München/Berlin - Nach dem unionsinternen Streit um das Genmais-Verbot droht eine neue Diskussion um eine Genkartoffel.

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Genkartoffeln der Sorte "Amflora".
CSU-Chef Horst Seehofer habe Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) unter massiven Druck gesetzt, den Anbau der genveränderten Amflora-Kartoffel des Chemiekonzerns BASF nicht zu genehmigen. Das berichten Medien.
Bayerns Umweltminister Markus Söder (CSU) forderte eine Verbannung sämtlicher Genpflanzen in Treibhäuser. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) will seine Kabinetts-Kollegin bei einem möglichen Verbot von Genkartoffeln unterstützen.
Söder sagte auf Anfrage: "Generell sollte man alle Freilandversuche mit genveränderten Pflanzen einstellen und nur noch in Gewächshäuser gehen." Zunächst müssten aber die ethischen Fragen geklärt werden. Dazu sollten der von Forschungsministerin Schavan geplante Runde Tisch zur grünen Gentechnik und ein Symposium zur grünen Gentechnik in Bayern dienen. "Danach kann man über das weitere Vorgehen reden - aber wenn, dann nur in Gewächshäusern", sagte Söder.
Schavan hatte bereits Aigners Entscheidung, den Anbau des Genmais MON 810 des US-Saatgutkonzerns Monsanto zu verbieten, scharf kritisiert. Die CSU ist in Sachen grüner Gentechnik unter Druck, weil viele bayerische Bauern genmanipulierte Pflanzen strikt ablehnen. CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt sagte: "Bei der grünen Gentechnik muss der Schutz von Mensch und Umwelt oberste Priorität behalten."
In der CDU dagegen herrscht die Sorge, dass allzu striktes Vorgehen dem Forschungsstandort Deutschland schaden würde. Schavan bezeichnete Seehofers Haltung zur grünen Gentechnik im Bayerischen Rundfunk als nicht nachvollziehbar. Ihrer Ministerkollegin bot sie demonstrativ Entscheidungshilfe an: "Frau Aigner kennt meine Position. Alles was dem Forschungsministerium zur Verfügung steht, wird auch ihr zur Verfügung stehen." Aus Aigners Ministerium heißt es, sie wolle sich von niemandem unter Druck setzen lassen. Die Entscheidung über die Kartoffelsorte Amflora sei deshalb offen.
Die BASF-Kartoffel ist nicht für den Verzehr gedacht, sondern für die Industrie. Die Kartoffel produziert weitaus mehr Stärke als gewöhnliche Kartoffeln, was bei der Herstellung von Papier, Klebstoffen oder Textilien genutzt werden könnte. Die CSU bemühte sich am Mittwoch, keinen neuen Streit mit der CDU aufkommen zu lassen. Dobrindt begrüßte den von Schavan vorgeschlagenen Runden Tisch. Das könne "ein guter Auftakt für einen breiten gesellschaftlichen Diskussionsprozess" über Gentechnik-Forschung sein.
Umweltminister Gabriel sagte, Versuche mit gentechnisch veränderten Sorten dürften nur zugelassen werden, wenn sie nicht in den Futtermittelkreislauf kommen. Bei dieser Haltung stehe die SPD hinter Aigner. Die BASF hat beim zuständigen Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, das Aigner unterstellt ist, einen Antrag auf Zulassung der Kartoffelsorte Amflora für eine Fläche in Mecklenburg-Vorpommern gestellt.
dpa



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