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Comeback Stoibers beim Aschermittwoch

Comeback Stoibers beim Aschermittwoch

München - Fünf Jahre nach seinem Sturz will die CSU ihren früheren Parteichef Edmund Stoiber als Redner beim politischen Aschermittwoch in Passau reaktivieren.

© dpa

Edmund Stoiber will beim politischen Aschermittwoch eine Rede halten.

Die Passauer Dreiländerhalle wird beben - wenn er kommt: Fünf Jahre nach seinem Sturz soll Edmund Stoiber dort am Politischen Aschermittwoch vor mehreren tausend CSU-Anhängern wieder als Redner ans Mikrofon. Weil sich Horst Seehofer wegen seiner neuen Rolle als Interims-Bundespräsident verbal zurückhalten will, soll Stoiber als zweiter Redner engagiert werden - und die „Aufgabe Attacke“ übernehmen, wie ein CSU-Spitzenmann sagt.

In der Parteispitze diskutiert wird das bei einer Sitzung des CSU-Präsidiums am Samstagnachmittag. Zwar war schon seit dem Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff und der kommissarischen Übernahme der Amtsgeschäfte durch Seehofer am Freitag überlegt worden, wie man in Passau mit dieser neuen Situation umgehen soll. Doch erst nach der Präsidiumssitzung präsentiert Seehofer den Namen Stoiber.

Allerdings hatte Seehofer bis dahin noch gar nicht mit Stoiber selbst darüber geredet. Sollte der einstige Aschermittwochs-Matador ablehnen, wäre das ein Betriebsunfall. Stoiber redete immer gern - und stundenlang - in Passau. Nicht alle seine Passauer Auftritte waren Triumphe, manchmal war das Publikum am Ende einer Stoiber-Rede fast genauso erschöpft wie der Matador.

„Mich ärgert's jetzt ein bisschen, dass mir das nicht gleich eingefallen ist, dass man zum Jubiläum jemanden auftreten lässt, der praktisch mit dem Aschermittwoch so verbunden ist wie kein zweiter nach Franz Josef Strauß“, sagt Seehofer - es ist dieses Jahr der 60. Politische Aschermittwoch der CSU. Hinzu komme, dass er sich in dem Amt, das er kommissarisch ausübe, zurückhalten müsse, erklärt der CSU-Vorsitzende. „Ich habe jetzt Zurückhaltung zu üben, und deshalb muss ich vieles, vieles weglassen, was ich vorbereitet hatte.“

Deswegen wird der CSU-Aschermittwoch heuer zweigeteilt: Seehofer soll die Leistungen der CSU darstellen und anschließend Stoiber zum Angriff auf SPD, Grüne und sonstige Gegner der CSU blasen - ganz wie früher, als er leidenschaftlich „Avanti Dilettanti“ und andere Schmähungen über Rot-Grün ins Mikrofon schrie. Seehofer umschreibt das vorausschauend so: Er selbst wolle mehr als Ministerpräsident sprechen - und Stoiber „als der Mister Aschermittwoch sozusagen“.

Die anderen Parteien, die sich an dem Tag ebenfalls in bayerischen Städten zum Aschermittwoch treffen, dürften darüber nicht allzu begeistert sein - wissen sie doch, dass Stoibers wahrscheinliches Comeback als Aschermittwochs-Redner der CSU zu größerer Aufmerksamkeit verhelfen wird.

Und dabei versammelt sich an dem Tag fast alles im Freistaat, was in der Bundespolitik Rang und Namen hat: Bei der SPD in Vilshofen, der FDP in Dingolfing und den Grünen in Landshut treten die Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel, Philipp Rösler und Claudia Roth auf, bei der Linken Bundestagsfraktionschef Gregor Gysi. Beachtung finden dürften zudem die Freien Wähler und die Piratenpartei.

Die Blicke richten sich dabei vor allem auf die SPD: Erstmals seit Jahren erwarten die Sozialdemokraten selbst mehrere tausend Zuhörer. Sie lassen in diesem Jahr eigens ein großes Festzelt in Vilshofen aufstellen - weil das Traditionslokal „Wolferstetter Keller“ zu klein ist. Auch deshalb, weil dort neben Gabriel auch Landtags-Spitzenkandidat Christian Ude auftritt - zum ersten Mal.

Spannung ist also auch dort garantiert - auch wenn Ude im Vorfeld sagte, er setze „auf jeden Fall nicht auf den Holzhammer“. „Das Florett ist mir lieber“, sagte der Münchner OB, fügte dann aber hinzu, den Degen empfinde er schon „als eine durchaus auch legitime Waffengattung“. Er wolle eine Rede halten, die sozialdemokratisches Selbstbewusstsein zum Ausdruck bringe, betonte er.

Bei der Opposition dürfte die Wulff-Affäre sämtliche Reden beherrschen. Stoiber wurde schon vergangenes Jahr in Passau gefeiert, nur weil Seehofer ihn kurz auf die Bühne holte. Nun wird der Jubel aller Voraussicht nach noch größer sein. Seehofer räumt ein: „Natürlich werden Sie mindestens mit einer Zeile die Überlegung anstellen: Das waren noch Zeiten.“ Er habe damit aber keine Probleme.

dpa

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