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CSU und die Frauenquote: Gesellschaft der gesetzten Herren

CSU und die Frauenquote: Gesellschaft der gesetzten Herren

München - Die CSU huldigt der Frau, beschließt Quoten, fördert Kandidatinnen. Doch in der Landtagsfraktion, die sich gern als CSU-Herzkammer sieht, droht der Frauenanteil ins Bodenlose zu sinken.

© Schlaf

Christa Stewens verlässt 2013 den Landtag. Mit ihr gehen zahlreiche weibliche Abgeordnete. Die Frauenquote sinkt und sinkt.

Die heiße CSU-Schlacht liegt gerade mal anderthalb Jahre zurück. Nach hitziger Debatte beschloss der Parteitag in einer Kampfabstimmung die Frauenquote. 40 Prozent der Führungsämter auf höheren Parteiebenen sind seither Frauen vorbehalten. Es funktioniert – aber nur in den Vorständen. Im Landtag droht der eh schon extrem niedrige Anteil nächstes Jahr weiter zu sinken.

Für die Abgeordneten gilt keine Quote. In der CSU sind sie fast alle direkt im Stimmkreis gewählt. Dem Volk kann ja kaum vorgeschrieben werden, in Dachau, Schongau oder Traunstein nur Frauen zu wählen. Kleinere Parteien, die nur über quotierte Listen ins Parlament kommen, tun sich leichter. Weil sich bei den CSU-Delegiertenversammlungen in den Stimmkreisen traditionell Männer durchsetzen, sitzen jetzt nur 19 weibliche Abgeordnete in der 92-köpfigen Fraktion.

Tendenz fallend: Zahlreiche Frauen treten 2013 nicht mehr an. Ex-Sozialministerin Christa Stewens, Ursula Männle und Erika Görlitz hören zum Beispiel auf, bei Fraktionsvize Renate Dodell, Annemarie Biechl und Christa Matschl gilt das als wahrscheinlich. Für sie sind weibliche Nachfolger im Gespräch. Die alle durchzusetzen, gilt aber als ausgeschlossen. Männliche Kollegen beweisen hingegen Sitzfleisch. Der Erdinger Jakob Schwimmer, am Wahltag 64 und nur profunden Kennern der Landespolitik ein Begriff, hängt noch fünf Jahre dran. Die junge, in der Partei hoch geschätzte Ulrike Scharf kommt deshalb im Landtag nicht zum Zug. Zittern muss sogar Landtagspräsidentin Barbara Stamm, die nach wie vor keinen eigenen Stimmkreis hat.

Die Quoten-Vorkämpfer sind machtlos. „Das ist ein Einschlag“, stöhnt eine Beteiligte. „Ich sehe das mit großer Sorge“, sagt Stewens über die Entwicklung. Die weibliche Sicht in Parlamenten sei nicht verzichtbar. „Frauen sind ein Stück weit kreativer, gehen unkonventionellere Lösungswege an.“ Den Bewerberinnen „Mut zusprechen“, den Mut, um auch mal in eine Kampfkandidatur zu gehen, rät Stewens. Die Vorentscheidungen werden in diesen Wochen intern gefällt.

„Ich hoffe sehr, dass in den Kreisverbänden die Diskussion so geführt wird, dass man weibliche Kandidaten ernsthaft in Erwägung zieht“, sagt Angelika Niebler, Landesvorsitzende der Frauen-Union. Verordnen könne man das nicht. Wenngleich sie noch im Februar Parteichef Horst Seehofer einschalten und um einen flammenden Appell bitten will: „Das ist Sache der ganzen Partei.“

Seehofer hat mehrfach bewiesen, dass es ihm ernst ist. Auf Schlüsselpositionen in der Staatskanzlei holte er mehrere Frauen. 2011 rief er zum „Jahr der Frau“ aus. Auch in der Fraktion haben weibliche Abgeordnete mehrere Führungsaufgaben inne. Das Mandat allerdings kann man nicht herzaubern. In der Millionenstadt München zum Beispiel gelang es der CSU, in Landtag und Bundestag nur Männer zu entsenden.

Auch Versuche, Stewens umzustimmen, verliefen im Sand. Sie will auch den Generationswechsel. „Ich bin nächstes Jahr 67“, erklärt die Poingerin (Kreis Ebersberg) mit Nachdruck: „Irgendwann sagt dann jeder: Wann ist die Alte endlich weg?“

Als ob es bei den Jüngeren besser liefe: Die Junge Union wählte jüngst eine Frau an die Spitze. Ihre Führungsmannschaft aber ist eindrucksvoll: Zwischen drei Dutzend Herren genau zwei Frauen.

Christian Deutschländer

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