- Charlotte Knobloch, Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinde München und Vizepräsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, hat an dem historischen Besuch von Papst Benedikt XVI. in der Kölner Synagoge teilgenommen. Ein Ereignis, das sie berührt hat.

Wie haben Sie die Atmosphäre erlebt?
Charlotte Knobloch: Es war ein herausragendes historisches Ereignis. Dazu hat der Pontifex Maximus, der Brückenbauer, wie der Papst auch genannt wird, entscheidend mit seinen Worten beigetragen. Er wird die Linie, die Papst Johannes Paul II. begonnen hat, fortführen.
Der Papst hat keine Bitte um Vergebung ausgesprochen für Leid, das Juden von Katholiken angetan wurde. Es gab kein erneutes Schuldeingeständnis, wie 2000 durch Johannes Paul II. Enttäuscht?
Knobloch: Nein, ich bin überhaupt nicht enttäuscht. Der Papst hat ganz entschieden auf den Antisemitismus und Rassismus hingewiesen und ganz klar zum Ausdruck gebracht, dass die Kirche für Toleranz, Respekt, Freundschaft und Frieden mit der jüdischen Religion eintritt.
Der Gemeinderabbiner hat in einer eindrucksvollen Geste dem Papst und allen Katholiken die Hand der Versöhnung gereicht. Wie ist diese Geste aufgenommen worden?
Wie wird der Besuch das Verhältnis von Juden und Katholiken in Deutschland beeinflussen?
Knobloch: Er wird sicherlich dazu führen, dass der sehr dringende Dialog zwischen der Mutter der Religion, wie der Papst das Judentum genannt hat, und den anderen Religionen fortgesetzt wird. Dass der Papst seinen ersten Besuch in Deutschland zum Anlass genommen hat, eine jüdische Synagoge zu besuchen, hat schon die Grundlage dafür gelegt.
Welche Schritte müssen folgen?
Knobloch: Die anwesenden Kirchenvertreter haben die Worte des Papstes und des Gemeinderabbiners gehört. Der jüdisch-katholische Dialog wird auf gleicher Augenhöhe stattfinden.
Was nehmen Sie zurück mit nach München?
Knobloch: Ich nehme mit, gerade weil ich zur Generation der Überlebenden gehöre und mich noch sehr gut erinnere an die konfliktbeladene Situation zwischen Juden und Katholiken, dass wir einer hoffnungsvollen Zukunft im Verhältnis der Religionen entgegengehen.
Was hat Sie am meisten berührt?
Knobloch: Der Händedruck zwischen dem Papst und dem Rabbiner. Aber auch die klaren Worte, die der Papst gegen den Antisemitismus gesprochen hat. Und das an einem Ort, an dem so viele junge Menschen zu Gast sind. Gerade diese junge Generation ist der Garant für eine friedliche Zukunft.
Das Gespräch führte Claudia Möllers



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