiko K. an der Grenze ab und bringen ihn nach München.
dop.
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