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Deutsche-Bank-Chef Ackermann darf mit Freunden im Kanzleramt speisen - politischer Skandal oder politischer Alltag?

Dinner für Jo

025.08.09|Politik|Politik|8
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Artikel: Dinner für Jo

Berlin - Es war eine illustre Runde, die sich im Kanzleramt zum Abendessen anlässlich des 60. Geburtstag von Bank-Chef Ackermann einfand. Nun sorgt das Dinner für politischen Zündstoff. Die Gästeliste verrät nun, wer dabei war.

Abendeessen im Kanzleramt: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermannund Bundeskanzlerin Merkel(Archivfoto).

© dpa

Abendeessen im Kanzleramt : Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und Bundeskanzlerin Merkel (Archivfoto).

An diesen Abend im April 2008 erinnert sich Klaus-Dieter Lehmann gerne zurück: Im 8. Stock des Kanzleramts bat Angela Merkel zu Tisch – „Abendessen zu Ehren von Herrn Dr. Ackermann“ stand auf den Einladungen. 30 handverlesene Honoratioren aus Wirtschaft , Wissenschaft, Politik und Kultur waren geladen, etwa der Bankier Friedrich von Metzler, der Berater Roland Berger , die Konzernchefs Jürgen Hambrecht (BASF) und Werner Wenning (Bayer), Moderator Frank Elstner, Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth , Konzern-Erbin Maria-Elisabeth Schaeffler und Verlegerin Friede Springer. „Eine erstaunlich gute Mischung“, lobt Lehmann, der als Präsident des Goethe-Instituts zugegen war. Merkel habe als Gastgeberin „ein sehr interessantes und ertragreiches Gespräch über gesellschaftspolitische Positionen zustande gebracht“. Der zwei Monate zurückliegende Geburtstag von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sei zwar der Anlass gewesen sein, „aber er war nicht das Thema des Abends“, sagt Lehmann. „Es war eine Einladung der Kanzlerin, keine Feier, auf der Reden auf das Geburtstagskind gehalten wurden.“

Der Jubilar hatte das Dinner zuvor ganz anders dargestellt und damit eine Welle der Empörung ausgelöst. In einer ZDF-Reportage erzählte Ackermann, Merkel habe ihm gesagt, sie würde „gerne etwas für mich tun und ich solle doch einmal 30 Freunde aus Deutschland und der Welt einladen, mit denen ich gerne einen Abend zusammen sein würde im Kanzleramt “. Mit leuchtenden Augen fügte der Banker hinzu: „Ich muss sagen, es war ein wunderschöner Abend.“

Der Kanzlerin dagegen dürfte das Essen auf den Magen schlagen. Denn Grüne, Linke und SPD üben heftige Kritik, sprechen von einer „Kanzleramtsfete“ auf Kosten der Steuerzahler. „Wenn Ackermann bestimmen kann, wer im Kanzleramt zum Abendessen eingeladen wird, dann fragt man sich, ob es ihm egal ist, wer unter ihm Kanzler ist“, kritisiert Gesine Lötzsch (Linke). Die Union erschließe neue Wählerschichten, spottet Thomas Oppermann ( SPD ): „Joe Ackermann und seine 30 Freunde werden alles dafür tun, dass Merkel ihr Hausrecht im Kanzleramt behält.“

Der CDU-Haushaltspolitiker Steffen Kampeter hält die Vorwürfe für „ungeheuerlich und scheinheilig“. Auch Bundestagsabgeordnete nähmen oft an Abendessen auf Einladung des Bundespräsidenten, der Kanzlerin oder einzelner Minister teil. „Von einem privaten Charakter kann bei solchen Anlässen keine Rede sein“, sagte Kampeter unserer Zeitung. Er nannte es „ungeheuerlich“, wenn Merkel ein übermäßiger Repräsentationsaufwand vorgeworfen werde.

„Allein die Kosten für Rotwein und Zigarren dürften sich gegenüber ihrem Vorgänger deutlich reduziert haben“, so Kampeter in Anspielung auf SPD -Kanzler Schröder .

Was das vierstündige Abendessen genau gekostet hat, lässt sich laut Regierung nicht mehr ermitteln. Fest steht, dass 2100 Euro für zusätzliche Servicekräfte bezahlt wurden. An die einzelnen Gänge des Menüs kann sich niemand mehr erinnern, auch nicht Ehrengast Klaus-Dieter Lehmann: „Es war ein ganz normales Abendessen im festlichen Rahmen, aber kein Essen, das mit soundso vielen Sternen versehen wurde.“

Die Union wirft der SPD vor, die Attacke auf Merkel nur gestartet zu haben, um von Ulla Schmidts Dienstwagen-Affäre abzulenken. Die SPD-Gesundheitsministerin muss heute dem Haushaltsausschuss des Bundestags erklären, warum sie seit 2004 ihre Dienstlimousine in den Spanien-Urlaub beordert hatte, die Hin- und Rückfahrt jedoch nur in diesem Jahr privat abrechnete. Am Nachmittag muss auch Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ( CSU ) zu kostspieligen Aufträgen an die Anwaltskanzlei Linklaters und dem Vorwurf der Vetternwirtschaft Stellung nehmen. Kanzlerin Merkel bleibt der Auftritt im Ausschuss erspart: Sie schickt einen Staatsminister, um die Spesen für Ackermann zu erläutern.

von Holger Eichele

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