Superbanner

Deutschland weist vier syrische Diplomaten aus

Deutschland weist vier syrische Diplomaten aus

Berlin - Deutschland weist vier syrische Diplomaten aus. Dies gab Außenminister Guido Westerwelle (FDP) am Donnerstag in Berlin bekannt.

Die syrische Botschaft gehört ohnehin nicht gerade zu den ganz großen Vertretungen in Berlin. In dem klotzigen Bau, an feiner Adresse direkt am Tiergarten gelegen, gingen bislang etwa zwei Dutzend Diplomaten ihrer Arbeit nach. Jetzt werden es noch weniger: Als Antwort auf die Drangsalierung von Gegnern des Assad-Regimes in Deutschland ließ Außenminister Guido Westerwelle vier syrische Botschaftsangehörige zu “unerwünschten Personen“ erklären.

Die Diplomaten - drei Männer und eine Frau - haben nun bis zum Wochenende Zeit, Deutschland zu verlassen. Auch ihre Familien müssen sie mitnehmen. Die Ausweisung ist der bisherige Tiefpunkt in den deutsch-syrischen Beziehungen, die sich - nach einer zwischenzeitlichen Erholung - seit Beginn der Proteste gegen Machthaber Baschar al-Assad vor einem Jahr wieder massiv verschlechtert haben.

Seit Monaten schon gibt es von Exil-Syrern in Berlin und anderswo Klagen darüber, dass sie vom Assad-Apparat schikaniert werden. Kurz nach Weihnachten wurde der syrischstämmige Grünen-Politiker Ferhad Ahma in seiner Wohnung überfallen. Am Dienstag wurden zwei Männer, die für die Botschaft aktiv waren, verhaftet: Sie stehen unter Verdacht, über ein Netz von Informanten Assad-Gegner ausgespäht zu haben. Insgesamt leben in Deutschland mehr als 32 000 Menschen mit syrischem Pass.

Bislang hatte es das Auswärtige Amt dabei belassen, den amtierenden Botschafter Radwan Loutfi zum Protest einzubestellen. Jetzt ist es mit der Geduld vorbei. Mit einer “Verbalnote“ wurde Loutfi darüber informiert, dass seine vier Mitarbeiter binnen 72 Stunden ab nach Damaskus müssen. Grundlage dafür ist die “Wiener Konvention“, wonach Diplomaten auch ohne Angabe von Gründen ausgewiesen werden können.

Westerwelle vermied es zunächst, im Detail zu sagen, warum die Assad-Leute Deutschland verlassen müssen. Zunächst war nur davon die Rede, dass sich die Syrer Aktivitäten zuschulde kommen ließen, “die mit dem Diplomatenrecht nicht vereinbar“ gewesen seien.

Schließlich stellte er aber doch klar: ““In Deutschland werden keine syrischen Oppositionellen unter Druck gesetzt - jedenfalls nicht, ohne dass es Folgen gibt.“ Die Bundesregierung werde “in keiner Weise tolerieren, wenn für den syrischen Staat Tätige in Deutschland einen direkten oder indirekten Beitrag dazu leisten“.

Solche Ausweisungen sind, seit der Kalte Krieg zu Ende ist, im diplomatischen Umgang ziemlich selten geworden. Zuletzt traf es in Berlin im vergangenen Jahr fünf Libyer, als in Tripolis noch das Gaddafi-Regime an der Macht war.

Westerwelle machte jedoch deutlich, dass die Ausweisung der vier Syrer nicht unbedingt das letzte Mittel des deutschen Protests gewesen sein muss. Ausdrücklich behielt er sich am Donnerstag auch weitere Maßnahmen vor, wenn die Drangsalierung von Assad-Gegnern in Deutschland kein Ende nimmt. Im äußersten Fall wäre auch die Ausweisung von Botschafter Loutfi möglich.

