München - In München gibt es Zoff um den neuen Hauptbahnhof: Die Bahn will einen Zweckbau, die Stadt ein repräsentatives Gebäude. Bekommt München am Mittwoch den Zuschlag für Olympia, steigen jedoch die Chancen für den schöneren Bau.

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Die Grafik zeigt den Entwurf für die erneuerte Fassade des Hauptbahnhofs München
Bereits seit 2003 plant die Deutsche Bahn gemeinsam mit der Stadt den Umbau des Hauptbahnhofs. Es wurde ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben. Ziel war, das Bahnhofsviertel zu verschönern. Der großzügige Entwurf des Münchner Büros Auer und Weber sollte schließlich das alte, 1960 fertiggestellte Bahnhofsgebäude ersetzen. Doch vier Jahre später erklärte die Bahn, für das 350 Millionen Euro teure Konzept sei kein Geld da. Das Projekt lag auf Eis. In diesem Jahr wurden die Pläne wieder aktuell. Der Bau der zweiten Stammstrecke wurde beschlossen und die Olympia-Entscheidung steht bevor.
Die Stadt hingegen hat eine andere Vorstellung. “Das Gebäude soll nicht nur funktional, sondern auch ästhetisch sein“, sagt Stadtplanerin Strohäcker. “Es wird schließlich die nächsten 50 bis 80 Jahre bestehen.“ Das Planungsreferat kritisiert außerdem, es gebe beim Plan der Bahn nicht genügend Durchgänge zur U- und S-Bahn. Als eine Bahn-Sprecherin Mitte Mai das neue Konzept der Deutschen Bahn im Stadtrat vorstellte, buhten die Politiker es aus.
Einig sind sich Stadt und Bahn allein darin, dass der Umbau in Etappen geschehen muss. Wenn München den Zuschlag für Olympia erhalten sollte, muss Ende 2017 eine Bauphase abgeschlossen sein. “Der Entwurf der Bahn ist banal, er wird der Stadt nicht ansatzweise gerecht“, kritisiert Stadtrat Robert Brannekaemper (CSU). “Wenn schon neu gebaut wird, dann sollte es auch ein architektonisches Highlight sein“, findet auch Paul Bickelbacher von den Grünen. Johann Altmann (Freie Wähler) sagt, der Münchner Hauptbahnhofs müsse richtig zur Geltung kommen. Schließlich sei er nicht nur der zentrale Münchner Verkehrsknotenpunkt, sondern auch Aushängeschild und touristischer Anlaufpunkt. Der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) schrieb Bahnchef Rüdiger Grube nach der Sitzung im Mai im Namen des gesamten Stadtrats einen Brief und bat, den Auer-und-Weber-Entwurf zu berücksichtigen.
Wie der Hauptbahnhof aussehen wird, entscheidet am Ende die Deutsche Bahn. Sie hat die Planungshoheit über die Bahnhöfe. Der Stadtrat will deshalb nun die Bürger mobilisieren. “Der Entwurf muss mit der Öffentlichkeit diskutiert werden“, fordert Stadtrat Robert Brannekaemper. Sollte die Bahn auf ihrem Vorschlag bestehen, fordert Stadtplaner Ferdinand Stracke die Bürger auf, für einen Bahnhof zu protestieren, der der Stadt angemessen ist: “Es muss ja nicht gleich wie in Stuttgart ablaufen. Aber ein bisschen Widerstand ist notwendig.“
dpa
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