Von der syrischen Exil-Opposition kam Lob für das harte Vorgehen. Von offizieller syrischer Seite gab es zunächst keine Reaktion. Mit vergleichbaren Gegenmaßnahmen täte sich das Assad-Regime auch schwer: Die deutsche Botschaft in Damaskus ist derzeit verwaist. Der bisherige Botschafter hat seine Arbeit eingestellt, einen Nachfolger gibt es nicht. Und Westerwelle denkt derzeit auch nicht daran, einen neuen Botschafter zu bestellen.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

zurück zur Übersicht: Politik

Kommentare

Meist kommentierte Artikel

  • Letzte Woche
  • Monat
  • Themen

Steinbrück: Sarrazins Thesen sind "Bullshit"

Berlin - Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin hält die jüngsten Euro-Thesen des Autors und früheren Bundesbank-Vorstands Thilo Sarrazin für “erbärmlich“ und wirft ihm “D-Mark-Chauvinismus“ vor.Mehr...

Özdemir warnt Piraten-Wähler

Berllin - Die Grünen haben die Wähler davor gewarnt, mit Stimmen für die Piratenpartei große Koalitionen zu ermöglichen und Rot-Grün zu verhindern.Mehr...

Ort des Geschehens

52.5234051,13.4113999

Karte wird geladen... Karte wird geladen - Downloadanzeige

Newsletter

Aktuelle Fotostrecken

Röttgen-Verabschiedung: Merkel wie versteinert

weitere Fotostrecken:
Probeabo

Meist gelesene Artikel

  • Heute
  • Letzte Woche
  • Monat
  • Themen

Organspende: So sieht die neue Regelung aus

Berlin - Niemand wird zum Ja gezwungen, aber alle werden gefragt - die Bürger sollen sich zur Organspende bekennen. Nach rund 15 Jahren Debatte zieht der Bundestag Konsequenzen aus dem fatalen Organmangel.Mehr...

Holocaust & Euro: Sarrazin-Eklat bei Jauch

Berlin - Thilo Sarrazin hat erneut mit gewagten Äußerungen provoziert. Sein Auftritt in Günther Jauchs ARD-Talkshow wurde von Politikern von SPD, FDP und Grünen scharf kritisiert.Mehr...

Innenminister Herrmann bei Baggerunfall verletzt

Kempten - Beim Spatenstich zur Bau einer neuen Straße in Kempten ist Bayerns Innenminister Joachim Herrmann in einen tonnenschweren Bagger geklettert - und mit dem Gefährt umgekippt.Mehr...

Wirtschaft

IWF-Chefin Lagarde hat mit Griechen kein Mitleid

IWF-Chefin Lagarde hat mit Griechen kein Mitleid

London - Die Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, hat wenig Mitleid für die unter Wirtschaftskrise und Sparmaßnahmen leidenden Griechen. Ihre Lösungsvorschläge.Mehr...

Sonne liefert Deutschland erstmals soviel Leistung wie 20 AKW

Sonne liefert soviel Leistung wie 20 AKW

Münster - Energiewende und sommerliches Wetter machen es möglich: Deutschland hat eine neue Spitzenleistung bei der Sonnenenergie erreicht. Dass ist auch ein Verdienst der Bundesregierung.Mehr...

Studie: Jeder dritte Deutsche fürchtet Immobilienblase

Studie: Jeder dritte Deutsche fürchtet Immobilienblase

Stuttgart - Jeder dritte Deutsche sieht einer Studie zufolge wegen der Flucht vieler Anleger ins “Betongold“ im Zuge der Finanzkrise die Gefahr einer Immobilienblase. Was die Deutschen befürchten.Mehr...

Artikel lizenziert durch © merkur-online
Weitere Lizenzierungen exklusiv über http://www.merkur-online.de

Neues Passwort zusenden

Bitte geben Sie ihre E-Mail Adresse an, wir senden Ihnen ein neues Passwort zu.

Bitte warten

Es wird etwas gemacht.

  • recommendbutton_count100
Schließen

Druckvorschau

Artikel:

Schließen

Artikel Empfehlen

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!

Fehleranzeige ausblenden

Es sind Fehler aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.

Fehleranzeige ausblenden

Schwere Fehler sind aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.

  • Fehlertext

Achtung!

  • Fehlertext

Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.

SkyScraper